Isabel, Jenny und Sven

Diana und Sven 1996 (Alles andere zeigt die Zeit)

Diana und Sven 1996 (Alles andere zeigt die Zeit)

„Alles andere zeigt die Zeit – In Leipzig und anderswo 1989-2015“. Für diese Dokumentation muss man nicht nur dem Filmemacher Andreas Voigt dankbar sein, sondern auch seinen drei Protagonisten Isabel, Jenny und Sven, die über lange Zeit die Nähe einer Kamera zuließen und offen über sich und die jeweiligen Situationen sprachen.

Der Blick fährt durch Straßen mit ockergrauen Häusern, an deren Rändern zwei, drei Wartburgs, Moskwitschs oder Trabants parken. LKW-Anhänger voller Kohlen warten auf dem Pflaster, während Werksbahnen durch Wohngebiete quietschen. Wo ist das?, fragt sich der Betrachter. Alles in Leipzig!

Wir sehen Sven als Soldaten, als Wachmann im Werk 2 und mit seiner großen Liebe Diana. Rückblenden erlauben Vergleiche mit der Gegenwart. In Achtziger-Jahre-Gruft-Optik steht die jugendliche Isabel vor einem Abrisshaus und erklärt: „Auch im Kapitalismus wachsen Haare, da werd ich eben Friseuse.“ (Sie wird es nicht.) In Svens kleiner Westwohnung ist auf einer Fahne an der Wand zu lesen: „Hüte dich vor Sturm und Wind und Ossi’s, die in Rage sind“.

Links, rechts, Stasi, Kapitalismus, Glück und Enttäuschung – das, was in der Wirklichkeit eine Rolle spielt(e), kommt unaufdringlich zur Sprache. „Alles andere zeigt die Zeit“ hält Entwicklungen fest, die – von ihrem Ausgangspunkt her gedacht – fast immer überraschen. Denn die wenigsten Lebensläufe gestalten sich nach Plan. Bei Sven erleben wir die Trennung von Diana mit, Arbeitslosigkeit sowie die Versuche, das Leben wieder „auf die Reihe zu kriegen“ – in Nordrhein-Westfalen. Auch Isabel ist im Westen gelandet, sie hat dort beruflich Erfolg, wirkt jedoch einsam. Und Jenny setzt sich mit tragischen, ihr bis dahin unbekannten Umständen aus dem Leben ihrer Mutter auseinander.

Andreas Voigt und mit ihm wir Zuschauer beobachten all das neugierig und vorwurfsfrei, wir sind beim Autokauf dabei und wenn das Essen von der Tafel geholt wird. Gedanklich kommen wir dem Trio immer näher, fühlen uns wie Freunde oder Verwandte und spüren regelrecht Erleichterung, als Sven nach Leipzig zurückkehrt. Er pflegt seinen Opa, findet eine neue Freundin und sagt auf die Frage nach Wünschen und Träumen: „Ich bleib jetzt in der Realität“ sowie den titelgebenden Satz „Alles andere zeigt die Zeit“.

Vor allem für Leipziger jeden Alters ist dieser Film unheimlich interessant, die „Kinder von Golzow“ lassen grüßen, und wir hoffen auf eine Fortsetzung. „Alles andere zeigt die Zeit“ ist auf DVD erhältlich, außerdem Andreas Voigts vorangegangene Leipzig-Filme und auch die eben erwähnten „Kinder von Golzow“, letztere übrigens auf insgesamt 18 DVDs.

Fotos: absolutmedien.de

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