Die Serie „Historische Ansichten von Eutritzsch“ aus der Stadtteilzeitung „Eutritzscher Rundblick“ ist als Buch erschienen. Danke, Frank Heinrich! So haben wir alles in einer Hand und können schwelgen. Und zwar in Lokalgeschichte! Unzählige alte Postkarten, Fotos und Dokumente und dazu aktuelle Bilder und Informationen sind hier zusammengestellt, so dass sich auch der interessierte Nicht-Eutritzscher problemlos zurechtfindet.
Beginnen wir mit der berühmten, aber leider nicht mehr besuchbaren Gosenschänke, erbaut 1640 (oder schon 1445), abgerissen 2001 – vor 25 Jahren. Wir sehen Fotos aus den 1930er und 1990ern sowie vom traurigen Abbruch, erfahren von der „Gift-Bude“, einem Stehbier- und Kümmelausschank mit Schiebefenster, und werden auf eine Lipsia-Wandbemalung aufmerksam gemacht. Sogar die letzten Gosetrinker in der Eutritzscher Gosenschänke – unter ihnen Frank Heinrich – wurden im Bild festgehalten.
Auch die Dampf-Bier-Brauerei Pottkämper in der Görlitzer Straße, deren Keller bis 2016 bestanden, kommt dank Fotos, Anzeigen und Bauzeichnungen zurück ins Bewusstsein, ebenso Bruno Winklers Dampf-Röst-Kaffee aus der Delitzscher Straße, Carl August Eidners Feigen-Kaffee aus der Diesterwegstraße und die Heißgetränke der Quieta-Werke aus der Wittenberger Straße. Heutige Bohnenfreunde würden wir ohne Umschweife ins Café Krüger am Eutritzscher Markt schicken.
Dort könnten sie sich von der „Fettbemme“, der Erlengrundschänke oder der Hundekälte erzählen lassen, alten Lokalen mit herrlichen Namen. Die Fettbemme, eigentlich Feldschlösschen, später Sachsen-Bräu und nunmehr Bowling-Gipfel (ganz nah am Café Krüger) gibt es noch. Zum Glück! Vom Bowling-Gipfel ist es nicht weit bis zur Seitengasse, die ihrerseits zum Thema im Buch geworden ist, vor allem das Haus Nummer 6. Ein Foto aus dem Jahr 2000 zeigt auch die Häuser mit den Nummern 4 und 5, die sich 2003 leider in Bauschutt, Staub und Luft auflösten.
Fest wie eine Burg wacht das Stumpf-Center über den Eingang der Bitterfelder Straße. Die zeitweilige Zigarrenfabrik von Konsul Haschke (1920er und 30er Jahre) wurde unlängst sogar wieder gut in Form gebracht. Namensgeber Otto Stumpf war hier ab 1937 mit einem Großhandel für Pharmazie, Chemie und Homöopathie aktiv, seine Nachfolger sind es seit 1990 erneut.
Stichwort Chemie: M. Brockmann betrieb eine Chemische Fabrik in der Haferkornstraße, deren Überreste im Buch auf Seite 93 zu sehen sind, an der Wand erinnert ein alter Schriftzug an die Genossenschaft des Nahrungs- und Genußmittelhandwerks. Den Schriftzug hatten wir einst fotografiert, ohne die Adresse zu notieren. Jetzt ist alles wieder klar (siehe unseren Beitrag „Alte Bilder VI“ vom Dezember 2012).
Zuguterletzt möchten wir den romantischen Grünen Weg zwischen Gräfestraße und Bretschneiderpark erwähnen, das Deutsche Turnfest von 1913, das mit 70.000 Teilnehmern in Eutritzsch stattgefunden hat, sowie die Landwirtschaftsausstellung von 1909, wegen der sage und schreibe 326.000 Leute den nördlichen Leipziger Stadtteil mit ihrem Besuch beehrten. Natürlich enthält das neue Eutritzsch-Buch noch viel mehr Bemerkens- und Erzählenswertes; wir haben es uns im Eutritzsch-Center in einem kleinen Laden gekauft.
siehe u.a. auch unsere Beiträge „Eutritzsch war berühmt“ (November 2012), „Mit Kindern durch Eutritzsch“ (März 2018) und „Hinterhofflohmarkt in Eutritzsch“ (Juni 2023)

