Die singende Wirtin

Gerdi Brückmann

Gerdi Brückmann

Gerdi Schönbrodt, die in Grünau das Lokal La Belle führt, ist als „singende Wirtin“ bekannt. Unter ihrem Mädchennamen Gerdi Brückmann war sie lange Jahre als Sängerin unterwegs, u.a. im Chor von Bärbel Wachholz. Angefangen hatte es im Club junger Talente, einem Nachwuchswettbewerb zu Beginn der 1960er. Eine Band war dabei auf die 17jährige aufmerksam geworden und engagierte sie für einen Auftritt im Eiskeller (heute Conne Island). Kurios: Die Jugendliche durfte nur bis 22 Uhr auf der Bühne stehen.

Es folgten Konzerte mit dem Jugendtanzorchester Leipzig, einer Big Band, u.a. in der Großen Eiche Böhlitz-Ehrenberg, dem Haus Auensee und dem Haus Leipzig (damals Haus Antifa). Gerdis Künste kamen an, sie wurde für den Background von Bärbel Wachholz, die ein Star war, verpflichtet. Vier Jahre lang ging es nun Konzerte gebend durch die Länder des RGW, die Länder des Ostblocks. Gerdi Brückmann hatte Gesangsstunden genommen (u.a. bei der Mutter von Frank Schöbel) und den Berufsausweis als Sängerin ausgehändigt bekommen.

Zurück in Leipzig sang sie in den Combos von Werner Pfüller und Jochen Lehmann, man spielte im Forsthaus Raschwitz, im Schauhaus, der Orion-Bar. Nebenbei muggte Gerdi Brückmann mit dem Blasorchester Leipzig im Clara-Zetkin-Park und auf den Freilichtbühnen der Umgebung.

Bei einem solchen Termin in Greiz saßen vier Hallenser im Publikum, die Rudi Gerbel Formation. Die machten moderne Musik und überzeugten die blonde Leipzigerin, ihre Frontfrau zu sein. Ein erstes mehrwöchiges Engagement führte die Truppe ins Panorama-Hotel nach Oberhof, wo sich Gerdi in den Oberkellner der Nachtbar verliebte. Die Beiden heirateten und übernahmen das Plauderstübchen in Connewitz. Doch nach einigen Jahren wollte der Mann „zurück in den Wald“.

Gerdi, die nun Krell hieß, holte Ausbildungen zum Facharbeiter und Gaststättenleiter nach, um das Begonnene weiterzuführen. Das Plauderstübchen existierte bis 2002, bis es nicht mehr ging – mit kaputtem Dach, Tauben im Haus und den Toiletten im Flur. Die „singende Wirtin“, geboren in Kleinzschocher, wechselte nahtlos nach Grünau, wo sie sowieso schon wohnte und im Carnevalsclub Alte Salzstraße ihren zweiten Mann kennengelernt hatte.

„Es kommen jetzt noch Gäste aus Connewitz“, sagt sie, möchte ihr Geschäft, das sich in den Räumen der einstigen Gaststätte Mekong befindet, aus Altersgründen aber verkaufen. Gerdi Schönbrodt ist mittlerweile 70, sie begrüßt und bekocht jeden Gast im La Belle persönlich. Ab und zu greift sie auch noch zum Mikrofon, jedoch leider viel zu selten …

Nachtrag zum Plauderstübchen: (A.H.) Das Haus in der Zwenkauer Straße 30 wurde 1902 für den Bauunternehmer Ernst Strieter errichtet. Ab 1904 lässt sich eine gastronomische Nutzung vermuten und schon von 1909 bis 1918 der Name Plauderstübchen belegen. Im Volksmund hieß das Lokal wohl ab den 1950er Jahren „Die Wetzsche“, nach der früheren Wirtin Doris Wetzig. Übrigens gab es auch ein Plauderstübchen in der Humboldtstraße 8, von mindestens 1908 bis 1949.

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