Der Untergrund-Aldi

Untergrund-Aldi 2010 (Foto: Friedrich Preuß)

Untergrund-Aldi 2010 (Foto: Friedrich Preuß)

Auf dem Abschnitt zwischen Lützner und Endersstraße macht die Merseburger einen ungemütlichen Eindruck: Auf der einen Seite deprimiert das leere Kaufhaus Held, auf der anderen sammeln sich Kik, Tedi und ebenfalls Leerstand. Hinter besprühten Glastüren geht es die Rolltreppe runter in den Untergrund-Aldi, der dort schon lange ausgezogen ist.

Der Laden war eine Kuriosität, wenn wir in Michael Schweßingers zweitem Lindenau-Buch „Von Seemännern und anderen Gestrandeten“ blättern, müssen wir an ihn denken. Die Episode „Sommer in Lindenau“ trägt sich in unserer Vorstellung im Untergrund-Aldi zu, in ihr beobachtet der Erzähler einen Vater und dessen Tochter beim Einkaufen. Das Mädchen wünscht sich ein Eis, der Vater wollte eigentlich Alkohol erwerben, hat aber zu wenig Geld für beides in der Tasche. Das Dilemma löst der Erzähler, indem er dem Mann einen Euro gibt …

Unlängst machte uns unser bewährter Tippgeber Julius auf eine Bilderserie aufmerksam, die im Jahr 2010, drei Tage vor Aufgabe des Lindenauer Untergrund-Aldis, entstanden und im Internet zu sehen ist. Wir fragten beim Fotografen Friedrich Preuß nach, er stellte uns seine Aufnahmen schnell und unkompliziert zur Verfügung. Nun sind sie auch hier zu sehen. Herzlichen Dank an ihn, an Julius für die Anregung sowie an Michael Schweßinger für seine Bücher!

www.phriedrich.de

Nachtrag I: Uns erreichten Hinweise aus der Bevölkerung, denen zufolge nach Aldi auch Norma sein Glück im Kellergerschoss suchte. 2013 habe das Handelshaus dieses Experiment beendet. Wir selbst erinnern uns an die Präsenz der Drogeriekette Müller in den Räumen, die heute von Kik genutzt werden.

Nachtrag II: Rechts neben dem Aldi-/Norma-Eingang befand sich zuletzt eine Lukas-Bäcker-Filiale, auf verkleinerter Fläche (d.h. mit nachträglich eingezogener Wand), der Rest des ursprünglichen Bistros in der Schlemmerpassage (!) wird bis heute von Tedi genutzt. Danke, Julius!

Nachtrag III: Der nimmermüde Julius fand in Zeitungen aus dem Jahr 1997 Hinweise auf einen „1000 Quadratmeter großen ‚Kaiser’s‘-Markt“ als Vorläufer der obengenannten Untergrund-Aktivitäten. Zu der Zeit versuchte sich auch die erwähnte Schlemmerpassage zu etablieren – mit Feinkost, Fleischer, Bäcker, Obsthändler und zwei Gastronomen (Josef Hutter, Paulaner-Imbiss, und Lutz Geyer, Fisch und Meeresfrüchte). Allein, es lief nicht. – Danke, Julius!

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