Hoch auf die Kippe

Erst runter, dann hoch - Blick auf den "Monte Böhlitz"

Erst runter, dann hoch – Blick auf den „Monte Böhlitz“

Im Hochsommer hoch auf die Kippe – das ist in Böhlitz-Ehrenberg möglich und all jenen zu empfehlen, die zumindest zeitweise ihre Ruhe haben wollen. In Nachbarschaft der Sportplätze von ehemals BSG Dimo (für Dieselmotorenwerk) und TC Böhlitz-Ehrenberg sowie des exotischen Rollhockeystadions erhebt sich ein Berg, der „Monte Böhlitz“.

Es handelt sich um einen Müllberg, einen ehemaligen. Das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig informiert auf einer Tafel über die „Historie zum Standort“. Wir erfahren Folgendes: „großflächiger Lehmabbau bis ca. 1930 / anschließende Nutzung der Lehmgruben als Deponie bis 1991 / 2012 bis 2014 Profilierung, Abdeckung und Begrünung“.

Bei der bildlichen Vorstellung davon, wie eine Grube als Deponie funktioniert, wird der regional verwendete Slang-Begriff „Ausfülle“ klar und verständlich. Wandelt sich die Grube schließlich zum Hügel (denn die Vokabel Berg ist ganz schön hoch gegriffen), hat man das Ziel nicht nur erreicht, sondern deutlich übererfüllt.

Doch schweifen wir zurück und lesen weiter: „Die Baumaßnahme der Stadt Leipzig – Sicherung und Rekultivierung der Deponie ‚Ludwig-Jahn-Straße‘ – wurde aus Mitteln der Europäischen Union gefördert / Europa fördert Sachsen / EFRE – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung / ‚EU: Perspektiven für Sachsen'“.

Leipzig, Sachsen, Deutschland können solchen Kleinkram nicht aus eigenen Kassen finanzieren? Wenn bei uns, den derzeitigen Boom-, Erfolgs- und Sparweltmeistern, schon die EU helfen muss, wo muss sie es dann nicht? Solcherlei Gedanken nachhängend schieben wir die Räder hoch auf die Kippe.

Von oben sieht man das nächste Förderprojekt, gelbrote DHL-Hallen und den Turm vom Flughafen in Schkeuditz, man sieht den Bismarckturm von Lützschena, den Wasserturm von Böhlitz-Ehrenberg, den Auewald, die Gartenanlagen Sommerfreude und Kaninchenfarm S32 sowie die bereits genannten Sportplätze.

Was man hier nicht bzw. kaum sieht, sind andere Bergsteiger oder Wanderfreunde. Denn hier oben gibt es nichts – außer einem gar nicht so kurzen Rundweg (der wenig fahrradgeeignet ist), dafür jedoch Ruhe – außer nachts, da fliegen einem die DHL-Maschinen um die Ohren.

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