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„Als Hobbyhistoriker bin ich in ganz Leipzig zu Hause“

Frank Heinrich im Interview

Nachdem wir letzte Woche sein Eutritzsch-Buch besprochen hatten, baten wir Frank Heinrich zum Interview. Illustriert haben wir das Gespräch mit Eutritzsch-Bildern aus unserem eigenen Archiv. Das Foto von Frank stellte uns Dr. Jürgen Weihrauch, der Chefredakteur des Eutritzscher Rundblicks, zur Verfügung. Herzlichen Dank!

Was wissen außerhalb Wohnende zumeist nicht über Eutritzsch, obwohl es wichtig bzw. interessant ist?

Da gäbe es sicher viel aufzuzählen: Da wäre die leider abgebrochene Gosenschänke mit der ersten Gosenstube von Leipzig. Allein ihre Geschichte würde ein ganzes Buch füllen. Dazu kämen die anderen Schänken, die Eutritzsch zu seinem Namen „Gosendorf“ verhalfen und die Industrieansiedlungen im 19. Jahrhundert, die auch der Grund für die schweren Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg waren und neben Menschenleben viel Bausubstanz vernichtet haben. Noch heute sind Ruinen im Ortsbild zu sehen. Interessant sind die großen Leipziger Ereignisse, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf Eutritzscher Flur stattfanden. Dazu gehören die 23. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 1909 und das 12. Deutsche Turnfest 1913.

Wo in Eutritzsch bist Du aufgewachsen?

Ich habe mit meinen Eltern nur kurze Zeit in Eutritzsch gelebt und bin in der Christuskirche getauft. Meine Eltern zogen dann nach Gohlis, unmittelbar an die Grenze zum Stadtteil Eutritzsch. Hier bin ich aufgewachsen und bis zur 5. Klasse in die sogenannte Turmschule gegangen (heute Gymnasium Friedrich-Schiller-Schule). Der Freizeitbereich meiner Schulkameraden und von mir erstreckte sich von der Delitzscher Straße (damals Straße der DSF) bis zur Lindenthaler Straße und vom Arthur-Bretschneider-Park bis zum Rosental – also eher eine ruhige Gegend, in der das Spielen Freude machte.

Wo hast Du noch gewohnt?

Zwischenzeitlich habe ich im Leipziger Zentrum, in Schönefeld und in Reudnitz gewohnt. Seit zwanzig Jahren wohne ich in Stötteritz, auch angenehm. Durch meine intensivere Beschäftigung mit der Geschichte der Gose ab den 1970er Jahren habe ich dann nach 1990 wieder geistig und später auch als Mitglied des Bürgervereins Eutritzsch e.V. nach Eutritzsch gefunden und mich umfassend die vielen Jahre mit der geschichtlichen Entwicklung dieses Stadtteils beschäftigt.

Wer oder was hat Dein Interesse für Lokalgeschichte geweckt?

Schon seit meinen Kinderjahren hat sich mein Großvater bemüht, mich für Stadtgeschichte zu begeistern. So wurde ich frühzeitig mit dem historischen Leipzig vertraut. Im 6. Schuljahr besaß ich bereits alle „Leipziger Kalender“ ab 1904 von Georg Merseburger. Der Kauf in den Antiquariaten schmälerte natürlich mein Taschengeld enorm. Bei Spaziergängen mit dem Großvater zum Rosental wurde in der „Mühle“ (Platnerstraße) eingekehrt. Der Opa trank eine Gose und ich freute mich auf die Fassbrause. Hier sind auch die Ursachen für meinen Hang zur Geschichte der Gose zu suchen.

Wo in Eutritzsch hältst du dich besonders gerne auf?

Wenn ich in Eutritzsch bin, das ist sehr oft in der Woche, dann recherchiere ich zu historischen Themen und überlege mir neue Beiträge für den „Eutritzscher Rundblick“. Um dem geschäftigen Treiben zu entgehen, laufe ich gern durch die beschauliche Mörikestraße mit ihren Villen, durch die Bünau- und Gräfestraße, die alten Dorfstraßen, in denen man heute noch Bauernhäuser einer längst vergangenen Zeit findet. Auch die Kirche mit ihrem alten einstigen Friedhof lädt zum Verweilen ein. Eine Bank im Arthur-Bretschneider-Park nutze ich gern für eine gedankliche Pause. Für einen entspannten Gedankenaustausch treffe ich mich bevorzugt in der Gastwirtschaft Lutherburg, im Café Krüger oder im Kulturhaus Eutritzsch.

Und welcher Leipziger Stadtteil nach Eutritzsch ist Dir der zweitliebste?

Oh – zweitliebster, fällt mir schwer zu sagen. Als Hobbyhistoriker bin ich in ganz Leipzig zu Hause. Aber sehr wohl fühle ich mich auch in Gohlis. Zum einen kenne ich hier viele Ecken durch meine Schulzeit, zum anderen ist Gohlis schön gelegen, am Rosental und mit vielen interessanten Bürgerhäusern und Villen, dem Schlösschen, dem Schillerhaus und nicht zuletzt der Gosenschenke.