100 Jahre Bugra

Bugra-Messehaus, Gerichtsweg

Bugra-Messehaus, Gerichtsweg

Lange Zeit galt es als Vorteil, die Leipziger Messe mitten in der Stadt zu haben. Während der Messetage vervielfachte sich das Aufkommen an Menschen auf den Straßen, Gassen und Plätzen, Geschäftsleute und Neugierige waren unterwegs. Die Messe war zu erleben, denn sie war ja mittendrin, unter uns, und nicht auf einem separaten Gelände (zuerst außerhalb der Innenstadt, mittlerweile sogar außerhalb der Stadt). Nur zur Buchmesse – wegen der vielen Veranstaltungen und deren Besuchern auch im Zentrum – stellt sich noch das alte Gefühl ein.

Im Bugra-Messehaus (Bugra = Buchgewerbe und Grafik) zwischen Gerichtsweg und Gutenbergplatz, zwischen Prager Straße und Täubchenweg wurden innenstadtnah Druckerei-, Buchbinderei- und ähnliche Maschinen gezeigt. Der Name Bugra geht auf eine Ausstellung aus dem Jahr 1914 zurück. Zu sehen war die – entgegen unserer oben aufgebauten Argumentation – auf der heutigen Alten Messe (damals ganz neu!).

„Als Stadt des Buchhandels genießt Leipzig nicht geringeren Ruhm denn als Messestadt. Nicht zuletzt die Bugra 1914, die große internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, hat diesen ihren Ruf in aller Welt verbreitet“, verkündet die Broschüre „Leipzig in Wort und Bild“, welche 1928 vom Ratsverkehrsamt unserer Stadt herausgegeben wurde. Stolz dieser Art erhielt sich bis in die 1990er Jahre, bis eine Druckerei nach der anderen dicht machte. Ebenso die Verlage.

Dafür muss man zugeben, dass das dem Namen nach noch immer Grafische Viertel heute besser aussieht als in den letzten Jahrzehnten. Gegenwärtig wird zum Beispiel das LKG-Gebäude („Mehr lesen, wissen, können“) in der Prager Straße saniert, das markante Eckhaus von Interdruck (Dresdner / Ecke Salomonstraße) ist schon weiter, und einige alte Villen, wie die prächtige an der Ecke von Goldschmidt- und Talstraße strahlen regelrecht (Buchempfehlung zum Thema: „Buchstadt Leipzig – Der historische Reiseführer“).

Das Bugra-Messehaus hingegen schlummert noch vor sich hin, wird aber hoffentlich auch wiederentdeckt und -erweckt, 100 Jahre Bugra wären ein passender Anlass! Vom Gerichtsweg aus gelangte man übrigens unlängst ganz legal ins riesige Gebäude. Eine Tür stand offen. Wir haben ein paar Bilder aus dem Inneren zugespielt bekommen …

Nachtrag 1: Auf einem Stadtplan von 1959 wird das Bugra-Messehaus noch als Buchgewerbehaus bezeichnet. Dieser Prachtbau wurde im Zweiten Weltkrieg erst erweitert („Schiemichen-Bau“) und später zerstört. Siehe dazu auch unsere „Alten Bilder III“ vom März 2012.

Nachtrag 2: Am 21.03.2014 titelt die Leipziger Volkszeitung „Einstiges Herz des Buchwesens wird vor dem Ruin gerettet“ und erklärt darunter: „Investor kauft Bugra-Messehaus / Sanierungsstart noch dieses Jahr“. Weiterleser kommen schließlich zu dieser Information: „Nach 20 Jahren Leerstand … habe sich nun mit dem Bauprojektentwickler Hildebrand & Jürgens endlich ein neuer Eigentümer gefunden“. Das Bugra-Messehaus ist also wahrhaftig wiederentdeckt worden!

Nachtrag 3: Überraschung! Jetzt soll das Buchgewerbehaus sogar in seiner alten Form wiedererstehen! Die LVZ berichtet am 02.01.2016 unter der Überschrift „Romantisches Schloss am Gutenbergplatz – Buchgewerbehaus wird restauriert“, dass Hildebrand & Jürgens „soeben mit der denkmalgerechten Sanierung begonnen … haben“. Steffen Hildebrand wird mit den Worten zitiert: „Von dem eindrucksvollen Portikus samt einer Freitreppe, über der noch immer Messehaus Bugra steht, bis zu den Balkonen oder Fenstergewändern – wir restaurieren alles wieder gemäß dem historischen Vorbild.“ Der jüngere Schiemichen-Flügel im Gerichtsweg ist sogar schon fertig …

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