Jan Lindner im Helheim

Jan Lindner

Jan Lindner

Im Vorfeld seiner Veranstaltung am 15. November 2012 fragten wir Jan Lindner: Seit wann gibt es Deine alljährliche Lesung im Helheim (Weißenfelser Straße 32), und wie ist diese Tradition entstanden? Er gab uns folgende, interessante Antwort:

„Nach ersten Leseerfahrungen 2007 in meiner Heimatstadt Jena suchte ich nun also in meinem Studienort Leipzig Anschluss zu finden. Ich brauchte etwa drei Semester, bis ich mich erstmals auch in Leipzig ans Mikro traute an meiner ersten offenen Lesebühne nahm ich am 16. März 2008 in der heute nicht mehr existenten Kulturkneipe Süd teil, die unter den Fittichen des FHL-Verlags stand, der ja aus meinem späteren Verlag PaperOne hervorgegangen ist. Das war an einem Sonntag, und zu meinem Glück fand gleich am Montag darauf die ‚ewige‘ Literaturveranstaltung ‚Der durstige Pegasus‘ in der Moritzbastei statt, die damals noch vom großartigen Volly Tanner moderiert wurde und zu der auch der Moderator der FHL-Bühne Henner Kotte anwesend war. Und eben dieser empfahl mich vor Ort an Herrn Tanner und seine Reihe weiter. Wenig später las ich also in der Moritzbastei, was ein voller Erfolg war, und wurde weitergereicht an den Musiker Huey Colbinger, den ich damals in seiner Show ‚Colbingers Kammer‘ als literarischen Gastauftritt mehrfach unterstützen durfte, und eben auch an die ein oder andere Veranstaltung im Helheim.

Ich sammelte fleißig Auftritte und Texte, und irgendwann wurde mir von Markus (Helheim) in Aussicht gestellt, doch mal einen abendfüllenden Auftritt, also 90 Minuten nur Jan Lindner, zu absolvieren. Das wurde wenig später, am 26. November 2009 in die Tat umgesetzt, kurz vor der Veröffentlichung meines ersten Buches. Zu diesem Zeitpunkt war bei weitem noch nicht an eine Art Lesereihe zu denken, aber im Grunde war es rückblickend gesehen der Auftakt.

Am 19. Mai 2010 hatte ich eine Lesung im Dark Flower, bei der auch andere Autoren beteiligt waren, so auch Kajn Kokosknusper, dessen Auftritt ich sehr überzeugend fand. Als mein Vorhaben zunächst scheiterte, auch ihn an den ‚Durstigen Pegasus‘ zu vermitteln und ihm damit unterstützend unter die Arme zu greifen, so wie man es einst bei mir getan hatte, ersann ich die Variante, auch Ende 2010 wieder eine Lesung im Helheim zu gestalten und diesmal eben den erwähnten Kajn Kokosknusper ins Boot zu holen und ihm somit eine Möglichkeit zu geben, seine Texte vor einem größeren Publikum zu performen. Für die 2010er Lesung holte ich mir ebenso das RLF-Mitglied Max Beckmann mit ins Boot.

Im Laufe des Jahres 2011 entdeckte ich dann die offene Lesebühne im Tipi, im Westwerk, für mich, wo mir auf Anhieb der großartige Auftritt von Tom Hennig ins Auge stach – auch dieser nahm mein Angebot zu einer Lesung im Helheim mit Freuden entgegen und veranstaltet mittlerweile dort selber den einen oder anderen Auftritt. 2011 nahm ich mir ebenso das junge, künstlerische Multitalent (Musik, Malerei, Dichtung) Benjamin Küster hinzu, und so wurde es wieder ein sehr erfolgreicher Abend.

Ende 2011 war ich auch zu Gast bei der Erfurter Spätlese, in deren Rahmen ich die damals gerade frischgebackene Debütautorin des Buches ‚Der Rest ist das, was übrig bleibt‘, Anne Büttner, kennenlernte und mich vor allem über den Verbalabtausch ellenlanger E-Mail-Plänkeleien mit ihr anverwandte. Den Poetry-Slam-Meister Roman Israel, der ganz nebenbei auch Autor von Dramen, Romanen (so wie der Name schon sagt) und feinsinniger Lyrik ist, lernte ich über ein vom Ex-Herausgeber der Literaturzeitschrift Edit, Jan Kuhlbrodt, anberaumtes Treffen von Lyrikern Leipzigs, anlässlich eines von ihm zu schreibenden Artikels, kennen. Kurz darauf war ich Lesegast bei der Lesebühne West, die Roman mit einigen Szeneliteraten monatlich bestreitet, und da mir seine Art des Vortrages und seine Texte eben auch inhaltlich auf Anhieb zusagten, hatte ich so wieder recht schnell mein Line-Up für meine alljährliche Lesereihe im Helheim beisammen.

Die namentliche Fixierung auf ‚Lindners Leistungswortler‘ fand erst anlässlich der diesjährigen Lesung statt, ben auch um die anberaumte Kontinuität und Präsenz der Reihe zu unterstreichen und ein Wiedererkennungsmerkmal zu setzen. Sollte ich irgendwann einmal Zeit und Muße finden, wäre auch über eine höhere Frequenz der Veranstaltungstermine nachzudenken! Das steht aber noch in den Sternen.“

www.jan-lindner.de

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