Leipziger Tageszeitungen

Sächsisches Tageblatt, Ansichtskarte aus den 1950ern

Sächsisches Tageblatt, Ansichtskarte aus den 1950ern

Als wir im Internet einer alten Postkarte mit dem Schriftzug Sächsisches Tageblatt angesichtig wurden, befiel uns die Haben-Wollen-Krankheit. Nach einer Heilung durch Kauf befindet sich das Dokument in unserer Hand und stärkt die Erinnerung an das Organ der Blockpartei LDPD, welches seinen Leipziger Sitz am Neumarkt hatte. Wenn man unten hineinspazierte, konnte man da zum Beispiel Anzeigen aufgeben. Zu DDR-Zeiten existierten weitere Tageszeitungen für die Messestadt Leipzig und den zugehörigen Bezirk mit seinen 13 Kreisen Leipzig-Stadt und –Land, Delitzsch, Eilenburg, Torgau, Borna, Wurzen, Grimma, Oschatz, Altenburg, Schmölln, Geithain und Döbeln.

Das waren Die Union (CDU) mit Räumlichkeiten in der Pfaffendorfer bzw. damals Dr.-Kurt-Fischer-Straße, die Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten (NDPD), beheimatet im Eckgebäude Jahnallee / Thomasiusstraße, und die Leipziger Volkszeitung (SED), deren Lokalredaktion eine Etage in der Riemannstraße 54 belegte, ansonsten lautete die Adresse wie heute: Peterssteinweg. Der Leipziger Teil der Nachrichtenagentur ADN war in der Schulstraße (heißt mittlerweile Ratsfreischulstraße) zu Hause und versorgte die genannten Blätter von dort aus zusätzlich mit Beiträgen.

Eine Tageszeitung kostete in den 1980er Jahren zehn bis 15 Pfennig pro Ausgabe, man konnte also, ohne arm zu werden, alle kaufen, außerdem die überregionalen Blätter Bauernecho (DBD), Tribüne (FDGB), Junge Welt (FDJ) oder aber das Sportecho (DTSB) und hatte circa eine Mark ausgegeben.

Zeitungsläden und -kioske* befanden sich an vielen Straßenbahnhaltestellen, in Bahnhöfen und auch mitten in der Stadt. Während der Frühjahrs- und Herbstmessen wurden darüber hinaus westdeutsche Tageszeitungen verkauft, unter anderem neben der Universitätsbuchhandlung in der Grimmaischen Straße, allerdings nicht an unberechtigte DDR-Bürger. Immerhin hatte man in diesen beiden Wochen die Möglichkeit, in der Süddeutschen oder der Frankfurter Allgemeinen zu blättern und zu lesen.

Um den Kreis zu schließen (was Leute wie wir gerne tun), vergessen wir auch die Gaststätte Journalistenklub nicht, zu der hatten die Mitarbeiter des Sächsischen Tageblatts den kürzesten Weg, denn sie befand sich ebenfalls am Neumarkt, in der Hausnummer 26.

* siehe unseren Beitrag „Die Letzten ihrer Art“ (Januar 2014)

Aus der Chronik der Stadt Leipzig für 1990 (zu finden auf leipzig.de):
19.01.: Die „Leipziger Volkszeitung“ erscheint als unabhängige Tageszeitung. Redaktion und Verlag haben sich von ihrem bisherigen Herausgeber, der SED, getrennt.
01.07.: Aus wirtschaftlichen Gründen wird die Zeitung „Mitteldeutsche Neueste Nachrichten“ eingestellt.

Aus der Chronik der Stadt Leipzig für 1992 (zu finden auf leipzig.de):
31.01. Die Hallenser ehemalige CDU-Zeitung „Neuer Weg“ und ihre Leipziger Ausgabe „Die Union“ stellen überraschend ihr Erscheinen ein. Den 123 Redakteuren und Mitarbeitern ist dies am 30. Januar mitgeteilt worden.

,

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen