In der Strietzer Pinte

Strietzer Pinte

Strietzer Pinte

Melli und Janet begrüßen ihre Gäste mit Vornamen, in der Strietzer Pinte geht es familiär zu. Nachmittags um drei öffnet dieses „zweite Wohnzimmer“ aller Besucher und füllt sich sofort. Freundliche Männer, vom Studenten bis zum Rentner, nehmen zumeist rund um die Theke Platz. Sie kennen sich, kommen aber auch mit Lokalneulingen schnell und gern ins Gespräch. Zum Feierabendbier oder -kaffee hält so gut wie jede/r eine Zigarette in der Hand. Die Pinte ist eine Raucherkneipe.

Nur die Chefin raucht nicht. Melli hat hier als Aushilfe angefangen. Der im Vorjahr verstorbene Chef Micha bat eines Tages um Unterstützung. Und da Micha nicht nur ein Freund, sondern „der liebste Mensch der Welt“ gewesen ist, wolllte sie nicht nein sagen. Später äußerte Micha den Wunsch, dass sie die Pinte mal weiterführt. Im Dezember übernahm Melli diese Verantwortung, renovierte im Januar – und fuhr kurz vor der Wiedereröffnung mit Blaulicht ins Krankenhaus. Eine Lungenentzündung diagnostizierten die Ärzte und rieten vom weiteren Zigarettenkonsum ab. Bis jetzt hält sich Melli an diesen Rat. Die Eröffnung wurde um eine Woche verschoben.

Seit wann die Pinte zum Rauchen mit Getränk einlädt, kann niemand in der Runde sagen. Es habe vor Micha bereits andere Betreiber gegeben. Man einigt sich auf das Jahr 2000. Davor konnte man in diesem Lokal in der Arnoldstraße 13 französisch und italienisch essen, und ganz früher war das ein Molkereiwarenladen. Mindestens einer der Gäste, ein alter Stötteritzer, hat hier als Kind schon Milch und Käse gekauft. Viele Jahre später zog Melli „der Liebe wegen“ aus Gera nach Leipzig bzw. direkt nach Stötteritz (= Strietz). Bereits ihre Oma war Stötteritzerin gewesen, sagt sie, sei allerdings irgendwann mit Opa zur Wismut nach Gera gegangen.

Janet wiederum, mittlerweile drei, vier Jahre hinterm Tresen aktiv, hatte ursprünglich sonntags in der Pinte einfach nur Zigaretten geholt. Manchmal blieb sie ein Weilchen und schließlich sprang sie ein, wenn Micha und Melli Hilfe brauchten. Heute bilden sie und die Chefin das Strietzer-Pinte-Team – herzlich und souverän. „Wir sind da und wir bleiben da!“, erklären die beiden Frauen.

Jeweils am zweiten Sonnabend im Monat bitten sie zur Ladies Night, zu der auch Männer kommen dürfen, und schenken Cocktails für 2,90 Euro aus. Dann ist offen, bis der oder die Letzte geht, ansonsten in der Woche von 15 bis 23 Uhr, sonnabends ab 14 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Menüs werden übrigens nicht angeboten, lediglich Knabberzeug, denn Essen vertrage sich nicht mit der Raucherei. Und das Rauchen ist den Leuten in der Pinte wichtiger.

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