Riebeckteich und Eisfabrik II

Rampe der ehemaligen Eisfabrik

Rampe der ehemaligen Eisfabrik

Diejenigen, die sich nach Erscheinen von Teil 1 in den Facebook-Kommentaren von Dunkel Dreckig Reudnitz schon auf Teil 2 und darin befindliche Stimmungsaufheller und Durchhaltesubstanzen freuten, müssen wir enttäuschen, die Krystalleisfabrik (später mit i geschrieben) produzierte und verkaufte Eis zum Frischhalten, Eis für den Eisschrank.

Ein solcher war der Vorläufer des Kühlschranks und erfüllte seine Aufgabe, wenn man einen Viertelblock Eis im dafür vorgesehenen Fach deponierte. Das Eis taute selbstverständlich und musste je nach Außentemperatur mehr oder weniger oft ersetzt werden – im Hochsommer täglich. Den Betreibern der Eisfabrik war das bekannt, weshalb sie auch an Sonntagen mit kalter Ware handelten.

Ob Wochen- oder Feiertag – bei Bedarf fand sich die Kundschaft hier mit Einkaufsnetzen ein, erwarb im kleinen Hofgebäude den entsprechenden Bon und stellte sich anschließend in die Warteschlange an der Rampe. Es rumpelte im Gebäude, dann kam das Eis im Block heraus. Ein Mitarbeiter brachte es anschließend auf die gewünschte Größe. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde das so gehandhabt, erinnert sich eine damalige Bewohnerin der Crottendorfer Straße.

Der Preis für einen Viertelblock habe 15 Pfennig betragen. Und wenn man sich das Eis ins Wohngebiet liefern ließ, was ebenfalls möglich war (es gab feste Routen und Klingeltöne wie heute bei Bofrost), stieg der Preis um weitere zehn Pfennig. Alles in allem allerdings: Kein „Chrystel“, nicht einmal Speiseeis.

Die alte Fabrik in der Cichoriusstraße bzw. Ungerstraße – es handelt sich um ein Karree mit mindestens zwei Zufahrten – steht bis heute groß und gelb im Innenhof. Inzwischen wird hier augenscheinlich Schrott zu Gold gesponnen, was in einem gewissen Sinne auch malerisch wirkt.

Für die historischen Adressbucheinträge geht der herzliche Dank an unseren Mitstreiter Andreas, der außerdem wusste: „Die Eisfabrik in Anger-Crottendorf taucht mit der Adresse Cichoriusstraße 11 1902 erstmals auf als Krystalleisfabrik und Kühlhallen AG. Ab 1914 firmiert sie unter Kristalleisfabrik und Kühlhallen Leipzig Werk I in der Ungerstraße 8.“

Nachtrag 1: Laut www.georg-schwarz-strasse.de steht auch die KAOS-Villa in der Wasserstraße auf den Grundmauern einer Eisfabrik. „Das Gelände des heutigen Stadtgartens Lindenau wurde bis ins 19. Jahrhundert als Standort der Eisproduktion durch die Leipziger Brauereiinnung genutzt.“ (siehe auch unseren Beitrag „Das KAOS kehrt zurück“ vom Juni 2015)

Nachtrag 2: Im Beitrag „Aktenzeichen L.E. ungelöst III“ vom August 2015 zeigen wir das Kühlhaus in der Nathusiusstraße.

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