Romane aus der Elisenstraße

"Ich bin Dein", Romanzeitschrift aus Leipzig

„Ich bin Dein“, Romanzeitschrift aus Leipzig

„Ich bin Dein“, „Nehmt mich hin“ und „Beim Lampenschimmer“* heißen drei Romanzeitschriften bzw. -zeitungen, die uns Kumpel Knut, ein in Österreich lebender Hallenser stapelweise zukommen ließ – vor ein, zwei Jahren schon. Er muss damals einen Dachboden aufgeräumt haben und wusste von unserer Vorliebe für altes Zeug, wenn es denn mit Leipzig zu tun hat.

Und „Ich bin Dein“ sowie „Nehmt mich hin“ erschienen – vermutlich in den 1920er oder 30er Jahren – im Verlag von Ewald & Co. Nachfahren in der Leipziger Elisenstraße 15. Die Elisenstraße, benannt nach einer sächsischen Prinzessin, hört seit 1950 auf den Namen Bernhard-Göring-Straße**.

„‚Ich bin Dein‘ hält hier bereit / eine Seite Heiterkeit“, war aber in erster Linie Illustrierte Romanzeitschrift. „Die grosse Liebe der kleinen Gissi“ kann man in den uns vorliegenden Exemplaren aufgeregt mitverfolgen, „Das Heldenmädchen von Brünen“ kennenlernen oder den „Traum vom Glück“ wahr werden lassen. Die Romane wurden in zig Fortsetzungen aufgeteilt und mit „Hausfraulichen Ratschlägen“ sowie Unterhaltung garniert. 25 Pfennig kostete ein Heft – frei Haus.

In Heft 63 aus dem 8. Jahrgang wird unter anderem die Schauspielerin Anny Ondra gewürdigt, unter Erwähnung ihrer Rolle als „Klein-Dorrit“ – der gleichnamige Film kam 1934 heraus. Im Jahr zuvor hatte die in Prag Aufgewachsene den Boxer Max Schmeling geheiratet. Noch genauer wird die Datierung der Publikationen dank des Beitrags „Was vor 150 Jahren in der Zeitung stand! Das ist ja kaum zu glauben!“, in dem mehrfach auf das Jahr 1786 Bezug genommen wird – also 1936.

„Nehmt mich hin“ war um einige Seiten dünner, als Illustrierte Romanzeitung für 10 Pfennig zu haben (ebenfalls frei Haus) und nannte sich „Nummern-Ausgabe der Zeitschrift ‚Ich bin Dein'“. Die Romane hier trugen Titel wie „Gerda will nicht heiraten“ oder „Im Banne der Leidenschaft“. Auf der Rückseite gab es zusätzlich ein Rätsel und folgenden Hinweis: „Der Verlag gestattet nicht, daß diese Zeitschrift in Lesezirkeln und Lesemappen geführt wird.“

Gedruckt wurden die Hefte in der in Leipzig ansässigen (Otto) Wigand’schen Buchdruckerei im Rotationsdruckverfahren, wie das Impressum vermerkt. In den Anzeigen tauchen weitere messestädtische Verlage auf, u.a. A. Anton & Co. und Abel & Müller. Letztere preisen als „fesselnde Jugend-Schriften“ die bis heute bekannten Bücher „Onkel Toms Hütte“, „Der abenteuerliche Simplizissimus“ sowie „Don Quijote von der Mancha“. Auch Spalt-Tabletten („10 Stück 62 Pf.“) oder Kaffee aus El Salvador werden per Annonce zum Kauf empfohlen.

Was finden wir noch? Damals schon Katzenbilder (!), in einer Anzeige der Sächsischen Landes-Lotterie den Staatlichen Lotterie-Einnehmer Paul Lippold mit der Adresse Brühl 4, Holzschnitte von Ludwig Richter „aus dem im Verlage von Georg Wigand (gegr. 1829) in Leipzig erscheinenden Ludwig-Richter-Kalender“ oder Dramatisches von Hedwig Courts-Mahler („Hilfe für Mona“), weiterhin Gedichte und Fotografien, z.B. der Dresdner Frauenkirche, tanzender Spreewälderinnen sowie von Lisl Karlstadt und Karl Valentin.

„Wir bringen unserer geschätzten Leserwelt an dieser Stelle in Erinnerung, daß in unserer Zeitschrift die Welt des Films eine nicht geringe Rolle spielt.“ Dazu passt ein Packen Autogrammkarten, der sich zwischen Knuts Fundstücken versteckte und u.a. Porträtaufnahmen von Johannes Heesters, Shirley Temple und Karl Ludwig Diehl (geboren in Halle) enthielt, außerdem das unter der Anny-Ondra-Hommage abgedruckte Gedicht „Ich möchte gar zu gern zum Film gehören“, versehen mit dem Bild einer schönen jungen Frau …

* stammt aus Berlin und der Zeit des Ersten Weltkriegs
** Danke, leipzig-lexikon.de!

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