Buntgarnbrücke bald weg

Diese Brücke muss es sein

Diese Brücke muss es sein

Am 10. April gab das Dezernat Stadtentwicklung und Bau bekannt, dass die Brücke der ehemaligen Buntgarnwerke (www.buntgarnwerke.de) über die Weiße Elster nicht mehr lang zu sehen sein wird: „Die von der Nonnenstraße aus zugängliche, in Privatbesitz befindliche Brücke über die Weiße Elster auf dem Gelände der ehemaligen Buntgarnwerke wird bald ein Stück Vergangenheit sein. Sie muss aufgrund ihres Bauzustandes abgerissen werden. Die 1907 errichtete Brücke war ursprünglich Teil des Eisenbahnanschlusses der Buntgarnwerke.

Über sie konnte das auf Schleußiger Seite gelegene Werksgelände erreicht werden. Nach der Einstellung des Eisenbahnverkehrs diente sie als Fußgängerbrücke. Seit längerer Zeit war sie gesperrt. Um eine Gefährdung des Bootsverkehrs auf der Weißen Elster durch herabfallende Teile zu vermeiden, veranlasste einer der Eigentümer die Anbringung von Schutznetzen. Ein Bauzustandsgutachten und eine Kostenberechnung durch ein unabhängiges Büro ergaben, dass eine Sanierung der Brücke für die Eigentümer unzumutbar ist. Ein baldiger Abbruch der Eisenbahnbrücke ist unumgänglich.“

Wir sind 2005 mit einem Herold-Boot (www.bootsverleih-herold.de) mal dort entlanggefahren und haben gleich die Bilder rausgesucht. Außerdem kramten wir die 1990 erschienene Broschüre „Leipzig-Südwest – Aus der Geschichte eines Stadtbezirkes“ hervor, in der sich u.a. eine Kleine Ortschronik von Plagwitz befindet (die Broschüre gibt’s für 3 Euro in der Verlagsbuchhandlung Bachmann im Alten Rathaus immer noch zu kaufen). Und wir lasen: „1875 Gründung der Fa. Tittel & Krüger, Dampffärberei für Wollgarne (heute VEB Buntgarnwerke)“ sowie „1987 Einweihung des Brunnens auf dem Rathausvorplatz als Geschenk der VEB Buntgarnwerke“. Mit dem Rathausvorplatz ist der des ehemaligen Plagwitzer Rathauses an der Weißenfelser, Ecke Alte Straße gemeint.

Zum mittlerweile sanierten Rathaus fanden wir am 29.12.2013 auf www.dima-immobilien.de ein Vermietungsangebot: „Dieses wunderschöne Denkmal, erbaut 1883 von den Architekten Pfeifer und Händel, befindet sich im Herzen von Plagwitz. Wenige Minuten zum Kanal, zum Park, zum Leben und zur Kunst. Direkt vor dem Gebäude befindet sich der Plagwitzer Markt mit schattigen Bäume“(n) – und dem steinernen Ring des erwähnten Brunnens.

Aus den Buntgarnwerken in der Nonnenstraße sendete jahrelang das Jugendradio NRJ Sachsen (www.energy.de/sachsen), das heute gemeinsam mit Radio PSR und der Oldie-Station RSA am Markt mit Blick zur Thomaskirche sitzt. Der MDR wiederum brachte einige Zeit Moderatoren, Gäste und Publikum seiner Fernseh-Talkshow „Riverboat“ im eigens dafür errichteten Riverboat zwischen Nonnenstraße und Erich-Zeigner-Allee zusammen (heute www.musifa.de).

Schließlich zitieren wir noch eines unserer Lieblingsbücher, „Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“, in dem es über Plagwitz heißt: „Insbesondere die teils großartigen Industriebauten prägen das architektonische Milieu dieses Stadtteils. Angeführt wird diese stolze Flotte von dem imposanten, malerisch am Ufer der Elster gelegenen Komplex der Buntgarnwerke, 1879-1888 als Sächsische Wollgarnfabrik Tittel & Krüger erbaut, sowie durch Fritz Högers subtile Konsumzentrale in der Industriestraße 85-95.“

Letztgenannte Konsumzentrale übrigens war das Dienstquartier der MDR-„Tatort“-Kommissare Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke). Siehe auch unseren Beitrag „Wo Keppler wohnt“ (Februar 2012).

Nachtrag: „In Plagwitz hat am Sonnabend der Abriss der Eisenbahnbrücke begonnen, die die Weiße Elster zwischen den aufwändig restaurierten Gebäuden der ehemaligen Buntgarnwerke überspannt. … Eine Initiative hatte sich die Rettung auf die Fahne geschrieben, aber nicht genug Geldgeber gefunden (…). Die Konstruktion wurde zu Karl Heines Zeiten für die Buntgarnwerke errichtet, um Kohle für das Heizhaus und wahrscheinlich auch das Material für die Produktion zu transportieren.“ (LVZ am 04.03.2013, einem Montag)

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