Clown Ferdinand in Reudnitz

Hans-Dieter Hormann und Thorsten Wolf mit Clown Ferdinands Originalkostüm

Hans-Dieter Hormann und Thorsten Wolf mit Clown Ferdinands Originalkostüm

(J.R.) Passend zur Jahreszeit möchten wir an den außergewöhnlichen Film „Der Weihnachtsmann heißt Willi“ aus dem Jahr 1969 erinnern. Warum außergewöhnlich? Erstens wurden viele Szenen in Leipzig gedreht (Passagen im Stadtzentrum, Altes Rathaus, Markt sowie vor dem Hauptbahnhof, auf den Querbahnsteigen und in der einstigen Gepäck- und Expressgutannahme), zweitens spielte der populäre Clown Ferdinand hier eine Sprechrolle, drittens steht Weihnachten vor der Tür und viertens geht es uns auch um das einzigartige Clown-Museum in Leipzig-Reudnitz.

So wie das schauspielerische und clowneske Erbe des tschechischen Schauspielers Jiří Vrštala (1920-1999), des Mannes hinter der Ferdinand-Maskerade, der zehn Jahre mit Angelica Domröse verheiratet war, endgültig im Lärm der immer hektischer werdenden Welt unterzugehen droht, so schwebt seit kurzem das Damoklesschwert über dem Clown-Museum in der Breiten Straße 22 (Ecke Crottendorfer Straße). Es ist das einzige Clown-Museum Deutschlands – und nun soll es verschwinden? Die erhöhte Miete ab Januar 2020 zwingt den Betreiber Hans-Dieter Hormann in die Knie. Noch – und hoffentlich weiterhin* – könnt Ihr bei Hormann das Originalkostüm Vrštalas besichtigen sowie Schallplatten, Bücher und zwei Puppen, die das Ihre zum Ruhm des Künstlers beitrugen.

Jedes Kind in der DDR kannte Clown Ferdinand. Der am 31. Juli 1920 im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) geborene Jiří Vrštala entwickelte die Kunstfigur ab 1955 für das tschechische Kinderfernsehen. Mit dem Kurzfilm „Ferdinand kommt nach Berlin“ begann 1957 eine langanhaltende Kooperation mit dem DDR-Kinderfernsehen. Diese Figur sowie 20 Kurzfilme haben ihn in vielen Ländern bekannt gemacht. Geschminkt, mit einer dicken roten Knollennase, der Pluderhose und einem karierten Mantel mit riesiger Sonnenblume im Knopfloch „besuchte“ er im Jahr 1968 für die Filmarbeiten die Messe- und Buchstadt Leipzig.

Seinen letzten Auftritt im gerade beschriebenen Kostüm absolvierte Jiří Vrštala 1983, als der Friedrichstadtpalast in Berlin eröffnet wurde. Danach wurde es ruhig um den beliebten Clown, später las man von Tränen, Alkohol, Depressionen und einem langen Leiden an Schilddrüsenkrebs. Lassen wir uns von seinem Lachen und seinen Träumen nochmals in eine heile Sonnenblumenwelt entführen …

www.clown-museum.de

Randnotiz: Die junge Gabriele Reach verkörperte im Film die Ramona. Heute heißt Gabriele Reach Tiefensee, sie war von 1998 bis 2005 die Ehefrau des einstigen Leipziger Oberbürgermeisters Wolfgang Tiefensee. +++ Der Weihnachtsmann wurde übrigens von Rolf Herricht gespielt.

Wir danken Filmfreund Jens für diesen Beitrag!

* Rettungsaktionen von Thorsten Wolf (Kabarett Leipziger Funzel) sowie des LTM (Leipzig Tourist und Marketing GmbH) laufen bereits. Am Montag waren wir zum Fotografieren vor Ort und wurden Zeugen eines konkrete Hoffnungen weckenden Gesprächs. Jetzt braucht das Clown-Museum möglichst viele Besucher! Ruft aber, bevor Ihr hinfahrt, an, damit Hans-Dieter Hormann auch Zeit für Euch hat. Er kann nämlich toll erzählen …

Nachtrag am 01.12.2019: Jens teilte uns mit, dass das Clown-Museum gerettet ist. „Es bleibt bis Ende 2020 am alten Standort und zieht höchstwahrscheinlich 2021 nach Paunsdorf um.“ Gute Sache!

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