Vor fast 90 Jahren widmete sich der Zwickauer Heimatbogen dem Fluss, der sehr oft in einem Atemzug mit Leipzig genannt wird und gab das Sonderheft „Die junge Pleiße“ heraus. In Ebersbrunn bei Zwickau entspringt sie, in Leipzig fließt die Pleiße dann in die Elster. Wir zitieren den Heimatbogen:
„Wie die Quelle dem Kinde so gleicht der Fluß dem erwachsenen Menschen. Nur die großen Flüsse haben Ursprung und Mündung, die aller Welt bekannt sind … Unser Heimatfluß gehört weder zu den Schicksalsströmen des Landes, noch zu den völlig Unbeachteten. Er führt ein stilles, bescheidenes Dasein, trägt nicht Flöße* und Schiffe, hat sich aber auf jeder guten Karte einen Namen gesichert. Die Pleiße hat ihre Bestimmung redlich erfüllt, treibt Mühlen und Maschinen, hilft färben und gerben, walken und bleichen und barg einst viele, viele Fische.
Ihr Tal ist von Häuserreihen in Dorf und Stadt ohne Unterbrechung umsäumt. Sie wird am Ende ihres Laufes in Leipzig ein gar gewichtiges Wasser, auf dem Stechkähne mit Musik dahingleiten, das sich mitten durch den Stadtkern wagt, an der stolzen Pleißenburg vorüber zum Zoo hinein. Sie gibt dem Rosental Reiz und Romantik, grüßt den Scherbelberg, wird mählich müde, um sich plötzlich für das letzte Kilometer aufzuraffen zu einem starken Sterben in der Weißen Elster.“
Heute mündet die Pleiße schon am Leipziger Eck nahe der Pferderennbahn in die Elster (Elsterflutbett) und ist damit als selbständiges Gewässer verschwunden, ihr ehemaliger Verlauf in Zoo und Rosental wird von der Parthe genutzt. Früher, z.B. in den Stadtplänen von 1884 oder 1940 (als Nachdrucke erhältlich), zog die Pleiße am Reichsgericht und der Pleißenburg vorbei, den westlichen Ring entlang, über den Fleischer- und den Schulplatz in die Rosentalgasse und von dort ins Rosental und den Zoo, an dessen Eingangsbereich sie sich die Parthe einverleibte. Erst hinterm Scherbelberg wurden dann die Wasser der Pleiße von der Elster aufgenommen. Inzwischen ist die Pleiße kürzer und die Parthe länger.
Zurück zum Zwickauer Heimatbogen, in dem gibt es auch einen Abschnitt „Der Streit um die Quelle“, aus dem wir hier zitieren: „Am 30. August 1931 weihte die Gemeinde Ebersbrunn die Pleißenquelle in einem Heimatfest. Die pflegliche, verkehrsfördernde Hand des Gewerbevereins hatte die Quelle gärtnerisch gestaltet, drei junge Linden gepflanzt, das Brunnenhäuschen mit schlichten Platten umhegt, auf deren vorderster weiß leuchtet Anno 1118 und für den sinnenden Wanderer eine breite Bank von Stein errichtet. Schöner und sicherer konnte der Gewerbeverein die Tatsache, daß die Pleiße im Drei-Linden-Brunnen in Ebersbrunn entspringt nicht befestigen und verbreiten helfen.“ Doch außerhalb von Ebersbrunn freuten sich nicht alle mit.
„Jahrelang wurde ein zäher Streit um die richtige Pleiße geführt. Gewiß gab es manches Beweismittel gegen die in einer Verordnung durch das Ministerium des Innern vom 3. Mai 1915 festgelegten Tatsache, daß die Pleiße in Ebersbrunn entspringt. Da ist zunächst eine Urkunde, die in der reichen Ratsschulbücherei der Stadt Zwickau geborgen ist.
Die klugen Berater Dietrichs I., des Bischofs von Naumburg, setzten mit einem feinen Sinn für die Landschaft (Wasserscheide zwischen Göltzsch und Pleiße und damit zwischen Vogtland und Erzgebirge) im Stiftungsbrief des Zwickauer Domes vom 1. Mai 1118 den Alboldsbrunnen als westlichen Grenzpunkt des Marienkirchengaues fest und legten die weitere Gemarkung an den Ablauf des Brunnens in die Pleiße. Sie ließen also die Streitfrage offen, daß der Ebersbrunner Bach die Pleiße selbst sei … Der Alboldsbrunnen ist der spätere Drei-Linden-Brunnen.“
Der Autor des Heimatbogens erwähnt als weitere Anspruchserheber den Schönfelser Bach, den Stenner Bach und den Lichtentanner Bach (mit den zugehörigen Gemeinden), doch das Ministerium hatte die Sache ja mittlerweile entschieden. Außerdem zählt er die Namensvarianten Plisna, Pleichse, Plexe und Plex auf und verweist auf „achtzig Stimmungsbilder des Pleißenlaufes im Leipziger Heimatmuseum und im Sommerpalais des Altenburger Schlosses“.
Vermutlich ist das Heimat- im Stadtgeschichtlichen Museum aufgegangen. Im Buch „Leipzig und die Leipziger – Leute, Dinge, Sitten, Winke“ (1906) finden sich die Sammlungen des Vereins für die Geschichte Leipzigs mit der Adresse Johannisplatz 8 und das Städtische Museum am Augustusplatz. Ist eins davon gemeint? Oder etwa das Naturkundemuseum am einstigen Schulplatz, das in der 1946 erschienenen Broschüre „Wo ist … in Leipzig“ Naturkundliches Heimatmuseum genannt wird. Thematisch könnte das passen.
Zuguterletzt: Mit Erlebnisgastronomie an der Pleiße, namentlich mit Franz Bastaniers Pleißen-Pfahlbau-Restaurant „Wassergott“ (später „Neu-Helgoland“), angesiedelt in Connewitz, hat sich Katrin vom Blog Leipzig Love in lobenswerter Ausführlichkeit beschäftigt. Wir empfehlen ihre drei Beiträge dazu.
Herzlichen Dank an Kerstin, aus deren unerschöpflicher Schatzkiste wir das Heft „Die junge Pleiße“ bekamen!
* da haben die Macher des Zwickauer Heimatbogens den Leipziger Floßplatz und dessen Geschichte übersehen

