Die Kinder vom Bauernteich, Teil 2

Die 24. Schule in Paunsdorf

Die 24. Schule in Paunsdorf

(J.W.) Es gab tatsächlich noch die Schule*, die auch einige Zeit in Anspruch nahm. Bemerkenswert waren einige Lehrkräfte, von den alten bis hin zu den sogenannten Neulehrern. Einer von Neuen, für Geschichte zuständig, schwärmte so von den Babyloniern, dass die Tröpfchen seiner sprühenden Rede die ersten Reihen der Schüler erreichten. Wohl denen, die ihren Platz weiter hinten hatten. Und im Mathematikunterricht war ein ehemaliger Richtschütze der Flak derart aktiv, dass wir Schüler eine Vorstellung davon gewannen, wie man durch kluges Rechnen feindliche Flugzeuge erwischen konnte – praxisnahe Vermittlung von Kenntnissen, jedoch nach Beendigung des Krieges nicht mehr zeitgemäß.

Appelle und Pioniernachmittage fanden natürlich auch statt, aber viele der Schüler waren durch Christenlehre und anschließenden Konfirmationsunterricht eher an anderen Dingen interessiert. Der örtliche Pfarrer verstand es, durch Interessengemeinschaften, Exkursionen und Kirchenspiele viele Kinder in das Gemeindeleben zu integrieren. Zwei der Zöglinge sollten nach seinen Vorstellungen die kirchliche Laufbahn einschlagen. Die jeweiligen Eltern allerdings sahen das anders. Dann gab es einen Jungen, den wir Eddo nannten. Er wohnte bei seinen Großeltern und war ein Tausendsassa, der immer neue Ideen hatte, um tolle Aktionen mit uns zu starten. Sehr zum Ärgernis seines Opas, der ihn oft körperlich gemaßregelt hat. Ein Feuerhaken diente ihm dazu als Hilfsmittel. Doch letztlich führte das zu keinem Erfolg, denn Eddo hatte trotz allem unentwegt verrückte Einfälle.

Spielplatz in der Nähe der Straße Am Bauernteich

Spielplatz in der Nähe der Straße Am Bauernteich

In der Schule war er kein lobenswerter Schüler, er interessierte sich einfach nicht für den Stoff, blieb sitzen und musste ab der Vierten Klassenstufen mehrmals wiederholen. Daraus ergab sich, dass er jeweils als Großer in den kleinen Klassen saß. Diesen Vorteil nutzte er aus. Abgesehen von seinem Desinteresse und mangelnden Lernfähigkeiten war er ein besonderer Störfaktor im Unterricht und wurde deshalb immer in die letzte Reihe platziert und, falls dies nicht mehr fruchtete, vor die Tür des Klassenzimmers verbannt. Von dort büxte er jedoch wiederholt aus und ging anderen Beschäftigungen nach, was wieder zum Feuerhaken des Opas führte. Eine Junglehrerin brachten Eddos ständige Störungen dazu, dass sie von der erhöhten Pultfläche stürzte und ohnmächtig wurde. Ein gefundener Anlass für den Tausendsassa und andere Schüler, sämtliche Klassenräume aufzusuchen, um dieses Ereignis lauthals zu verkünden und damit den Schulbetrieb lahmzulegen.

Der Russischlehrer, immer akkurat im Anzug gekleidet, verfolgte die Auffassung, Disziplinschwierigkeiten müsse man im Klassenbuch vermerken. Dafür wollte Eddo ihm eins auswischen. Er und seine Mittäter kamen darauf, den Lehrerstuhl mit Holzkaltleim einzustreichen. Der Anzugträger sollte, falls er wieder einmal vor Aufregung abrupt aufsprang, am Stuhl kleben bleiben. Der Streich funktionierte – mit dem Ergebnis, dass ein großes Theater herrschte und sich der Schuldirektor persönlich mit dem Vorfall beschäftigte. Die Eltern der Beteiligten mussten schließlich für den entstandenen Schaden aufkommen. Eine Wandlung des Lerninteresses war bei Eddo auch in den folgenden Jahren nicht zu verzeichnen. Er verließ die Grundschule ohne Abschluss, trotzdem bewunderten wir ihn. Eine solche Karriere hatten die anderen Kinder nicht aufzuweisen.

Spielplatz in der Nähe der Straße Am Bauernteich

Spielplatz in der Nähe der Straße Am Bauernteich

Erlebnisse gab es auch bei den Klassenfahrten in die nähere Umgebung und weiter weg, zum Beispiel nach Thüringen. Da war unser Klassenlehrer ein hervorragender Organisator. Er konnte Kinder begeistern, ohne seine Lehrerrolle in den Vordergrund zu stellen. Die Nachfrage nach Exkursionen mit ihm war entsprechend groß, aber es fehlte an finanziellen Mitteln, sie desöfteren zu wiederholen. Praktischen Unterricht hatten wir im Sommer auf den nahegelegenen Feldern beim Einsammeln von Kartoffelkäfern. Die Vergütung erfolgte entsprechend der Leistung mit Kandiszucker. Also ein versüßter Einsatz zum Wohle der Landwirtschaft und letztlich der Konsumenten.

Mit unserem Heranwachsen veränderten sich die Interessen und auch die Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Dies ist jedoch eine andere Geschichte, und viele von uns haben den Wohnsitz gewechselt, so dass der weitere Gang von mir nicht mehr nachvollzogen werden kann. Von den Wenigen, deren Lebensweg mir bekannt ist, lässt sich sagen, dass sie eine erfolgreiche berufliche Entwicklung nahmen und als Ingenieure, Facharbeiter oder als Polizeikommissar tätig waren. Einer von uns wurde sogar Direktor einer großen Druckerei. Insofern darf man die Kindheitsjahre am Paunsdorfer Bauernteich als gute Ausgangsbasis betrachten …

Herzlichen Dank an Jürgen!

* die 24. Schule in der Döllingstraße

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