Kirschbude / Erdenglück

An der Kirschbude in Böhlitz-Ehrenberg

An der Kirschbude in Böhlitz-Ehrenberg

Schon das Wort Erdenglück hat Klang, die gleichnamige Gartenkneipe jedoch wird von Auskennern seit ewigen Zeiten Kirschbude genannt – und Kirschbude ist noch besser als Erdenglück! Bernd Bitterling ließ den Spitznamen bei der letzten Erneuerung der Hinweisschilder an prominenter Stelle platzieren, die offizielle Bezeichnung rutschte in die Fußnotenzone.

Warum Kirschbude? Gab es dort früher etwa nur Kirsch-Whisky zu trinken, den sagenhaften KiWi? Der Wirt weiß eine andere Erklärung: Als die Erdenglück-Kleingärtner vor Jahrzehnten einen Versorgungsauftrag zu erfüllen hatten, gaben sie Teile der hier hauptsächlich geernteten Kirschen in der daraufhin so genannten Kirschbude an den staatlichen Obsthandel ab – und leerten bei der Gelegenheit gemeinsam ein paar Flaschen Bier. Hätten sie in ihren Parzellen vor allem Birnen angebaut, wäre es also eine Birnenbude geworden.

Bei unserem Besuch im drei Tische fassenden, holzverkleideten Gastraum (es gibt einen zweiten etwas größeren, der sich unmittelbar anschließt) verkosten wir Hirschgulasch mit Rotkraut und Klößen sowie ein Schnitzel mit Bratkartoffeln, jeweils zu roter Limo. Zuvor hören wir Bernd Bitterling in der Küche mit dem Fleischklopfer hantieren – ein gutes Zeichen, ebenso gut schmeckt es dann auch.

Seine Frau und er stammen aus echten Doppelnamengemeinden, sie aus Regis-Breitingen, er aus Böhlitz-Ehrenberg. Und beide wissen, was früher rund um die Kirschbude produziert wurde: In den angrenzenden Möbelwerken zum Beispiel die Schlafcouch „Dagmar“, in der Kleinlederwarenfabrik unter anderem Portemonnaies. Armaturen werden in der Nachbarschaft sogar noch gefertigt, Dieselmotoren (Dimo Böhlitz-Ehrenberg) hingegen nicht mehr. Und auch Siemens dürfte, wenn man den aktuellen Nachrichten folgt, wohl die Flocke machen …

Das Erdenglück ist Gartenkneipe und Wohngebietsgaststätte in einem Teil der Stadt, in den man nicht aus Zufall fährt, hier lebt, gärtnert oder arbeitet(e) man. Dann kennt man auch die Schlippe zwischen Süd- und Bielastraße und nimmt die Relikte der Anschlussbahnen wahr, deren Schienennetz einst die größte Industriegemeinde der DDR durchzog – Böhlitz-Ehrenberg hatte mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Ein Rest der Gleise liegt direkt neben der Kirschbude.

 

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