Sommerfest im Tankstellenmuseum

Frank Altner, Gerhard Otto und der neuere Minol-Pirol (v.re.)

Frank Altner, Gerhard Otto und der neuere Minol-Pirol (v.re.)

Was wissen Leipziger von Borsdorf? Dass der Ort im Osten vor ihrer Stadt liegt und vielleicht noch etwas von Borsdorfer Äpfeln. Dass die Gemeinde an der Straße und S-Bahn-Strecke nach Wurzen über ein Tankstellenmuseum verfügt, dürfte den wenigsten bekannt sein. Auch uns war das neu, obwohl die Einrichtung bereits seit 13 Jahren besteht. Frank Altner, der sich spaßeshalber „Direktor“ nennt, hat hier Zapfsäulen, Schilder und Werbefiguren in großer Zahl zusammengetragen, darunter seltene Minol-Pirole*.

Der Direktor arbeitet hauptberuflich bei einem Mineralölkonzern, im Museum sind neben ihm seine Frau und seine Mutter beschäftigt sowie ein Onkel, der stellvertretende Direktor. Geregelte Öffnungszeiten gibt es nicht. Wer sich umschauen will, ruft an und bekommt eine Führung von einer bis anderthalb Stunden. Oder er kommt am 24. August zwischen 14 und 19 Uhr zum Sommerfest in die Schulstraße 1a. Aber Achtung, da werden um die 500 Leute vor Ort sein, vielleicht noch mehr. Denn das Sommer- bzw. Museumsfest findet zwar jährlich statt, pausierte jedoch im Vorjahr – da musste sich Frank Altner mal erholen.

Dieses Jahr gibt’s am Festtag zusätzliche Ausstellungen, eine zur Geschichte des Leipziger Motorsports (19 informative Tafeln mit historischen Abbildungen**) und eine weitere zur Geschichte des Borsdorfer Autoparks (13 Tafeln). Beide werden von Heimatforscher Gerhard Otto gestaltet. Frank Altner wiederum zeigt außer Tankstellenausrüstung und -zubehör auch Motorräder, Mofas und Mopeds, Fahrräder – unter dem Markennamen „Parthenia“ wurden welche in Borsdorf gebaut -, Schreibmaschinen, alte Küchengeräte, Ritterrüstungen und weitere schöne Sachen.

„Die untere Etage ist technisch“, sagt der Direktor, „die obere für die ganze Familie geeignet.“ Es soll nämlich nicht nur für den Vati, sondern für jeden etwas dabei sein. Und das ist es! Erfahrungsgemäß entspinnen sich an vielen Ausstellungsstücken Gespräche voller Erinnerungen. Vieles kennt man, doch es lauern auch Überraschungen, wie die postschließfachähnliche Nachttankeinrichtung mit Fünf-Liter-Kanistern an Fünf-Meter-Stahlseilen und Schlüsseln für 7,50 Mark.

Sogar Hochzeiten, Schulanfänge und Klassentreffen haben hier im Rittersaal schon stattgefunden, Schule und Bahnhof befinden sich in unmittelbarer Nähe. Das Tankstellenmuseum war ursprünglich der Güterschuppen des Borsdorfer Bahnhofs, es wurde 1894 zeitgeich mit dem Bahnhofsgebäude errichtet, stand von Anfang der 1990er bis 2005 leer und ist seit Juli 2006 ein privat betriebenes Ausflugsziel. Auf nach Borsdorf!

www.ts-museum.de

* siehe zum Minol-Pirol auch unseren Beitrag „Tiere in der Stadt II“ (Juli 2014)
** zuzüglich weiterer zur Panitzscher Trabrennbahn, auf der in den 1950er Jahren ebenfalls Rennen gefahren wurden

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