Ein Stausee ohne Wasser

Kein Wasser

Kein Wasser

In der 9. Auflage des Falk-Stadtplans für Leipzig, die um die Jahrtausendwende erschienen sein muss, ist der Elsterstausee noch blau eingezeichnet – also mit Wasser. Der benachbarte Cospudener See befand sich „in Flutung“, der Markkleeberger See war „geplant“ und statt des Zwenkauer Sees ist der Tagebau Zwenkau vermerkt. Ende März radelte unser Freund Uwe zum Fotografieren an den seit ein, zwei (oder drei?) Jahren wasserlosen Stausee bei Knauthain bzw. Hartmannsdorf, um diese Bilder zu machen. Danke, Uwe!

Der Elsterstausee geriet im Jubel ums Neuseenland, dessen erster und alleiniger Bestandteil er für Jahrzehnte gewesen ist, auch wenn das Neuseenland damals noch nicht so genannt wurde, aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Trotz des tapfer-aktiven Fördervereins zum Erhalt des Elsterstausees (www.elsterstausee.de) sieht es im Augenblick nicht gut für ihn aus.

Wenn Ihr darum mal wieder am großen Cospudener See seid, macht wenigstens einen Solidaritäts-Abstecher rüber zum kleinen und älteren Bruder und besucht den immer noch präsenten Imbiss, betrachtet das romantische Seglerheim sowie die Steganlagen, die eigenartig im Trockenen ausharren. Der nahe Vergnügungspark Belantis übrigens – man sieht seine Pyramide vom Stausee aus – wurde auf Teilgebieten des einstigen Gewässers angesiedelt.

Die Broschüre „Leipzig-Südwest – Aus der Geschichte eines Stadtbezirkes“ plaudert 1990 über den Elsterstausee: „Dieser bei Wanderern und Wassersportlern heute so beliebte Ort ist erst in den Jahren von 1933 bis 1935 entstanden. Seit die Kohlebagger gegen die Stadt vorrücken, ist auch der Vorrat an Romantik deutlich abgebaut worden … Fern liegt die Stadt mit ihren Türmen, und auf die schmale Scheidewand zwischen See und Grube (gemeint ist der Tagebau) haben die Fischer der Genossenschaft ihr neues Haus gebaut.“

Laut Kleiner Ortschronik von Knauthain in der genannten Publikation eröffnete 1950 eine Gaststätte am Stausee und wurden 1976-80 die Weiße Elster aus Gründen des Hochwasserschutzes verlegt sowie das Elsterhochflutbett gebaut. Kurios und den Leuten vor Ort bekannt ist, dass der Bahnhof Knauthain (1873 eröffnet) in Knautkleeberg steht. Diesen Bahnhof, den wir aus unserer Kindheit kennen, haben wir inzwischen für unsere Serie „Verlassene Bahnhöfe“ aufgesucht und fotografiert.

www.seglerverein.de/vereinshistorie

Nachtrag I: In der LVZ vom 02.03.2013 werden jährliche Kosten von 30.000 Euro genannt, wenn Wasser in den See gepumpt werden würde. Das sei laut Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal grundsätzlich möglich, aber zu teuer.

Nachtrag II: Eine Woche vor der sächsischen Landtagswahl, am 25.08.2014, meldet die LVZ „Umweltminister entdeckt sein Herz für den Elsterstausee“ und schreibt: „8000 Leipziger forderten die Stadtverwaltung schon auf, den Elsterstausee zu retten. Jetzt hat der Förderverein einen prominenten Unterstützer hinzu gewonnen: Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (52, CDU) will sich ebenfalls für den Erhalt stark machen. Das kündigte er gestern bei einem Vor-Ort-Besuch an. ‚Meine Behörde wird prüfen, inwieweit sich der See in das Hochwasserschutzkonzept einbinden lässt‘, sagte der Minister … Für den Herbst hatte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) eine Grundsatzentscheidung des Stadtrates zum See angekündigt. Allerdings war ein für das erste Halbjahr geplanter Arbeitsgruppen-Termin schon ausgefallen.“ Wir erwarten in dieser Sache nicht viel, weder von der Stadtverwaltung noch von der Landesregierung.

Nachtrag III: Am 18.08.2015 heißt es in der LVZ: „Das Schicksal des vertrockneten Elsterstausees bleibt nach wie vor ungewiss.“ Ein weiteres Gutachten solle erstellt werden, das möchte die Landesdirektion Leipzig, der verlängerte Arm der Landesregierung.

Nachtrag IV: „Für den Elsterstausee in Leipzigs Südwesten wird die Entwicklung zu einem land- und forstwirtschaftlich geprägten Naturraum angestrebt“, teilt das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig am 06.03.2017 der Presse mit. Dessen Leiter Heiko Rosenthal wird wie folgt zitiert: „Die Entscheidung, den ehemaligen Elsterstausee letztendlich als Gewässer aufzugeben, beruht vor allem darauf, dass die Stauanlage, die in den 1930er Jahren errichtet wurde, nicht mehr dem heute gültigen technischen Regelwerk (DIN 19700) entspricht. Die Landesdirektion Sachsen hatte bereits klargestellt, dass sie unter den derzeit gegebenen Bedingungen keine Genehmigung zum Befüllen des Stausees erteilen wird.“ Zumindest wissen wir jetzt offiziell, was los ist, und lachen im Nachhinein noch einmal über Frank Kupfers Wahlkampf-Gag von 2014 (siehe Nachtrag II) und die ganzen Gutachten.

Nachtrag V: „Stadtrat besiegelt endgültiges Aus für ehemaliges Gewässer“, lesen wir in der LVZ vom 18.04.2017 über den Elsterstausee. „Geplant ist, Teilflächen zu beweiden, andere der Natur selbst zu überlassen.“ Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal prognostiziere die Kosten für die künftige Entwicklung des Areals dennoch auf etwa zwei Millionen Euro. Zwei Millionen – ins Verhältnis gesetzt zu seiner Aussage vom März 2013 (siehe Nachtrag I), hätten wir den Elsterstausee also 66 Jahre weiterbetreiben können. Damals war es ja noch „möglich“ gewesen, aber zu teuer …

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