115 Jahre Diakonissenhaus

Nach dem Krankenhause (erneuerte Version)

Nach dem Krankenhause (erneuerte Version)

(A.H.) Den meisten alteingesessenen Leipzigern wird das Evangelische Diakonissenkrankenhaus in Lindenau ein Begriff sein. Doch wer kennt die Anfänge? Von der ersten Oberin bis zum aktuellen Onkologen war es ein langer Weg. Wir möchten uns in diesem Beitrag auf die Anfangsjahre des Hauses beschränken, vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt hier mal ein Traktat zu jüngeren Epochen.

Die ersten Diakonissen wurden in Leipzig 1885 zur Gemeindepflege in die Thomasgemeinde berufen. Der in diesem Aspekt wohl etwas schwachbrüstigen Stadt wurde aus Mangel an helfenden Händen schwesterliche Hilfe aus Dresden zuteil, die dortige Diakonissenanstalt stellte somit das erste Personal in Leipzig. Auch die Nikolai-, Petri- und Matthäigemeinden durften 1886/87 Gemeindeschwestern begrüßen, 1887 betätigten sich schließlich zwölf Diakonissen in Leipzig – alle aus Dresden.

Der nächste Schritt war 1891 die Gründung einer Diakonissenanstalt in Leipzig, welche durch private Spender und eine Zuwendung der Stadt Leipzig gefördert wurde. Für die noch fehlende Unterkunft konnte Graf Hohenthal-Dölkau gewonnen werden, gegen einen geringen Mietsobolus stellte er sein Haus Weststraße 9 samt Garten zur Verfügung. Die erste Diakonissenanstalt war folglich in der Westvorstadt zu finden.

Fünf Jahre später waren die Schwestern in Not. Nachdem der Graf seine Villa 1896 an P. Herfurth verscherbelt hatte, musste man notgedrungen das schöne Anwesen räumen. Zu allem Unglück stoppte der Möbelwagen in der Johannisgasse 6 hinter dem Augustusplatz und fuhr keinen Meter weiter. Die Nachbarn hießen jetzt nicht mehr Rhododendron und Erle, sondern Gasgesellschaft Prometheus und Göschen’sche Verlagsbuchhandlung. Die „Diaconissen-Station“ belegte die 2. Etage im dem gewerblich genutzten Gebäude, mit Blick auf diverse Hinterhofsituationen.

Als ob der Herr das Leiden erhört hätte, leuchtete bald wieder ein Streifen Hoffnung am Quartiershimmel. Und zwar in Form der Kommune Leipzig, die Stadtverordneten schenkten dem Diakonissenstift 1897 einen großen Bauplatz an der damaligen Gundorfer Straße in Lindenau (heute Georg-Schwarz-Straße).

Für den Bau des Diakonissenhauses konnte der bekannte Leipziger Architekt Julius Zeißig gewonnen werden. Mit der erfolgreichen Errichtung von Luther-, Lukas- und Paul-Gerhardt-Kirche hatte der Baumeister ja schon gewissermaßen allerlei Konfessionsfundamente gegossen, so dass er für die Aufgabe prädestiniert war.

Am 1. November 1898 war Baubeginn, die Kosten wurden wieder zum großen Teil durch private Aufwendungen, aber auch von der spendierfreudigen Stadt Leipzig beglichen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Angeordnet um eine parkähnliche Anlage mit Teich wurden am 1. Oktober 1900 die Gebäude ihrer Nutzung übergeben: Schwesternhaus, Pfarrhaus, Krankenhaus mit Privatstation, zwei allgemeine Krankenhäuser, ein Operationshaus mit Wohnungen für die Ärzte, ein Wäschereigebäude mit Wohnungen und ein Heizhaus.

Später folgten noch zwei allgemeine Krankenhäuser, ein Haus für Kranke des Mittelstandes sowie ein Luft- und Sonnenbad. Die Privatstation verfügte über 26 Zimmer mit 30 Betten, die Mittelstandsbaracke hatte zehn Zimmer mit zwölf Betten und die übrigen Krankengebäude 120 Betten. Die ersten leitenden Ärzte waren für die Chirurgie Prof. Dr. Heinrich Braun und Prof. Dr. Lange für die Innere Abteilung.

Mit der Anlage war endlich eine zentrale Stelle für die Diakonie in Leipzig geschaffen. Im Jahr 1920 gab es 240 Diakonissen, 94 im Krankenhaus, die übrigen in 68 Gemeinden der Stadt und der Kreishauptmannschaft Leipzig. Mit Ausbruch des Krieges mussten 240 Betten für ein Lazarett gestellt werden, welches vom September 1914 bis März 1919 in Betrieb war. Eine erste Erweiterung des Ensembles erfolgte 1928 mit der Errichtung eines Poliklinik-Gebäudes, das Feierabendheim für die Diakonissen konnte erst in den 1930er Jahren realisiert werden.

Mit diesen Zeilen soll auch der vielen Diakonissen gedacht werden, die über Jahrzehnte selbstlos und aufopferungsvoll unzählige Patienten durch schlimme Zeiten begleitet haben. Vergessen wir sie nicht!

Nachtrag 1: Die Bilder von 1920 sind der Broschüre „Das Diakonissenkrankenhaus zu Leipzig-Lindenau“ entnommen, die vermutlich vom Diakonissenhaus selbst herausgegeben wurde. Die beiden Adressbucheinträge wiederum stellen die einzigen Hinweise zu den früheren Standorten der Diakonie in Leipzig dar.

Nachtrag 2: Das alte Blech- oder Emailleschild „Nach dem Krankenhause“ befand sich bis vor wenigen Jahren am Zaun in der Georg-Schwarz-Straße, links von der Treppe zum Schwesternhaus, es sah aus wie auf dem Wandbild an der Straßenbahnhaltestelle.

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