Drogenhaus + Tank Schleußig

Rödelstraße mit ehemaligem Drogenhaus (2.v.re.)

Rödelstraße mit ehemaligem Drogenhaus (2.v.re.)

Jetzt müssen wir doch mal persönlich werden. Die untenstehenden Schwarzweißfotos stammen aus der zweiten Hälfte der Achtziger und von Norbert Lotz. Einer von uns Geheimtippern und Norbert waren von 1985 bis 1988 Druckerlehrlinge (Norbert druckt noch heute!). Schon damals setzten wir uns vor und nach der Schicht auf die Mifa- oder Diamant-Räder und hielten Leipzig in Bildern fest, bevorzugt Ungewöhnliches und Übriggebliebenes*.

Das Drogenhaus „Hermes“ in der Rödelstraße 16 („Chemische und technische Produkte“ / „Fabrikation und Großhandel“) war eindeutig ungewöhnlich und namentlich übriggeblieben aus einer Zeit, in der Drogen noch als unbedenklich, weil zum Beispiel als Arzneimittel galten. DDR-Zeitungen hingegen berichteten regelmäßig über Drogentote in Westdeutschland und Westberlin – und dann stand da Drogenhaus. Das mussten wir fotografieren.

Sucht man heute im Internet nach diesem Gebäude, findet man unter anderem ein Flickr-Bild von 2009, welches auf LWB-Eigentum schließen lässt, sowie eine Reklamemarke („Artikel für die Landwirtschaft“) vom Beginn des 20. Jahrhunderts, welche als Drogenhaus-Betreiber E.H. Feist sowie die Adresse Rödelstraße 12 anführt. Mittlerweile ist das Haus Nummer 16 saniert und die interessante Beschriftung verschwunden. Schade, aber wer würde heutzutage schon in einem „Drogenhaus“ wohnen wollen?

Ein paar Meter weiter befand sich die Tankstelle Schleußig, Rödel- / Ecke Probsteistraße. Am Achtziger-Jahre-Giebel entziffern wir: Großtankstelle Schleußig, Treibstoff und Autoöle aller Art, Garagen (Kursives reimen wir uns eher zusammen, als dass wir es wirklich lesen könnten). Außerdem fällt ein plastisches T als Symbol für Tankstelle ins Auge und die Wandmitteilung „Luft u. Wasser gratis“.

Zwischen Drogenhaus und Tankstelle logierte bis in die Neunziger Jahre das Elstertal, über das Helmut-Henning Schimpfermann in seinem Buch „Wirtliches an der Pleiße“ schreibt: „Gegründet 1830 als ‚Etablissement und Gaststätte, Dampfschokoladen- und Kakaofabrik des Bäckermeisters C. Heinrich Weigel‘. Umbau 1868 … (Wirt Clemens) Lux ließ die Gaststätte 1912 abreißen und als ‚Hotel Elstertal‘ (sechs Betten) wieder aufbauen … Im ‚Elstertal‘ fand am 30. März 1946 die Vorbereitungsversammlung für die Vereinigung von SPD und KPD statt … 1987 noch bewirtschaftet, dann geschlossen und vom Verfall bedroht“.

Schlussbemerkung: Was aussieht wie historische Fotoplatten mit teilweise gesprungenem und angelaufenem Glas sind zum Schutz vor Fettfingern in Folie eingenähte Abzüge. Herzlichen Dank an Norbert für diese und viele weitere Bilder!

* siehe auch unseren Beitrag „Volkmarsdorfer Ruinen 1987/88“ (Mai 2015)

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