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Heute schon gesyndigt?

Heute schon gesyndigt

Mittlerweile arbeiten wieder einige Brauereien in Leipzig, die wahrscheinlich witzigste davon ist Synde Bräu in der Hohen Straße. „Heute schon gesyndigt“, wird da beispielsweise auf Etiketten gefragt, der Nacho Macho aufs Publikum losgelassen oder der Lagerkoller weggetrunken. Syndes Chef und Gründer heißt Nico Synowzik. Er kommt aus Gräfenhainichen, hat in Leipzig studiert und eines Tages seinen organisatorischen Posten in einem Logistikladen zugunsten der Selbständigkeit abgegeben. 2017 gründete er die Synde, seit 2018 wird gebraut. Recht schnell konnte sich der Handwerksbetrieb etablieren, u.a. mit Ausschank und Werksverkauf.

Bier und das Bierbrauen hätten sich einfach in sein Leben geschlichen, erzählt Nico, der auf Reisen bemerkt hatte, dass Bier anderswo anders mundet und davon fasziniert gewesen ist. Zunächst bestellte er sich darum schmackhafte Exoten übers Internet nach Hause, irgendwann aber braute er selbst. „Ab dem zweiten Sud hat’s schon geschmeckt“, sagt der sympathische Riese. Zielgerichtet befasste er sich nun mit der Materie, bildete sich weiter und baute schließlich sein eigenes Unternehmen auf – in Leipzig, weil er hier aufgrund der Größe der Stadt Potenzial gesehen hat.

Und es funktioniert! „Allerdings, so wie der Plan ursprünglich gewesen war, läuft es schon längst nicht mehr.“ Hauptsache, es läuft. Auch wenn das Publikum sehr preisbewusst sei, beobachte er, dass regionale Produkte an Popularität zulegten, außerdem glaube er an den alten Spruch „Bier braucht Heimat“. Ansonsten ist Nico immer für Neues, weswegen das Erscheinungsbild seiner Biere auf einen weltweiten Designwettbewerb im Internet zurückgeht, die syndige Schlange kam letztlich aus Ex-Jugoslawien. Auch beim Namen der Brauerei wollte Nico nichts Traditionelles, aus seinem Spitznamen Synne (von Synowzik) wurde nach vielen Bieren und Gedankengängen schließlich Synde – den Einfall hatte eine Frau.

Nico, dessen Freundin aus Leipzig stammt, musste zunächst lange nach einem geeigneten Standort suchen und konnte ewig nichts finden, bis er auf eine ehemalige Druckerei nahe des Bayrischen Bahnhofs stieß. „Seitdem brauen wir hier und zeigen, dass man auch andere Sachen machen kann“, andere Sachen als das gängige Pils, so beispielsweise die Auszeit, den Süd- oder den Ostwind. „Es gibt für jede Gelegenheit das passende Bier!“ Meist haben Nico, Nadine, Pieter und Jan acht bis zehn Sorten Bier auf Lager, die man in Flaschen mitnehmen oder sich vor Ort aus dem Fass ins Glas füllen lassen kann.

Mit ihren Experimenten und Ideen treffen die Vier auf Interesse, die Leute seien neu- und wissbegierig, hörten sich die Hintergründe zu den vielen verschiedenen Synden gerne an und kosteten sich durch. Manch einer habe dabei sein Geschmacksempfinden regelrecht erweitert, freut sich der Chef. Außerdem freut er sich auf den zusätzlichen kleinen Tank, der in den nächsten Tagen in der Hohen Straße eintrifft und die Belegschaft zu noch mehr Experimenten und weiteren Sorten verleiten wird. „Eine verrückte neue Serie“, kündigt Nico lächelnd an. Donnerstags, freitags und sonnabends wird bei ihm ausgeschenkt, zusätzlich können Termine für Brauereiführungen und Verkostungen ausgemacht werden. „Probier die Synde“ und „Werde Teil des Syndikats“ lauten weitere Etikettenbotschaften …

www.syndebraeu.de