Kleinzschochersche Erinnerungen

Taborkirche

Taborkirche

Ein Buch, das 2010 bei Pro Leipzig erschienen und lang schon vergriffen ist, kommt wieder heraus: Christine Arendts „Erinnerungen an mein Kleinzschocher“. Am 21. März 2014 wird die überarbeitete und nun von der Böhlitz-Ehrenberger Werbeagentur Kolb* verlegte Neuausgabe im Gemeindesaal der Taborkirche vorgestellt – „mit kleiner Diaschau“! Am Vormittag darauf signiert die Autorin ihr Werk in der Buchhandlung am Adler (Dieskaustraße 10) und am 27. März, ab 16 Uhr, in der Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof.

Wir freuen uns drauf, denn wir haben das Buch schon durchblättern und -lesen können. Es enthält, wie der Titel verrät, persönliche Erinnerungen. Diese aber sind für alle an Kleinzschocher Interessierten relevant, man muss Christine Arendt nicht kennen. Über sie jedoch bekommen wir Zugang zu den Bäckern, Kakteenzüchtern und Kohlenhändlern zwischen Dieskau- und Windorfer Straße, zwischen Adler und Alfred-Rosch-Kampfbahn. Das Persönliche macht den Reiz aus, die Häuserzeilen, Ladeninhaber und überhaupt die Leute lernen wir so wie über eine gemeinsame Bekannte kennen.

Christine Arendt sammelt alles über ihren Ortsteil – „von der Postkarte über Abzeichen, Fotografien, Bilder bis hin zu altem Hausrat, möchte ich alles zusammen mit kleinen Geschichten und Episoden, die ich von meinen Großeltern erzählt bekommen habe, beziehungsweise die aus meiner eigenen Erinnerung stammen, miteinander verbinden“. Und das gelingt ihr! Die „Erinnerungen“ sind ein Spaziergang durch die Straßen und Schlippen (von denen es in Kleinzschocher viele gibt!) in Begleitung einer freundlich plaudernden Ortskundigen.

Wir hören von einem DEFA-Film namens „Du und ich in Klein-Paris“, der Ende der 1960er hier gedreht wurde. Wir erfahren, dass das „Don Giovanni“ an der Taborkirche einst „Ratskeller“ hieß (und fragen: Wo war das Rathaus?) sowie dass der Kohlenhändler Kurt Ripke von gegenüber bereits zu DDR-Zeiten Ami-Schlitten fuhr. In der Familie heißen die ältesten Söhne seit Generationen Kurt – das Unternehmen existiert bis heute.

Die Brauerei Friedel in der Windorfer Straße 60 hingegen gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Auch das Café Petit in der Dieskaustraße 29 hat geschlossen. Christine Arendt kennt es noch als Fleischerei Lanzendorf mit prächtig bemalter Glasdecke, wir als einstige Schüler der KBS II (Kommunale Berufsschule II, heute Alte Handelsschule) haben das Geschäft zumindest noch als Café erlebt. Die Bäckerei Sperling in der Creuzigerstraße ist uns ein Begriff, der Herrenausstatter, der Schreibwarenladen und die Apotheke nahebei ebenso. Vom Rothenburger Erker wiederum oder dem Schloss wissen wir lediglich von historischen Postkarten her.

Christine Arendt wurde im Schlossweg (heute Kantatenweg) geboren und bezeichnet diesen bis heute als ihr Zuhause. In der Gärtnerei Siebert bewunderte sie die Kakteen, an der „Sperlingsburg“ die unzähligen Spatzen in den Büschen. Und am Eingang zum ehemaligen Rittergut bemerkte sie als eine der ersten den Diebstahl der (Portal-)Löwen**. Die derzeit schmucklose Tauchnitz-Villa*** (Windorfer Straße) sehen wir bei ihr auf alten Bildern mit märchenhaften Zinnen und Türmchen, und über die Hofkultur West**** in der Windorfer Straße 44 (Kräuterladen) erfahren wir, dass das mal die alte Schule von Kleinzschocher gewesen ist.

Schließlich noch das: Der Adler der Gaststätte „Zum goldenen Adler“ verschwand Mitte der 1990er nach dem Abriss des stadtbekannten und der Kreuzung ihren Namen gebenden Gebäudes. Die für den Stadtteil wichtige Skulptur wurde später in Herzberg wiederentdeckt. Das gibt Hoffnung für die abhanden gekommenen Löwen vom Schloss- bzw. Kantatenweg. Hoffentlich tauchen auch die eines Tages wieder auf.

* siehe www.kolb-verlag.de
** siehe unseren Beitrag „Die Löwen von Zschocher“ vom Februar 2013
*** siehe unseren Beitrag „Monte Carlo und Karl Tauchnitz“ vom April 2013
**** siehe www.hofkultur-west.de

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