Weltkrieg in Rückmarsdorf

Rathaus Rückmarsdorf - Ort der Ausstellung

Rathaus Rückmarsdorf – Ort der Ausstellung

Der lokale Bezug macht manches Ereignis erst fassbar, die große Geschichte hat dann auf einmal mit den Nachbarn oder der eigenen Familie zu tun. Gelungenes Beispiel für eine solche Herangehensweise ist die Ausstellung „West-Leipziger im 1. Weltkrieg“, welche bis November 2018 im Rathaus Rückmarsdorf gezeigt wird. Geöffnet ist jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr (5. August, 2. September, 7. Oktober, 4. November).

Zur Schau mit über 200 Fotos, Dokumenten und Objekten erschien in der Edition Leipziger Westen bei der in Böhlitz-Ehrenberg ansässigen Werbeagentur Kolb vor kurzem eine gleichnamige Broschüre. „Der Heimatverein Rückmarsdorf war bestrebt“, heißt es darin, „zu zeigen, auf welche Weise viele Menschen unseres Leipziger Landes in diesen Krieg einbezogen, von ihm betroffen oder direkt geschädigt worden sind.“

Konkret heißt das, dass aus dem damals etwa 750 Einwohner zählenden Dorf an der Merseburger Landstraße 90 bis 100 Männer Armeedienst leisten mussten und mehr als 40 von diesem nicht zurückkehrten. Namen werden genannt, persönliche Schicksale erzählt. Wir lernen den Lehrer Otto Thiele kennen, den Flugpionier Otto Könze sowie den Bäckermeister Kurt Schürer. Ein Böhlitz-Ehrenberger Betrüger wird erwähnt, eine wiederaufgetauchte sächsische Soldtruhe und ein 24-Stunden-Wecker.

Otto Thiele erlebte mit eigenen Augen „zerschmetterte Unterstände, zerborstene Keller und verschüttete Stollen“, er war von 1914 bis 1918 im Krieg und kehrte lebensgefährlich erkrankt zurück. 1919 genesen nahm er den Schuldienst wieder auf, brachte den Handballsport nach Rückmarsdorf und in den 1920er Jahren auch die Jugendweihe. Sogar zum Enstehen des 1929 eingeweihten Rathauses seiner Gemeinde trug er über Initiativen, die ebendiesen Bau beförderten, bei.

Vom Rückmarsdorfer „Rennsteig“ aus unternahmen Otto Könze und Freunde bereits um 1910 Flugversuche. Im Ersten Weltkrieg gehörte Könze dann zu Jagdfliegern der Kaiserlichen Armee und kam dabei auch mit Manfred von Richthofen in Kontakt, dem nach der Farbe seiner Flugzeuge benannten „Roten Baron“. Kurt Schürers Urkunde als „Anerkennung für eine schneidige Kampftat“ ist abgebildet und viele Andenken und Fotos aus der Zeit vor hundert Jahren mehr.

Der obengenannte namenlose Betrüger verkaufte übrigens Amulette zum Schutz vor Verwundungen. In den Leinen- bzw. Lederbeutelen befanden sich Erde vom Bienitz, Karpfenschuppen und Krähenfedern. „Als die Behörden davon erfuhren, wurde ihm dieser Humbug untersagt“, schreiben Jochen Deweß und Dieter Schiwek vom Heimatverein, welcher Neugierigen neben der Ausstellung im Rückmarsdorfer Rathaus auch den Wasserturm auf dem Wachberg sowie das Museum am Kindergarten (An der Teichmühle) öffnet – jeweils am ersten Sonntag im Monat.

www.heimatverein-rückmarsdorf.de

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