Fleisch- und Wurstwaren I

Fleischerei Tempel in Lindenau, Juli 2012

Fleischerei Tempel in Lindenau, Juli 2012

Die Fleischer – wie die Bäcker Inbegriff von haushaltnahem Handwerk und Mittelstand – werden immer weniger. Warum, sie strotzten doch vor Kraft? Liegt es am Vormarsch der Veganer? Wahrscheinlich nicht, wohl eher an der übermächtigen Konkurrenz aus Industrie, Supermärkten und Discountern (die ihre Produkte gern mit Verweisen auf Fleischer-Qualität oder Echtes Handwerk bewirbt) sowie an diversen staatlichen Vorschriften (Hygiene u.a.), die zu beachten, finanziell nicht einfach sein wird.

Wir haben keine umfassenden Zahlen, schätzen aber, dass in den letzten 25 Jahren die Hälfte der Leipziger Fleischerläden geschlossen wurde – im besten Falle umgewidmet, wie das Café Fleischerei in der Jahnallee (siehe auch die LTM-Broschüre „Verborgenes Leipzig“) oder die Haarmetzgerei in der Kolonnadenstraße.

Stichwort Zahlen: Die Handwerkskammer gab uns freundlicherweise Auskunft und eine Aufstellung durch. Laut der praktizierten 1992 im Kammerbezirk Leipzig 241 Fleischer, 2015 waren es 111. Die Daten von 1990 und 1991 sind „nicht bekannt“. In der Stadt Leipzig wurden 2003 (vorher: „keine Erhebung“) 47 Fleischer gezählt und 2015 noch 23. Da haben wir wohl zu harmlos geschätzt …

Dazu passt, dass wir in der Lindenthaler Straße vor wenigen Tagen unseren Augen nicht trauten: Selbst die Fleischerei Lösche steht leer, der Betrieb, dessen Chef unserem Gedächtnis zufolge in nahezu jeder Ausgabe der LVZ-Gastro-Beilage „Theke“ nach altem Familienrezept gefertigte Bratwürste präsentiert/e.

Erinnert Ihr Euch an die Fleischer-Ladenkette Burg? Die machte in den Neunzigern ein Geschäft nach dem anderen auf, unter anderem an der Ecke von Merseburger und Lützner Straße – und kurz darauf komplett zu. Uns geht’s allerdings um die Fleischer, die keine Kette, sondern lediglich einen oder zwei Läden betreiben bzw. betrieben, so wie einst Reinhard Tempel in der Merseburger, der eine Zeit lang auch im „Zentrum“ von Burghausen aktiv gewesen war.

Zuguterletzt: Stellt Euch vor, Ihr heißt Fleischer und esst keine Wurst! Das gibt’s. Und noch was: Stellt Euch vor, Ihr esst Wurst und es gibt keine Fleischer mehr …

PS.: Wir zeigen in unserer Galerie zwar überwiegend, aber nicht nur geschlossene Läden. In den nächsten Tagen und Wochen wollen wir weitere geöffnete Fleischereien fotografieren und hinzufügen. 23 gibt es ja noch!

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