Rund um den Auensee

Parkeisenbahner (Foto: Philipp Seitz)

Parkeisenbahner (Foto: Philipp Seitz)

Als es letztes Wochenende so heiß war, spazierten wir durch den vergleichsweise kühlen Auewald*. Ein Freund hatte diesen Wandertag vor einem Jahr als Junggesellenabschied – ohne Geschrei, lustige Klamotten und Passantenbelästigung – initiiert und wollte ihn nun wiederholen. Es hatte ihm so gut gefallen. Wir waren ohne Umstände wieder dabei, die Frauen ließen uns gewähren.

Los ging’s an der Nathanaelkirche, gleich beim Lindenauer Markt. Dann liefen wir am Charlottenhof und den Friesengärten vorbei in Richtung Waldluft. Dort kamen die ersten Biere und roten Limos auf den Tisch, während die zahlenmäßig stärkere Seniorengruppe nebenan freundlich der Leipziger Getränkespezialität Gose zusprach – mit und ohne Zusatzstoffen.

Letztes Jahr hatten wir hier keinen Platz mehr gefunden und dann im vielleicht 200 Meter entfernten Reiterhof Lukas gegessen. Diesmal waren wir früher da und darum noch satt vom Frühstück. Nach der Erfrischung schritten wir unter schattenspendenden Bäumen wacker aus in Richtung Auensee – unter der Bahnlinie hindurch und an der Nahle entlang.

Das nächste Getränkeziel hieß Haus am See, wie der Name schon sagt: ein Haus am See. Hier herrscht Selbstbedienung, gibt es wie in der Kindheit Bockwurst mit diagonal halbierter Toastbrotscheibe. Man sitzt im Schatten am Wasser, beobachtet Vögel und Leute und sieht den Ausleihbooten und Wassertretern beim Schaukeln auf kleinen Wellen zu.

In unmittelbarer Nähe hält die Parkeisenbahn, an einer Station namens Haus am See. An der hatte es vor Jahren den berühmten Indianerüberfall auf ebenjene Eisenbahn gegeben, einen Erwachsenenspaß zum Kindertag (1. Juni), den man sich bis heute auf YouTube zu Gemüte führen kann. Irokesen und verbündete Lendenschurzträger hielten sich damals hinterm Luppedamm versteckt und attackierten dann die in die Waggons der Kleinbahn geschmuggelten Cowboys mit Geschrei und Geheul, mit Pfeil und Bogen. Die Bevölkerung kam nicht zu Schaden.

Wir sprachen darüber, was dazu führte, dass wir den Bahnhof Auensee ansteuerten, um zum Teil erstmals wieder seit Jahren und zum anderen Teil erstmals überhaupt (!) mit der Parkeisenbahn zu fahren. Die Dampflok wurde gerade angehangen, es gab noch einmal Bier und Limo – und ab ging die Fuhre! In circa zehn Minuten rund um den Auensee, vorbei an beschrankten Übergängen, der alten Jugendherberge, dem Haus am See, dem schattigen Parkplatz und dem (Konzert-)Haus Auensee.

Philipp hat schöne Fotos geschossen und auf seiner Seite tracktate.wordpress.com auch den Link zum Überfall-Video gesetzt. Wir können Wald, See, Bahn und Philipps Seite nur empfehlen! Wer den Film selbst suchen möchte, googelt Indianerüberfall auf Eisenbahn (Auensee Leipzig).

* siehe die Einleitung unseres Beitrags „Leipziger Grün IV“

PS: Erwähnt wurde dieser Artikel auch auf Tracktate (Seid bereit! Immer bereit!), verbunden mit weiteren Bildern und einem Video. Danke dafür!

Nachtrag am 03.09.2014: In der LVZ-Serie „So war das damals …“ erinnert sich der Reichsbahner Gerhard Pierel (1940 geboren, aufgewachsen in Möckern) an seine Kindheit: „Im Jahr 1950 wanderten alle Kinder unserer Schule an den Auensee zur Grundsteinlegung für die damalige Pioniereisenbahn … Die … wurde dann 1951 eröffnet und etwa ein Jahr später bin ich diese Arbeitsgemeinschaft eingetreten. Die heutige Parkeisenbahn fährt mit einer Dampflokomotive und vier Wagen mit je 16 Sitzplätzen rund um den Auensee, die Streckenlänge beträgt 1,9 Kilometer … Drei Erwachsene (Betriebsleiter, Betriebsüberwacher und Lokomotivführer) waren von der Deutschen Reichsbahn freigestellt und mit der Leitung beauftragt.“

Im „Wahrener Geschichtsbuch“ (2014, Bürgerverein Möckern-Wahren) fährt schon im 1913 eröffneten Luna-Park der Luna-Expreß, „ein Vorläufer der heutigen Park-Eisenbahn … Stationen waren die Sternburgschenke und das Hauptrestaurant“. Erstaunlich auch das: „… im Januar 1932 gibt die Luna-Parkgesellschaft auf. Die Eisenbahn fuhr noch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, das Hauptrestaurant wurde extra betrieben, es erhielt etwa 1936/37 den Namen Haus Auensee.“

Nachtrag am 21.03. 2016: Das Amt für Stadtgrün und Gewässer informierte heute darüber, dass die Parkeisenbahn am 25. März in ihre Jubiläumssaison startet. „Die Liliput-Lokomotive, Baujahr 1925, ist seit Gründung der Pioniereisenbahn am 5. August 1951 auf den Schienen und dreht somit das 65. Jahr die knapp zwei Kilometer lange Runde um den Auensee.“

Nachtrag am 03.08.2016: Pressemitteilung aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer: „Am Wochenende wird der 65. Geburtstag der Parkeisenbahn am Auensee gefeiert. Der Eröffnung durch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal am Samstag, 10 Uhr, schließt sich ein großes Familienfest mit vielen kulturellen und kulinarischen Überraschungen an. Ein Highlight wird der Einsatz der Schwesterdampflok aus dem Großen Garten in Dresden sein. Gemeinsam mit der baugleichen Leipziger Lokomotive wird sie an diesem Wochenende ihre Runden um den Auensee drehen. Die kleine Bahn mit der markanten Liliput-Dampflok, Baujahr 1925, ist längst ein Stück Kulturgut im öffentlichen Leipziger Grün. Gegründet wurde die Parkeisenbahn im August 1951 als Pioniereisenbahn. Seitdem dreht sie unermüdlich und zur großen Freude von Alt und Jung ihre Runden um den Auensee.“

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