Lenin in der Russenstraße

Ehem. Iskra-Gedenkstätte, Blick von der Russenstraße

Ehem. Iskra-Gedenkstätte, Blick von der Russenstraße

Nach einem Besuch im Brauhaus Napoleon schlenderten wir mal wieder die grüne, ruhig-schöne Russenstraße entlang. An der Kirche sowie alten und neuen Häusern vorbei spazierten wir zur ehemaligen Iskra-Gedenkstätte. In unserer Kindheit waren wir nie da drin gewesen und im Spätsommer 2014 verpassten wir die Chance hereinzuschauen. Damals wurde das Gebäude noch einmal zugänglich gemacht, hatte sich die Argentinierin Julia Mensch mit dessen Geschichte beschäftigt.

Der 1987er Tourist-Führer „Museen – Galerien, Sammlungen, Gedenkstätten“ wusste über die Russenstraße 48: „Vom Dezember 1900 bis zum Mai 1901 wurden in einer kleinen Druckerei am Stadtrand von Leipzig die ersten fünf Nummern der ‚Iskra‘ gedruckt, der ersten marxistischen Kampfzeitung der russischen Arbeiterbewegung. Um die erste Nummer der Zeitung zu redigieren, war Lenin für ein paar Tage nach Leipzig gekommen. Die originalgetreu eingerichtete Druckerei … bildet den Hauptanziehungspunkt der Gedenkstätte.“

Bereits zu Beginn des Jahres 2014 beschäftigte uns das Thema, fragten wir im Stadtgeschichtlichen Museum nach und erfuhren, dass die Iskra-Gedenkstätte als Immobilie noch der Stadt Leipzig gehörte (sie soll kurz darauf verkauft worden sein) und sich die Ausstellungsobjekte in den Sammlungen des Museums befänden.

Von anderer Seite hörten wir damals, dass die Russenstraße 46 (mal wird die 46, mal die 48 angegeben – die 48 dürfte der Flachbau sein) „vor langer Zeit der Standort eines Gewächshauses und einer kleinen Tischlerei war, vielleicht auch mal eine kleine Druckerei hier ihren Standort hatte, aber niemals Lenin hier war und irgendwelche wichtigen revolutionären Sachen gedruckt hatte. Der Ort wurde für uns ‚arme‘ Junge Pioniere mystifiziert“. Möglich ist das, war doch der Marxismus-Leninismus die Religion der DDR und brauchte, um wie Opium aufs Volk zu wirken, u.a. geeignete Kultstätten.

So oder so möchten wir auf iskra-essay.blogspot.de, die Seite der oben erwähnten Julia Mensch, verweisen. Auf der lesen wir, dass das 1991 geschlossene Museum vor 60 Jahren, nämlich 1956, eröffnet worden war und sehen einige Aufnahmen aus dem allerdings leeren Inneren.

Nachtrag 1: Die Russenstraße trägt ihren Namen nicht wegen Lenins eventuellen Aufenthalts, sondern wegen der Beteiligung seiner Landsleute an der Völkerschlacht von 1813. Und: Gleich hinterm Brauhaus Napoleon befand sich bis 2015 die Löwenbäckerei. Siehe auch unsere Beiträge „Leipziger Löwen“ (Februar 2014) und „Lenin in der Talstraße“ (November 2012).

Nachtrag 2: Wir haben extra für Euch eine Ansichtskarte aus den 1980er Jahren ersteigert, siehe unten.

Nachtrag 3: Im Artikel „Löwe an der Wand (Teil 2)“ auf wortblende ist von einer Leninschen Deckadresse die Rede. Es handelt sich um die Marktstraße 6 in Leipzig-Neustadt (mittlerweile Meißner Straße 13; ehemalige Gaststätte „Goldener Löwe“) und die Jahre 1903-05.

Nachtrag 4: In einer Pressemitteilung des Stadtgeschichtlichen Museums vom 19.07.2017 zum Thema 40 Jahre Sportmuseum findet sich folgendes Detail: „Fünf Jahre lang zog die wachsende Sammlung von Interim zu Interim; die historischen Sportgeräte mussten zeitweise in konservatorisch ungeeigneten Räumen wie im Torhaus Dölitz, in der ehemaligen ‚Iskra‘-Gedenkstätte in Probstheida oder im Kellerbereich der ehemaligen DHfK untergebracht werden.“ Das war in den 1990er Jahren.

,

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen