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Von Freundschaft und Rille

Von Freundschaft und Rille

Werner ließ uns unlängst schöne Bilder aus den 1980er Jahren zukommen. Das vom Filmtheater der Freundschaft (heute Passage-Kino) löste auf unserer Facebook-Seite eine rege Diskussion aus. So erinnerte sich Specht: „Kino ‚Freundschaft‘, das war für mich das Flughafen-Kino, weil im Gang auf dem Boden kleine Lichter wie auf dem Flughafen waren.“

Dirk verriet, dass er dort „sieben Mal ‚Sindbads siebente Reise‘ angeguckt“ hat und Filmvorführer Olaf, dass „der Name ‚Filmtheater Passage‘ in der Wendezeit übrigens auf einen Vorschlag von mir zustande gekommen“ war. Tolle Sache!

Außerdem ging es in den Kommentaren um die ehemals neben dem Kinoeingang befindliche Broiler-Bar und die Großgaststätte Riebeck- bzw. Sachsen-Bräu. Deren Spitznamen Rille hatten wir noch nicht gehört oder gelesen, umso interessanter war die ganze Angelegenheit dann.

Helmut-Henning Schimpfermann schreibt in „Wirtliches an der Pleiße“ über das Lokal: „1913 und 1925 als Bierrestaurant erwähnt. 1949 Wirt Willy Hammer, später HO-Gaststätte. Von der Speisekarte 1955: Schlemmerschnitte mit Kaviar, Tatar, Butter, Ei und Garnitur für 5,20 Ostmark. Als HO-Gaststätte 1961 600 Plätze. Später HO-Gaststätte Sachsen-Bräu.“ Nach 1990 lautete der Name Bierdorf, Bauer und Brinkhoff’s No. 1 sind auf einem Foto im Buch „Komm, wir gehen in die Stadt“ (Passage-Verlag) als dessen Logos zu erkennen.

Thilo und Robin machten uns überhaupt erst auf die Rille aufmerksam, Thilo nannte sie eine Institution für Leipzig und Robin erklärte: „In der Woche Gaststätte, am Wochenende Tanzlokal.“ Frank ergänzte: „Da musste man Eintritt bezahlen, was auch gleichzeitig ein Verzehrbon war. In der Kneipe versammelte sich die halbe Unterwelt Leipzigs inklusive der leichten Damen.“ Heinz meinte: „Rille um 1960 – da war manches Bier schlecht.“ Thilo antworte darauf: „Dafür die Tanzpartnerin eventuell besser … alle hatten viel Spaß, dass sie sich gefunden haben an diesem Abend.“

Und unser Freund Peter hat zum Thema Folgendes auf Lager: „Rille kam von Riebeck-Bräu, sie wurde viel von Armeeangehörigen auf der Durchreise zum Standort besucht. Leichte Mädchen und Frauen waren dort aufzugabeln. Ich war dort nur einmal zum Mittagessen. Sehr preiswert.

Unter uns wohnte eine Stammbesucherin der Rille. Sie gabelte dort mal einen Fahnenflüchtling auf und nahm ihn mit in ihre Wohnung. Die Polizei holte ihn dann mit Steckbrief ab. Die Stammbesucherin nahm auch immer ihre älteste Tochter mit. Ihr Ehemann war bei der NVA.“

Hier war was los! Hinzu kamen die Pferdewetten, die man im intakten Erdgeschoss einer Ruine an der Ecke von Dittrichring und Barfußgässchen (dort wo sich heute das Hundertwasser befindet) aufgeben konnte. Aus der ersten Etage wuchsen damals scon Bäume! Auch für diese Fotos und die wachgerufenen Erinnerungen danken wir Werner sehr!

Den Platz von Rille und Broiler-Bar hat nunmehr Rossmann eingenommen, aus den 1980er Jahren in der Hainstraße übriggeblieben ist eigentlich nur der Bilder- und Rahmenladen Reichert. Na gut, das Kino ist auch noch da, erweitert und modernisiert, aber immerhin noch als Filmtheater und am angestammten Platz.

siehe auch unsere Beiträge „Kommste mit ins Kino?“ (Dezember 2013) und „Noch mehr Bilder aus dem Jahr 1991“ (Januar 2026)