Leere Container

Bertram Reinecke

Bertram Reinecke

Mit seiner aktuellen Veröffentlichung, dem „Mitlesebuch 141“, kommt Bertram Reinecke am 26. Januar 2018 ins Hinz und Kunz in die Georg-Schwarz-Straße. Erschienen ist die Lyriksammlung im Aphaia Verlag München und nicht etwa bei Reinecke & Voß in Leipzig – Bertram Reinecke trennt das Dichter- vom Verlegerleben. Sein Mitlesebuch bemüht sich um Zugänglichkeit, enthält wenig „Nerd-Kram“, dafür eigene (poetologische) Anmerkungen zu den Gedichten.

„Die sind hoffentlich nicht zu pädagogisch“, sagt der Autor. Keine Sorge, nein, die Anmerkungen erweitern das Verständnis des Lesers: Wer wird wo und warum zitiert oder gewürdigt? Rilke, von Hofmannsthal, Dante, Shakespeare – nicht immer erkennt und weiß man alles und freut sich, wenn man es gezeigt bekommt. Und man gerät ins Staunen, wenn man erfährt, dass gute Gedichte leere Container sind.

Bertram Reinecke ist der Prototyp eines Poeten, dennoch gleichzeitig Verleger. Reinecke & Voß gründete er 2009 mit dem Literaturwissenschaftler Tim Voß, arbeitete dann Jahre allein und heute gemeinsam mit Dirk Uwe Hansen und Peter Holland. Er habe sich Partner gesucht, um fünf, sechs Bücher pro Jahr herausbringen zu können. Das sei die „Wahrnehmungsschwelle“. Und nebenbei bzw. parallel möchte er ja auch noch schreiben. Inzwischen gebe es eine gewisse R&V-Stammkundschaft, sogar Sammler. Die eigenen Bücher jedoch, siehe oben, erscheinen nicht im eigenen Verlag – so wie es sein sollte.

Bertram Reinecke, Absolvent des Deutschen Literaturinstituts hier in Leipzig, war an selbigem mit Vorlesungen und Seminaren präsent und würde das gern fortführen. Ebenso lebte der gebürtige Güstrower eine Zeit lang als Poet in Residence in Dresden – als einer von drei Leipzigern, die einander in kurzer Frist folgten. (Die anderen sind Carl-Christian Elze und Andreas Reimann.) Auch in Dresden ist ein Buch entstanden, der Gedichtband „Gleitsichtwochen“.

Zurück zu Reinecke & Voß, wo Literatur für neugierige, gebildete Vielleser auf Papier komme. „Fachverlag für Horizonterweiterung“ nannte Dirk Uwe Hansen als Rezensent einst das kleine Kulturunternehmen, Bertram Reinecke griff die Formulierung dankbar auf. Ganz sicher auch, weil er selbst so wohlfeil formulieren kann, Liebeswerbung und Klinggedichte kunstvoll in drei Teile bringt, den Grillwart, einen Versonnenen, singen lässt und einen Ostseeort im Ansturm der Touristen wie einen Schlächter (!) schwelgen …

www.reinecke-voss.de

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