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Geheimnisvolle Sofar Sounds

Geheimnisvolle Sofar Sounds

Sofar Sounds, in London als Alternative zu Live-Musik auf großer Bühne entstanden, ist eine Konzertreihe mit Organisatoren auf der ganzen Welt. Es geht ums Zuhören und die Nähe zwischen Musikern und Publikum. Besuchern, die sich per Mail anmelden, werden drei Bands mit jeweils einem Set von einer halben Stunde geboten, die Adresse der Örtlichkeit (die jedes Mal wechselt) bekommt man erst am Abend zuvor zugeschickt. Das schafft eine besondere Atmosphäre. Wir durften kürzlich in der Spinnerei dabei sein und waren begeistert und neugierig. Mitorganisator Ole gab ohne Murren und Knurren Antworten auf unsere Fragen.

Wie seid Ihr auf Sofar Sounds gekommen? 

Ole: Angefangen hat das Ganze mit Leoni. Sie hatte irgendwann den YouTube-Kanal von Sofar Sounds entdeckt und war hellauf begeistert. Also schrieb sie dem Headquarter in London und fragte, was es braucht, um ein eigenes Team zu starten und das Ganze auch in Leipzig aufzuziehen. Als nächstes hat sie zwei Bands angefragt und einen Termin gesetzt. Währenddessen sind Leoni und ich uns zufällig über den Weg gelaufen. Ich hatte zur selben Zeit mit dem Gedanken gespielt, selbst irgendeine Art von Sessions zu machen, aber nichts Konkretes. So kam Sofar Sounds gerade zu einem guten Zeitpunkt. Leoni und ich haben zusammen eine Location gesucht, gefunden und mit riesiger Motivation das erste Leipziger Sofar Sounds im August 2015 veranstaltet. Mit Amistat und Sam Britain und Radio Los Santos haben wir in einem kleinen Wohnzimmercafé eines Wohnprojektes in Lindenau einen wirklich schönen Abend verbracht. Einer der Besucher auf eben dieser Session war Birk, der bereits in Vancouver für Sofar Sounds gefilmt und ebenfalls schon daran gedacht hatte, Sofar Sounds nach Leipzig zu bringen. Wir waren aber schneller. So hat sich der feste Dreierkern des Teams seit bald zwei Jahren gehalten. Drumherum gibt es ein Netz von Leuten, die uns unterstützen, filmen, recorden, abmischen, Barschichten machen, kochen et cetera. Ohne sie würde das Ganze nicht funktionieren.

Was ist das Ziel? 

Ole: Das weltweite Sofar-Sounds-Konzept spricht ja von „Bringing back the magic of the live music“. Ich denke, wir möchten in Leipzig einfach versuchen, für Musiker, Musikerinnen und Publikum eine Bühne zu schaffen, die gemütlich, intim und im besten Fall eine besondere Art und Weise ist, Live-Musik zu erleben. Wir versuchen, auf große Lichtanlagen und Nebelmaschinen zu verzichten, kleine und besondere Räume zu finden und so zum direkten Zuhören zu animieren. Aber auch für die Musiker und Musikerinnen hoffen wir, dass es so ein vielleicht besonderer Gig wird. Zwischen Publikum und Band sind manchmal nur wenige Zentimeter Platz. Das ist für den einen oder anderen auch eine besondere Situation. Ziel ist es außerdem, Bands zu unterstützen. Da jede Band als Gage kein Geld, sondern einen Live-Mitschnitt von einem ihrer bei uns gespielten Songs bekommt, ist das hoffentlich auch ein guter Support. Selbst so ein Video produzieren zu lassen, ist für eine Band oft ein enormer Kostenaufwand. Ebenfalls können sich Bands, die bei Sofar Sounds Leipzig gespielt haben, in einen Verteiler eintragen und so recht einfach Kontakt mit anderen Sofar-Sounds-Teams auf der ganzen Welt aufnehmen.

Was habt Ihr bereits erlebt?

Ole: Wir hatten glücklicherweise noch nie ein extrem negatives Erlebnis. Irgendwie hat immer alles funktioniert. Einmal hat uns eine Location sehr kurzfristig abgesagt, woraufhin wir zwei Abende lang durch ganz Leipzig geradelt sind und jeden halbwegs gemütlichen Laden gefragt haben, ob wir hier spielen können. War spannend! An einem Abend hatten wir auch mal die Erfurter und Leipziger Rap-Crew Schabernack zu Gast. Die hat spontan mit dem ersten Act des Abends, James Forest, ein Stück gemeinsam improvisiert, wobei James den Refrain mit Gesang vertont hat. Kurzfristige Ausfälle von Technikern oder Kameraleuten haben auch hier und da schon mal für einen kurzzeitigen Herzstillstand gesorgt, und einmal hat unser Moderator auf der Bühne bei einer Technikpanne seine Mutter angerufen und das gesamte Publikum gratulierte ihr mit einem Lied zum Geburtstag. Ein paar schöne Momente bleiben in Erinnerung.

Wie finden die Bands zu Euch und wie das Publikum?

Ole: Am Anfang haben vor allem wir nach Bands gesucht, die aus der Region oder gerade auf Tour durch Leipzig oder Umgebung gekommen sind. Zunehmend sind aber auch Besucher und Gäste auf uns zugekommen und haben uns Bands empfohlen. Dann kamen immer mehr Anfragen auf Facebook und per Mail, so dass wir uns dieses Jahr aufgrund der vielen Anfragen selten noch händeringend durch Bandwebsites pflügen müssen, um jemanden zu finden. Das ist großartig und auch ein schönes Feedback für uns. Inzwischen stehen wir auch in Kontakt mit einigen Labels und Booking-Agenturen. Wer als Besucher zu einem unserer Gigs kommen möchte, muss sich auf sofarsounds.com anmelden. Zur Seite gelangt man auch, wenn man auf unserer Facebook-Seite auf den Button „Registrieren“ klickt. Einfach „Leipzig“ eingeben und für den nächsten Gig anmelden. Dann bekommen die Gäste circa eine Woche vor Beginn eine Mail mit dem Ort und der Uhrzeit zugeschickt. Ziel dieses Anmeldens ist es nicht, bestimmte Leute auszusortieren, sondern lediglich ein bisschen steuern zu können, wie viele Leute kommen. Ein Wohnzimmer hat manchmal nur Platz für 30 Personen und auch eine große Location kann bei Überfüllung an Atmosphäre verlieren. Bei der Anmeldung kann man auch noch +1 Person angeben, die man mitbringt. Es ist schön zu sehen, dass bei jedem Gig gut die Hälfte der Besucher das erste Mal bei uns ist! Da sich für jeden Gig um die 100 Gäste anmelden, bekommen meistens diejenigen einen Platz, die sich zuerst angemeldet haben, die anderen werden dann beim nächsten Event berücksichtigt.

www.facebook.com/leipzigsofar

Nachtrag: Zum ersten Mal von Sofar Sounds hörten wir, als wir letzten Sommer den englischen Musiker Brendan Lewes vor seinem Konzert im Beard Brothers & Sisters trafen. Er hatte von der Ausgabe im Zweieck erzählt – siehe unseren Beitrag „Brendan Lewes in Plagwitz“ vom Juli 2016. Anfang April 2017 in der Spinnerei spielten Cherry Willow aus Berlin und Passepartout aus Hannover, die dritte Band war kurzfristig ausgefallen. Uns erinnerte das Ganze positiv an den Tapetenwechsel (siehe unseren Beitrag „Gute Idee: Tapetenwechsel“ vom Februar 2015), der ebenfalls Live-Musik in ungewöhnlichen Räumen, nämlich privat bewohnten Wohnungen, bietet.