Die Teehaus-Tragödie

Teehaus im August 1992 (Foto: Norbert Lotz)

Teehaus im August 1992 (Foto: Norbert Lotz)

Vor 25 Jahren brannte das Teehaus (heißt heute Café Kandler). Unser alter Freund Norbert dokumentierte damals das Geschehen. Wir danken ihm herzlich für das Bereitstellen seines Wort- und Bildmaterials, welches wir hier veröffentlichen.

Teehaus in Flammen

Das Teehaus am Thomaskirchhof Nr. 11, einst Novität in Leipzigs Kaffeehausgeschichte, ist nun Ruine. Am 6. August (1992) ließ eine Zeitungsmeldung den Atem so manch eines Liebhabers hiesiger Gastlichkeit stocken: „Ein Großfeuer hat gestern Nacht große Teile des denkmalgeschützten Teehauses zerstört. Vier Menschen wurden dabei leicht verletzt, Sachschaden in Millionenhöhe …“

Der Tag danach am Teehaus, wo noch abends zuvor in lauer Sommernacht ein vergnügtes Häufchen Nimmermüder den romantischen Hauch auf dem kleinen Freisitz zu spüren suchte – zerborstene Fenster, pechschwarze Brandspuren bis hoch zum Dach, in dem ein großes Loch klafft. Die Spurensicherung ist vor Ort, um nach Indizien zu suchen, die den geäußerten Verdacht einer Brandstiftung bestätigen. Ein trauriger Anblick. So mancher Leipziger hat beim Anblick des Gebäudes eine Träne in den Augen, nicht nur herrührend vom beißenden Brandgeruch, der noch immer über dem Platz liegt.

Es ist nicht mehr viel zu erkennen vom einstigen Glanz des Hauses. Die Fenstergitter und die gusseisernen, beide Etagen durchziehenden Säulen sind rußgeschwärzt. Über der verkohlten Türeinfassung steht das eingravierte Initial H – Juwelier Heine. Der erwarb die Immobilie im 19. Jahrhundert, richtete Werkstatt und Geschäft ein und veranlasste 1883 den Generalumbau, dem das Gebäude seine üppige Neorenaissance-Fassade verdankt. Schon Heine ereilte ein trauriges Schicksal, er soll Opfer eines Raubmords geworden sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete der Kunsthändler Wieland hier eine Galerie, später fand ein Geschäft für Tapeten und Dekostoffe in den Räumen Platz, bis 1979 das Teehaus entstand.

Stadtarchiv Leipzig, Chronik 1992:
„05.08.: Das Restaurant ‚Teehaus‘ – jetzt ‚T-Haus am Thomaskirchhof‘ – ist einem Großfeuer zum Opfer gefallen. Auch die darüber liegenden Wohnungen sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Das Restaurant hatte erst am 2. Juli nach seiner Renovierung wieder geöffnet.“

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