Namensvetter Bert versorgte uns mit weiteren bemerkenswerten Ansichten aus vergangenen Zeiten und Schönefeld. Wir freuen uns über die kleine Häuserzeile in der Gorkistraße, ein Wohngebäude in der Stöckelstraße und vor allem über das Autohaus Centrum in der Taubestraße. Unser früherer Druckerlehrlingskumpel findet dazu folgende Worte:
„‚Meister, ist mein Wagen schon fertig?‘ Eine solche Frage kommt einem bei diesen Fotos vom April 1992 in den Sinn. Sie zeigen das Autohaus Centrum in der Taubestraße in Schönefeld, gleich vorn an der Ecke Gorkistraße. Das Gebäude wurde offenbar in den 1920er oder 30er Jahren erbaut. Autos wurden dort sicherlich nur bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs an den Mann gebracht, dann war damit Schluss. Einst wurden dort die Marken Adler und Citroen verkauft, diese Aufschriften lassen sich auf den Fotos noch erkennen.
Bemerkenswert ist auch das Fehlen von gesprühten Verzierungen, wie in der DDR üblich finden sich nur allerhand Kritzeleien mit Kreide. Bis in die 1990er Jahre hatten dort Autobesitzer ihre Garagen, dann wich die alte Werkstatt einem Wohnhaus. Einstige Autohäuser aus dieser Zeit dürfte es heute kaum noch geben, als Industriedenkmale sind solche Bauten aber immer interessant. Leider gelang es mir damals nicht, ins Innere des Gebäudes zu schauen. Vielleicht standen da ja noch ein paar alte Ölkannen herum …“
Den Platz des centralen Autohauses und seiner Garagen hat nun ein wenig auffälliger Nachwendebau eingenommen. Wir waren gerade erst vor Ort, um uns von der aktuellen Situation zu überzeugen, auch von der in der Stöckelstraße, wo uns der gelungene Katzengiebel bereits ein Begriff gewesen ist. Unser Aufmacherbild zeigt übrigens – passend zur alten Aufnahme aus der Gorkistraße – eine leere Ladenzeile am Stöckelplatz. Die haben wir vor wenigen Jahren noch voller erlebt.
Doch weiter zum Postbahnhof in der Adenauerallee. Dort hatte Kai 2015 ein damals 80 Jahre altes Sgraffito des Leipziger Künstlers Max Alfred Brumme (1891 – 1967) ablichten können. Wir danken ihm für die Bereitstellung seiner Fotos! In einer langen Reihe sind Werktätige beiderlei Geschlechts dargestellt, die mit Sensen, Gewehren und Fahnen, aber auch mit Pflanzen und kleinen Kindern in den Händen und Armen unterwegs in Richtung Zukunft sind.
Ob dieses Kunstwerk die Sanierungen des letzten Jahrzehnts überlebt hat? Und wie ist generell der Stand beim Postbahnhof? Wenn man vorbeifährt, könnte man Stillstand vermuten. Im 2019 erschienenen Pro-Leipzig-Stadtteillexikon „Schönefeld (mit Abtnaundorf, Neustadt und Neuschönefeld)“ lesen wir vom Erwerb des Areals 2014 durch die CG-Gruppe, die zwei Jahre später sogar ankündigte, „auf dem Terrain ein Stadion für den Fußballverein FC International Leipzig errichten zu wollen“, im Nachhinein ein kurioses Unterfangen.
Zu Max Alfred Brumme kann man recht viel bei Wikipedia erfahren, dort wird auch sein „Relief“ im Bahnpostamt Rohrteichstraße, wie die Adenauerallee bis 2001 hieß, erwähnt, außerdem u.a. die Tierfiguren am Zoologischen Institut in der Talstraße, Arbeiten für verschiedene Leipziger Kirchen und Kapellen sowie sein Atelier und die Grabstätte in Gohlis. Brumme war Schüler von Georg Wrba, von dem der Brunnen am Neuen Rathaus (am Eingang zum Ratskeller) stammt, und ebenso von Adolf Lehnert, der in unserem Beitrag „Wer könnte das sein?“ vom September 2023 die Hauptrolle spielt.
Herzlichen Dank an Bert und Kai für die Fotos und an Andreas für die alte Anzeige!
Nachtrag 1 am 22.01.2026: Über Facebook erreichten uns interessante Kommentare zum Autohaus Centrum, so schrieb Franz: „Dort war ich immer mit meinem Vater, wenn an unserer ‚Zitrone‘ Traktion Avant, Bj. 36, etwas zu reparieren war. Das war 1965. Später kauften wir dann dort unsere zweite, Bj. 42.“ Hajo meinte: „Daran kann ich mich, Bj. 52, gut erinnern, da war auch ein Taxi-Unternehmen, mein Onkel hat dort viel bestellt, habe von 52 bis 60 in der Stöckelstrasse, dann Taubestrasse gewohnt.“ Und Gerrit ergänzte: „Anfang der 80er standen dort immer noch – für mich damals – Oldtimer hinter Glasscheiben! Bin in Schönefeld aufgewachsen.“ Danke!
Nachtrag 2 am 22.01.2026: Julius schaute wieder für uns ins Telefonbuch von 1973 und fand 1.) Kraneis & Rostalski – Automobile, Taubestr. 13, 2.) Rostalski, Curt – Taxibetrieb, Taubestr. 14 (1943: Rostalski, C. – Vertr.) und 3.) Rostalski, Hildegard – Taxibetr., Natalienstr. 22 (1943: Rostalski, H. – Kraftdroschkenbesitz.). Danke!

