Rathaus vs. Postamt Probstheida

Rathaus oder Postamt?

Rathaus oder Postamt?

(A.H.) Bei unserer Suche nach ehemaligen Leipziger (Ortsteil-)Rathäusern stießen wir auf die Connewitzer Straße 1 und die Frage: War dieses Gebäude einst auch Rathaus oder „nur“ Postamt? Der Bürgerverein Probstheida zeigt es auf seiner Internetseite als „Rathaus“, vermutlich nach Infos aus der Stadtteilstudie Probstheida von Pro Leipzig (1996). In der ist das Gebäude ebenfalls abgebildet, mit der Bemerkung, es sei Post und Rathaus gewesen.

Im Text fanden wir allerdings keinen weiteren Hinweis dazu. Eine Nutzung als Rathaus geht auch aus den Leipziger Adressbüchern (1907-1943) nicht hervor, möglich wäre eine Nutzung durch die Stadtverwaltung nach 1949 – wovon wir jedoch nichts wissen – und die im Volksmund daraus abgeleitete Bezeichnung „Rathaus“. Reine Spekulation.

Zum Gebäude selbst: Es wurde um 1905 als Connewitzer Straße 4 (aktuell trägt es die Hausnummer 1) errichtet und gilt heute als Kulturdenkmal. Im April 1913 zog dort das Postamt Leipzig-Probstheida als Mieter ein, welches sich zuvor in der Probstheidaer Grimmaischen Straße 30a befand. Die Grimmaische Straße 30a firmierte ab 1912 unter Preußenstraße 30a, ab 1927 hieß sie Preußenstraße 27, ab 1930 Preußenstraße 44 und dürfte die heutige Nummer 258 der Prager Straße sein; das Haus steht noch.

Das Postamt wurde bis 1909 als Kaiserliches Postamt bezeichnet und ab 1910 als Postamt Leipzig-Probstheida. Ab 1927 ist es dann bis zum Schluss das Postamt O 39. Die Postler hatten übrigens sensationelle Öffnungszeiten: Montags bis sonnabends von 7 Uhr (im Winter von 8 Uhr) bis 12 Uhr und nach einer angemessenen Mittagsruhe von zwei bis drei Stunden noch einmal bis 19 Uhr, ab 1918 bis 18 Uhr. Bis hierhin nicht ungewöhnlich.

Der Clou sind aber die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen – von 8 bis 9 und 11 bis 12 Uhr, ab 1921 lediglich von 11 bis 12 Uhr – und das bis mindestens 1943! Heute unvorstellbar. Bleibt zu raten, wann die Connewitzer Straße 1 ein Rathaus war, Infos dazu – wenn auch in Raten – gibt es nur spärlich. Ist das nicht sonderbar?

siehe auch unsere Beiträge „Leipziger Rathäuser I und II“ (November 2013)

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