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Leipzigs alte Postämter

(A.H.) Kennt noch jemand die alten Bezeichnungen der Postämter mit den Buchstaben C, N, O, S und W davor? Damit waren das Zentrum und die Himmelsrichtungen gemeint. Bis 1926 waren die Postämter in Leipzig von 1 bis 17 durchnummeriert, bei den Ämtern der Vororte standen die jeweiligen Namen der Stadtteile davor. Am 1. Mai 1926 wurden den Nummern der Postämter Buchstaben vorangestellt, die einen Hinweis darauf gaben, wo das Postamt zu finden war (Norden, Süden etc.). Außerdem erhielten nun auch alle Vorort-Ämter eine Buchstaben-Zahlen-Kombination, z.B. W 33 = Postamt Nr. 33 in Lindenau im Leipziger Westen. Die Schreibweise war so geregelt, dass immer zuerst der Ort (Leipzig) und dann das zuständige Postamt (z. B. W 33) als Adresse angegeben wurden. Das änderte sich 1965, ab dann gab es Postleitzahlen, die vor der Ortsangabe standen. Für die Stadt Leipzig wurde die Nummer »70« auserkoren, der die alte Postamt-Nummer folgte (z. B. aus W 33 wurde 7033). Diese Zahlen hatten bis zum 1. Juli 1993 Bestand, dann wurden die heute gültigen, fünfstelligen Postleitzahlen eingeführt.

C 1 war das Hauptpostamt am Augustusplatz, nach der Zerstörung war es in der Gottschedstraße 1 ansässig. Im Bahnpostamt in der Brandenburger Straße 2 war das Postamt C 2 untergebracht. S 3 befand sich ab 1926 im Neubau in der Connewitzer Eichendorffstraße 10. C 4 war gegenüber vom Neuen Rathaus in der Harkortstraße 3. C 5 war bis 1933 im Wohn- und Geschäftshaus am Thomaskirchhof 21 und wurde dann zum Postamt C 13. O 5 war ab 1933 in der Reudnitzer Lilienstraße 3 zu finden. W 6 befand sich in der Weststraße 26. W 7 im Waldstraßenviertel war an der Ecke Funkenburg- / Frankfurter Straße 8. Ein zweites Postamt in Reudnitz war O 8, es befand sich in der sogenannten Posthalterei, Göschenstraße 2-4, und wurde im Krieg zerstört. Vermutlich deswegen gab dann für kurze Zeit Anfang der 1950er Jahre ein Postamt C 8 irgendwo am Markt. Im Börsengebäude am Tröndlinring 2 war C 9 untergebracht, das musste nach 1945 ins Ringmessehaus am Tröndlinring 9 umziehen. Im Paketpostamt Hospitalstraße 4-8 befand sich das Postamt C 10.

Das Vorderhaus vom Carola-Bad in der Dufourstraße 10-12 beherbergte das Postamt S 11. Da es zerstört wurde, hat man ab etwa 1946 in der Karl-Liebknecht-Straße 10 ein Postamt C 11 eingerichtet, im Haus des Vereins Deutscher Handlungsgehilfen. In derselben Straße mit der Hausnummer 88 befand sich das Postamt S 12. Das Brief-Postamt 13 befand sich bis 1924 im Hauptpostgebäude am Augustusplatz, Eingang Poststraße 2. Bis 1933 war die Zahl nicht besetzt, dann erhielt das Postamt C 5 im Thomaskirchhof 21 die neue Bezeichnung C 13. Von 1938 bis 1941 war es in Wünschmanns Hof am Dittrichring 20a zu finden. Ab 1946 tauchte es wieder in der Hauptpost auf. Das Postamt N 14 versorgte die Nordvorstadt und befand sich in der Eutritzscher Straße 19, direkt neben dem Stadtbad. Leider wurde es zerstört und mäanderte dann über den Yorckplatz zum Freiladebahnhof. Das alte Reudnitzer Postamt 15 war viele Jahre in der Dresdner Straße 54, neben dem Schloßkeller, zu finden. 1924 erfolgte der Umzug in den Neubau Lilienstraße 3 als Postamt O 15. Erst 1932 wurde es zum Postamt O 5.

Mit dem Postamt S 15 in der Bornaischen Straße 90 verbesserte die Reichspost ab 1941 ihren Service in Connewitz. Nach 1945 eröffnete in Gohlis-Nord das Postamt N 16, in der Max-Liebermann-Straße 70. Die Nummer 16 war kriegsbedingt freigeworden, am Bayrischen Bahnhof gab es von 1927 bis 1945 das Postamt S 16 in der Kohlenstraße 1, letzteres Haus überstand den Bombenhagel nicht. Auch der Hauptbahnhof am Georgiring verfügte über ein Postamt, es nannte sich C 17. Im Postbahnhof in der Rohrteichstraße 2-8 war neben dem Bahnpostamt BPA 32 auch das Postamt N 18 zu finden. Die Petersvorstadt wurde von 1926 bis 1931 mit dem Postamt S 19, Hohe Straße 11-13, versorgt. Die dortige Poststelle gab es aber schon viel länger. Die unbesetzte Zahl 19 kam nach 1945 in die Meyerschen Häuser nach Kleinzschocher, dort gab es ab 1943 ein Postamt W 19 in der Ratzelstraße 61. In Schleußig konnten die Bürger in der Könneritzstraße 58 im Postamt W 20 Briefe und Pakete aufgeben.

Im Rathaus am Eutritzscher Markt 1 war das Postamt N 21 für diesen Stadtteil. Die Gohliser hatten ihr Postamt N 22 in einem 1926 neu erbauten Gebäude in der Friedrich-Karl-Straße 12 (heute Sasstraße). Unweit der Kirche in Möckern war das Postamt N 23 in der Hallischen Straße 215 untergebracht. Auch die Schönefelder hatte ihre Post direkt am Rathaus, N 24 war in der Breslauer Straße 35 (heute Ossietzkystraße). Die Mockauer Post ist ziemlich bekannt, N 25 in der Mockauer Straße 121 befand sich auch neben dem örtlichen Rathaus. Ähnlich war die Situation in Wahren, dessen Postamt N 26 befand sich im Wahrener Rathaus. In Stötteritz gab es das Postamt O 27 in der Arnoldstraße 21, auch nur einen Steinwurf vom dortigen Rathaus entfernt. Für die Volkmarsdorfer stand in der Idastraße 36 das Postamt O 28 zur Verfügung. Das Postamt O 29 in Paunsdorf war in der Riesaer Straße 26, gleich gegenüber vom „Deutschen Hof“. Auch der Stadtteil Neustadt hatte mit O 30 ein Postamt in der Ludwigstraße 12b. Das hieß aber bis 1926 Postamt Leipzig-Neuschönefeld.

Im alten Ortszentrum von Plagwitz und gegenüber dem Rathaus befand sich das Postamt W 31. Im benachbarten Stadtteil Kleinzschocher war das zuständige Postamt W 32 im Eckhaus Dieskaustraße 20 zu finden. Die Lindenauer hatten ihr Postamt W 33 in Kaiserstraße 3, der heutigen Endersstraße. Unweit der Apostelkirche in Großzschocher gab es das Postamt W 34 in der Huttenstraße 18. Die Leutzscher Post W 35 war gegenüber dem ehemaligen Wasserschloss. Auch Dölitz hatte ein Postamt, S 36 war in der Ecklage Bornaische Straße 176 / Crostewitzstraße. O 37 nannte sich das Postamt in Anger-Crottendorf, es befand sich im Eckhaus Franckestraße 1. Gegenüber dem Plagwitzer Bahnhof gab es bis 1946 ein weiteres Postamt für diesen Stadtteil. W 38 war im Gebäude Friedrich-August-Straße 29 (heute Engertstraße) untergebracht. Für die Bewohner von Meusdorf wurde nach 1949 das Postamt O 38 in der Chemnitzer Straße 50 eingerichtet. Im Dreieck Connewitzer Straße 4 und Dösner Straße versorgte über lange Zeit das Postamt O 39 den Stadtteil Probstheida. In Thonberg befand sich das Postamt O 40, bis 1945 in der Reitzenhainer Straße 70-73, ab 1946 wurde dann in der Schulgasse 11 gestempelt.

Auch die Siedlung Mariental wurde mit einer Poststelle bedacht, S 41 war von 1940 bis nach 1949 im Däumlingsweg 11 und später in der Zwickauer Straße 99a (vor 1959). In Thekla hatte das Postamt N 42 in der Bölckestraße 77 für die Leute zu sorgen, später war es in der Seehausener Straße 13 (1959). Der südwestlichste Stadtteil Knauthain hatte mit W 43 ein Postamt in der Seumestraße 105. Die Leipziger Großmarkthalle in der Zwickauer Straße hatte ein eigenes Postamt S 44. In Portitz gab es bis 1945 das Postamt N 45 am Brunnenweg 4, später Heckenweg 16. Auch der Flughafen Mockau verfügte über ein separates Postamt, N 46, wenn auch nur für die Zeit von 1941 bis 1945. Die Zahl wanderte nach dem Krieg nach Neu-Lindenau in die Dunckerstraße 15, das dortige Postamt W 46 existierte von nach 1949 bis nach 1959. Selbst das Kaufhaus Althoff in der Petersstraße leistete sich ein Postamt, das C 54 gab es schon 1929 und wurde auch noch Ende der 1940er Jahre erwähnt.

Wir danken unserem Mitstreiter Andreas herzlich für diesen Beitrag und Jürgen Kraft von der Internetseite www.stampsx.com für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Poststempelabbildungen!

Ergänzung von Peter: „Nach dem Bombenangriff am 4. Dezember 1943 war das Postamt in der Lilienstraße stark beschädigt. In der Grünen Gasse wurde eine Baracke als Ersatz errichtet. Das Objekt befand sich am Eingang der Gasse hinter den zwei oder drei kleinen Wohnhäusern in der Bernhardstraße. Zeitpunkt: 1944 (?) bis Ende der vierziger Jahre. Als Kind habe ich es betreten und also auch gesehen. Nach der Reparatur der Lilienpost wurde die Baracke abgerissen. Ich habe als Knirps Holzteile mit nach Hause genommen für die Heizung. Einen Fensterladen hat mein Vater noch anderweitig genutzt. So z.B. für die Laube im Garten. Der Fensterladen müsste noch vorhanden sein. Wenn ich einen bestimmten Ex-Kollegen, der Briefmarkendammler war, treffe, werde ich ihn nach der Postleitangabe befragen. Ich hatte ihn anfangs der 70er Jahre auf das Postamt aufmerksam gemacht, da er mit einem Poststempel nichts anzufangen wusste.“ Danke!!!

Nachtrag im Juli 2024: Bei Bachmann im Alten Rathaus erwarben wir eine Ansichtskarte vom Verlag Lichtbild-Schincke aus Zeitz. Zu sehen ist das Postamt Thekla in der Seehausener Straße (Foto: Weber, Leipzig)