Auf Bruno Ermischs Spuren

Grabstätte Ermisch auf dem Connewitzer Friedhof

Grabstätte Ermisch auf dem Connewitzer Friedhof

„Allzeit treu dem Kronen-Bräu“, lautet ein sicherlich über 100 Jahre alter Werbespruch der Kronen-Brauerei Bruno Ermisch aus Leipzig-Connewitz. Die Produktionsstätte befand sich in der Biedermannstraße 40, das Lokal Goldene Krone* in der Wolfgang-Heinze-Straße 39 (vormals Pegauer Straße) – es gehörte, wie der Name schon vermuten lässt und Abbildungen auf historischen Rechnungen und Bierdeckeln bestätigen, zum Unternehmen. Um von der Brauerei in die Goldene Krone zu gelangen oder zurück, musste man einfach nur die Hermannstraße entlanglaufen. Ermischs Brauerei ist seit den 1990er Jahren Geschichte, die Gaststätte im markanten Eckgebäude gibt es heute noch – als Asia Restaurant.

Wie kommen wir darauf? Weil wir letztens ziellos durch den Süden radelten und dabei unvermittelt in der Lippendorfer Straße vor dem Connewitzer Friedhof standen. Mir nichts, dir nichts schlüpften wir durch das geöffnete Tor hinein und spähten die Außenmauern mit Argusaugen nach interessanten Grabstätten ab. Das nämlich haben wir mittlerweile gelernt: Imposant wird es zumeist da. Und plötzlich fiel unser Blick auf die Inschrift „Familie Bruno Ermisch“. Das sagte uns etwas! Und im Herantreten lasen wir Brauerei-Besitzer, verheiratet mit Emilie Ida, geborene Offenhauer** – eine weitere Brauer-Dynastie!

Bruno Ermisch lebte von 1853 bis 1910, sein Sohn Bruno Walter Ermisch von 1879 bis 1949. Beider Name blieb in Verbindung mit Bier aus dem Leipziger Süden bis in die 1990er Jahre präsent. Im Kronen-Logo prangten erst die Initialen EB (Ermisch-Bräu), später dann die Buchstaben KB (Kronen-Bräu).

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Connserve, in der man früher auf jeden Fall Kronen-Bräu kaufen konnte und in der wir uns mit Merkur-Wasser und Croissants versorgten, fuhren wir zufrieden, froh und glücklich nach Hause und durchsuchten die eigenen Beiträge nach Ermisch-Kronen-Bräu-Abbildungen. Etiketten, Bierdeckel, Schilder, Krüge – wir fanden mehr, als wir in Erinnerung gehabt hatten. Der Krug zum Beispiel stand in der inzwischen leider geschlossenen Liebertwolkwitzer Bahnhofskneipe und ein Nachwende-Etikett verweist auf die zeitweilige Zugehörigkeit der Kronen- zur Stadtbrauerei (ehemals Ulrich***).

* siehe Foto in unserem Beitrag „Café in Connewitz“ (Februar 2016)
** siehe dazu unsere Beiträge „Aktenzeichen L.E. ungelöst II und IIa“ (März bzw. Mai 2015)

*** siehe unter anderem unseren Beitrag „Der lachende Mönch“ (März 2014)

Nachtrag: Die „Goldene Krone“, so informierte uns Stefan, ist am 20. Januar 1990 Gründungsort der Deutschen Sozialen Union (DSU) gewesen. Die DSU galt seinerzeit als sächsische Variante der bayrischen CSU. Bekanntes Kurzzeit-Mitglied war Peter-Michael Diestel, der letzte Innenminister der DDR.

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