Wahrzeichen Uni-Riese

Uni-Riese Ende der 1990er

Uni-Riese Ende der 1990er

In der Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom 10. Juli 2012 lasen wir, dass sich am Wochenende zuvor eine Scheibe vom Uni-Riesen (offiziell: City-Hochhaus) gelöst hatte und aus der 27. Etage nach unten gestürzt war. Zum Glück tief in der Nacht, ohne jemanden zu treffen. Bereits 2008 und 2003, so die LVZ, sei Ähnliches geschehen*. Ein bisschen gruslig ist das schon, doch darum soll’s hier gar nicht gehen. Sondern um das Leipziger Wahrzeichen, das als „Sektions-Hochhaus“ (hat auch keiner gesagt) der Universität Anfang der 1970er errichtet worden war.

Nach der Wende wurde es privatisiert, umgebaut und umbenannt – in City-Hochhaus. Sachlich richtig, denn die Uni ist ja ausgezogen. Manche sagen auch MDR-Hochhaus wegen des Logos des hiesigen Fernseh- und Radiosenders in luftiger Höhe. Auf der Titelseite des Buches „Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“ prangt dieses Logo noch in schwarzrotgold, heute, also auch in der erwähnten Ausgabe der LVZ, ist es blauweiß. Und irgendwann wird’s wieder anders aussehen …

Krümelkacken wir ein wenig weiter: Erstens) Zu DDR-Zeiten wurden die Fakultäten der Universität Sektionen genannt, darum „Sektions-Hochhaus“. Zweitens) In Leipzig spricht man eher von der Innenstadt anstatt von der City, weswegen der Name City-Hochhaus nicht so recht passen will. Und drittens) In der Literatur werden in Sachen Uni-Riese verschiedene Geschosszahlen gehandelt. 28 sind es in „Leipzig – Historische Straßen und Plätze heute“, 34 im „Tourist Stadtführer-Atlas Leipzig“. Vielleicht wegen der Zwischengeschosse …

Und weil wir einmal dabei sind: Auch das Marx-Relief, das Jahrzehnte am benachbarten Uni-Hauptgebäude hing (dort, wo inzwischen wieder das Paulinum steht), scheint mindestens zwei Namen zu haben. „Das 14 m breite und 7 m hohe Bronzerelief über dem Eingang ist eine Arbeit des Kollektivs Schwabe/Ruddigkeit/Kurth und versinnbildlicht: ‚Leninismus – Marxismus unserer Epoche‘.“ („Tourist Stadtführer-Atlas Leipzig“) Das Standardwerk „Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“ betitelt das Kunstwerk als „Aufbruch“. So oder so – aktuell befindet es sich in der ehemaligen DHfK, dem Uni-Gelände an Jahnallee und Marschnerstraße (Campus Jahnallee).

Zurück zum Uni-Riesen: Jeder zweite Leipziger weiß übrigens von der Symbolik des aufgeklappten Buches. „Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“ erklärt dazu: „So sollte das größte Hochhaus der DDR als ein gigantisches, aufgeschlagenes Buch gedeutet werden“. Man sieht es, wenn man es weiß. Was sich auf jeden Fall lohnt, ist eine Fahrt hinauf auf den Uni-Riesen. Der Blick über die Innenstadt bzw. ganz Leipzig ist toll.

Und schließlich: Auch wenn das Gebäude nun nicht mehr so heißt, nennt sich doch eine Leipziger Basketball-Mannschaft Uni-Riesen. Sie spielen gut, unterhaltsam und in der Arena genannten Mehrzweckhalle in der Nachbarschaft des ebenfalls Arena genannten Stadions (RedBull Arena) nahe der DHfK, der Jahnallee und des Waldplatzes. Details wie z.B. die Spieltermine oder das Logo mit der Silhouette des Namensgebers gibt es auf www.uni-riesen.de

* Nachtrag am 22.04.2015: Heute lesen wir in der Leipziger Volkszeitung: „Aufregung am City-Hochhaus in der Leipziger Innenstadt: Am Dienstag sind gegen 14.30 Uhr Teile einer Fensterscheibe auf den Fußweg gefallen. Nach Angaben der Polizei löste sich das Glas in der 23. Etage und schlug zwischen Moritzbastei und Gewandhaus neben der Universitätsmensa auf … Das City-Hochhaus mit seinen 29 Stockwerken gehört seit 2007 der US-Bank Merrill Lynch.“

* Nachtrag am 06.03.2017: Wieder stürzte eine Scheibe zu Boden, am Sonnabend gegen 14 Uhr, diesmal aus der 18. Etage. Die LVZ berichtet heute davon und wir haben uns vorgenommen, den Durchgang zwischen Uni-Riese und Gewandhaus künftig zu meiden. Denn wieder wird geprüft und wieder weiß niemand, warum und wieso („Wie es zu dem erneuten Absturz kommen konnte, ist bislang unklar …“).

* Nachtrag am 11.03.2017: Jetzt wird’s ernst – nach 14 Jahren. Auf Seite 1 in die Mitte setzte die LVZ heute folgende Schlagzeile: „Absturzgefahr: City-Hochhaus braucht 1900 neue Scheiben“. Und es wird verrückt: „Betroffen sei das sogenannte Einscheibensicherheitsglas, das für Windschutzscheiben und für die Füllung zwischen den Fensterreihen verwendet wurde. Zum Teil besitzen die Scheiben nur einen dreiseitigen Rahmen, mit freier unterer Kante“. Ausgerechnet die untere Kante! Saniert worden sei das Gebäude im Auftrag der Landesregierung (die es später verkaufte) zwischen 1999 und 2002. Bereits 2003, siehe oben in diesem Beitrag, flog die erste Scheibe …

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