Im Leipziger Osten II

Hanns Eislers Geburtshaus in der Hofmeisterstraße 14

Hanns Eislers Geburtshaus in der Hofmeisterstraße 14

Der Leipziger Osten fängt für uns hinterm Wintergartenhochhaus an und reicht bis Paunsdorf (bzw. seit den Eingemeindungen der Jahrtausendwende sogar bis Engelsdorf). Die typische Straße ist die Eisenbahnstraße (ehemals Ernst-Thälmann-Straße), aber auch die Wurzner (Erich-Ferl-Straße) und die Dresdner Straße (Straße der Befreiung) können als solche gelten. Wahrscheinlich stehen hier – im Stadtvergleich – die meisten Wohnungen leer, ebenso wahrscheinlich sind sie relativ preiswert.

Wir radelten die Rosa-Luxemburg-Straße und Eisenbahnstraße entlang mit kleinen Abstechern und landeten schließlich am S-Bahn-Haltepunkt Sellerhausen beim SV Leipzig-Ost (ehemals BSG Motor Ost). Dort hinten, am Ende der Eisenbahnstraße, befindet sich das seit kurzem sogenannte Bülowviertel, welches ein wenig Selbst-Marketing betreibt. Und dort in der Gegend gammelt das einstige Kino der Jugend (siehe unseren Beitrag „Kuschlige Kinos“; Februar 2012) vor sich hin. Die Figur am Giebel kannten wir gar nicht, erfuhren aber von einem unserer Leser, dass es sich bei ihr um die Fortuna handelt, da das Kino der Jugend einst die Fortuna-Lichtspiele waren.

In der Hofmeisterstraße 14, kurz hinterm  Wintergartenhochhaus, wurde der Komponist Hanns Eisler (u.a. Nationalhymne der DDR) geboren. Die Gedenktafel, die im „Tourist Stadtführer-Atlas Leipzig“ von 1981 erwähnt ist, hängt nicht mehr an der Wand, ihre möglichen Halterungen hingegen sind noch erkennbar (Bildmitte, zwischen den Fenstern).

www.buelowviertel-leipzig.de, www.bv-sellerhausen.de

Nachtrag am 08.08.2015: Heute schreibt die Leipziger Volkszeitung: „Geburtshaus von Komponist Hanns Eisler wird gerettet“. Retter ist das Unternehmen Treuhand Schwaben aus Stuttgart, das Gebäude soll denkmalgerecht saniert werden. Und: „Die Hanns-Eisler-Gesellschaft steuerte die Idee bei, mit Hilfe einer Stiftung die authentische Wohnung in Zukunft abwechselnd Künstlern zur Verfügung zu stellen, die genau wie Eisler politisch verfolgt wurden.“ Weiterhin ist in dem Beitrag zu erfahren, dass die stadteigene Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) das Haus abreißen wollte und dafür Fördermittel beantragt hatte. „Nach heftigen Protesten versteigerte die LWB 2006 die kulturhistorisch wertvolle Immobilie“ für 26.000 Euro.

Nachtrag am 05.11.2016: Jetzt wird’s lustig. „Erfolg für die Kulturstadt Leipzig: Die Geburtswohnung des Komponisten Hanns Eisler (1898-1962) in der Hofmeisterstraße 14 ist in den Besitz der Leipzig-Stiftung übergangen“, meldet die LVZ. „Demnach haben der Vorsitzende der Stiftung, Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU), und Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) als Mitglied des Vorstands im Auftrag der Stiftung die Wohnung von der Treuhand Schwaben Beteiligungsgesellschaft mbH erworben.“ Nun soll denkmalgrecht saniert und ein „Vermietungskonzept mit kulturellem Bezug“ entwickelt werden. Torsten Bonew sagte: „Mit Mitteln der Stiftung ist es gelungen, ein Stück internationale Musikgeschichte in Leipzig zu sichern.“ Kein Wort zum Preis der Wohnung und dazu, dass das gesamte Haus bis vor wenigen Jahren im Besitz der Stadt gewesen ist.

Nachtrag am 23.06.2017: Die Musik- und Stadthistorikerin Bettina Weil informierte uns darüber, dass am 6. Juli um 13 Uhr eine neue Eisler-Gedenktafel enthüllt werden wird, das Haus Hofmeisterstraße 14 ist saniert. Außerdem verwies sie uns auf die Internetseite www.hanns-eisler.com, auf der wir Folgendes fanden: „Die Geburtswohnung befindet sich Parterre links. Hier wohnten seinerzeit Eislers Großeltern mütterlicherseits; seine Eltern lebten nach neueren Erkenntnissen zu diesem Zeitpunkt bereits in Wien. Zur Geburt von Hanns begab sich Ida Maria Eisler in die Hände ihrer Mutter und einer ihr bereits bekannten Hebamme in Leipzig. Vermutlich reiste sogar die gesamte Familie an.“ Danke!

Nachtrag am 09.09.2015: Aus der Pressemitteilung einer Initiative gegen den Abriss des ehemaligen Kinos der Jugend (unterzeichnet von Daniel Schade): „1928 wurden die ‚Fortuna-Lichtspiele‘ in der drei Jahre zuvor stillgelegten Gasanstalt Leipzig-Ost mit 989 Sitzplätzen eröffnet. Eindrucksvoll warb von nun an eine im Stil des Art-Déco gestaltete Schaufront mit großem Staffelgiebel und einer Plastik über dem Eingang um zahlendes Publikum. Im Jahr 1946 steht ‚Lichtspielhaus der Jugend‘ über den Plänen für eine Vergrößerung der vor der Leinwand befindlichen Bühne. Später folgten die Umstellung auf Breitfilmformat und eine 1957 abgeschlossene Renovierung. Für 1985 wurde die Sitzplatzzahl noch mit 551 angegeben; im Jahr 1987 erfolgte jedoch die Schließung des auch als ‚Kino der Jugend‘ bekannten Filmtheaters. Seitdem steht das Haus leer, heute in verwahrlostem Zustand. Gebäude und Grundstück gehören der Stadt Leipzig und stehen unter Denkmalschutz.“

www.facebook.com/igfortuna

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen