Die Kellnerin vom Gästehaus

Das Gästehaus in den Achtzigern

Das Gästehaus in den Achtzigern

(J.R.) Von 1986 bis 1988 absolvierte Katja H. eine Lehre als Kellnerin (Facharbeiterin) im Gästehaus des Ministerrates und Politbüros im Leipziger Musikviertel. In diesem renommierten Haus erlernte sie das Einmaleins der gehobenen Gastronomie im Umgang mit prominenten Gästen. Neben nationalen und internationalen Politgrößen waren das u.a. auch die Fußballer des 1. FC Lokomotive Leipzig sowie der DDR-Nationalmannschaft. Nach Abschluss dieser Ausbildung ging Katja zurück nach Dierhagen in das dortige Gästeheim des Ministerrates, um 1989 dann im Grand Hotel Berlin an der Friedrichstraße ihr Können auszubauen.

33 Jahre nach ihrem Abschied aus der Messe- und Buchstadt Leipzig veröffentlicht die Frau, die heute in der Schweiz lebt, ihr erstes Buch „Ostprinzessinnen tragen keine Krone“ (gemeinsam mit Cornelia Heynen-Igler) im Engelsdorfer Verlag. Katja, Tochter eines ranghohen DDR-Offiziers, blickt auf ihr gleichermaßen turbulentes wie schillerndes Leben zurück. Als Nesthäkchen wächst sie recht behütet auf, einerseits mit Privilegien, andererseits aber auch mit manchen Zwängen. Im Familienidyll zeigen sich erste Risse und Spannungen, die nach der Wende größer werden.

Ausgerechnet der Vater, der bis zu seinem Tod an die Idee von einer besseren Welt glaubt, legt die Probleme sowohl in der Familie als auch im politischen System vor und nach dem Mauerfall unverblümt in einer Chronik dar. Seine Tochter, 1989 gerade mal zwanzig, hingegen genießt die neue Freiheit in vollen Zügen, bis auch sie nach bewegten Jahren in der Schweiz die Kehrseite des Kapitalismus kennenlernt. Eine irre Talfahrt zwischen New Yorker High Society, Endlossommer auf Ibiza und ernüchterndem Berliner Arbeitsalltag – und natürlich ist dies auch eine Geschichte über die Liebe, über ihren Zauber, aber auch über ihre alles vernichtende Zerstörungskraft.

Nachtrag zum Engeldsorfer Verlag: Tino Hemmann (siehe unseren Beitrag „Vor der Buchmesse 2“, März 2019) arbeitet im Kleinauflagenbereich. Gedruckt wird im eigenen Haus im Leipziger Osten, die Buchbindung übernimmt eine Meisterwerkstatt vor Ort. Hemmanns Verlag gibt unbekannten Autoren sowie Manuskripten, die nur für einen kleinen Interessenpool bestimmt sind, eine Chance auf preiswerte Veröffentlichung. Dabei kooperiert er mit Grossisten und den führenden Internethändlern.

www.engelsdorfer-verlag.de

Herzlichen Dank an Katja (alte Fotos + das Bild vom Signieren) und Filmfreund Jens (Text)!

Nachtrag 1: Daniela schrieb auf unserer Facebook-Seite: „Die Küche dort war auf jeden Fall toll und der Service unglaublich. Ich durfte dort an einigen Feiern teil nehmen … Eine Hausbewohnerin / Nachbarin war dort Hausdame. Und zu Weihnachten gabs für die Kinder und Enkel der Angestellten immer Feiern. Da sie weder das eine noch das andere hatte, hat sie mich immer mitgenommen. Und sie selber hat ihre Silberhochzeit dort gefeiert. Das riesen Buffet werde ich nie vergessen und das wird mein Leben lang der Maßstab für Buffets sein …“

Nachtrag 2: Siehe ergänzend auch unseren Beitrag „Lost Places verschwinden“ vom Oktober 2014. Ganz unten geht es da ebenfalls ums Gästehaus am Park.

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