Pelze vom Brühl

Pelze in der Georg-Schumann-Straße

Pelze in der Georg-Schumann-Straße

Im 1973 erschienenen Buch „Leipzig“ von Herbert Lachmann und Ferdinand May entdeckten wir etwas inzwischen Vergessenes: „Der Brühl bekam sein ganz neues Gesicht. Aber trotz der neuen Wohnblocks behält (er) seine seit Jahrhunderten traditionell gewordene Funktion, Zentrum des Pelzhandels zu sein. Da steht das zehnstöckige Interpelz-Handelshaus. Unser Außenhandelsunternehmen und die Leitung der Rauchwarenwirtschaft, sie amtieren hier; auch wird das Gebäude zugleich als Messehaus für Rauchwaren verwendet.“

In Waltraud Volks „Leipzig – Historische Straßen und Plätze heute“ von 1979 wird das Interpelz-Handelshaus als Hochhaus Brühlpelz bezeichnet. Vor dem gab es in unserer Kindheit Kunst am Bau, welche an kandierte Erdnüsse erinnerte. Hat da noch jemand ein Bild? Im erwähnten Buch auf Seite 83 (rechts oben) befindet sich zwar eins, darauf aber verschwinden die „Cashew-Kerne“ leider im Schatten.

Ebenfalls in „Leipzig – Historische Straßen und Plätze heute“ können wir folgendes Brühl-Zitat aus einem Reiseführer von 1930 lesen: „Ein Pelzgeschäft liegt neben und über dem anderen, Lastauto nach Lastauto werden mit Pelzen beladen … Bei schönem Wetter werden trotz aller Privatkontore die Verhandlungen mit in- und ausländischen Geschäftsfreunden auf der Straße geführt. Die Straße ist, besonders charakteristisch an der Ecke Nikolaistraße, gewissermaßen zur Rauchwarenbörse unter freiem Himmel geworden.“

An dieser Ecke war bis zum Anfang der 1990er der Brühlpelz-Fuchs als Leuchtwerbungs-Logo zu sehen. Wir haben da noch ein Foto, auch eins vom Sporthaus am Brühl (an dessen einstigem Standort im Augenblick die Höfe am Brühl in den Himmel wachsen; eine Weile gab es hier eine McDonalds-Filiale sowie eine von dm) und eins von einem ehemaligen Pelzgeschäft in der Georg-Schumann-Straße. Und in der Kochstraße 70, im Leipziger Süden, entdeckten wir doch tatsächlich ein noch existierendes Geschäft: Pelz Bönisch.

Am Brühl 74, nahe der Goethestraße, steht das ehemalige Geschäftshaus der Gebrüder Assuschkewitz. Es ist stark anzunehmen, dass diese Pelzhändler gewesen sind. Zum einen wegen des Standortes am Brühl, zum anderen wegen des Bauschmucks, der Pelz- und erlegte Tiere zeigt. Ein Eichhörnchen ziert übrigens auch ein Haus in der ruhigen Ritterstraße, kurz vorm Strohsack.

Und vorn, in Oelßners Hof, welcher sich von der Ritter- bis zur Nikolaistraße zieht, wird gerade gearbeitet. Die LVZ schrieb am 23. März 2012: „Sanierung der letzten historischen Passage in der City beginnt“. Außerdem erfahren wir in Sachen Pelze von „Rampen im Hof, über welche einst die Pelzhändler Abraham London und Mirhan Allalemdjian ihre Waren ein- und ausluden“, und dass das Münchner Unternehmen Baywobau in diesem Jahr mit der Rekonstruktion der historischen Häuser Brühl 56, 58 und 60 beginnen wolle (Lokalteil, „Oelßners Hof wird wachgeküsst“).

Im formidablen Buch „Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“ lesen wir über Oelßners Hof: „Das stattliche Pelzgewerbehaus wurde 1907/08 durch den Leipziger Architekten Max Pommer errichtet.“

Nachtrag:Interpelz-Haus am Brühl wird neues Hotel“ meldet die Leipziger Volkszeitung am 27.08.2014 und führt aus: „Die Stadtbau AG hat sich soeben entschieden, aus dem zehngeschossigen früheren Interpelz-Haus ein Hotel (176 Zimmer, international tätiger Betreiber, kein Billiganbieter) zu zaubern.“

Einen Tag später schreibt das Blatt über Oelßners Hof: „Nach vielen Jahren des nahezu kompletten Leerstands hat soeben der erste Laden in dem historischen Handelshof geöffnet: Es ist das Schuhgeschäft ‚Giorgina‘ …“ sowie „Vor zehn Jahren hatte die Familie von Claus Sauter, Vorstandsvorsitzender des Biokraftstoffherstellers Verbio AG, die völlig heruntergekommene Immobilie vom Bund gekauft. Seitdem steckte er 30 Millionen Euro in das Projekt … In den obersten Etagen entstehen … 31 Maisonette-Wohnungen … sowie vier riesige Penthouse-Suiten.“

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