Volkmarsdorfer Ruinen III

Feinbäckerei und STOP Haus bewohnt!, Zollikoferstraße, 1987

Feinbäckerei und STOP Haus bewohnt!, Zollikoferstraße, 1987

(A.H.) Unser Mitstreiter Andreas hat zur ehemaligen Bäckerei in der Zollikoferstraße recherchiert. Wir staunen mit offenen Mündern über das von ihm Zusammengetragene und machen es hiermit öffentlich: Vollkornbrot für Volkmarsdorf – Eine Zeitreise durch die Backstube der Zollikoferstraße 16.

Nachfolgender Artikel basiert auf der Annahme, dass die nebenstehende Abbildung das Gebäude Zollikoferstraße 16 wiedergibt, wofür die Autoren von Bild und Text aber keinesfalls den Finger auf die Stolle legen können. Gewissheit besteht allerdings in der Wiedergabe der historischen Fakten, welche Ihr hier, cremig umrahmt von einer Portion Fantasie, zu lesen bekommt.

Muffige Ausdünstungen von moderndem Mauerwerk lagen 1987 in der Luft, als ein Leipziger Lichtbildner die letzten Überreste einer kleinen Bäckerei auf Zelluloid bannte. Vorbei war die Zeit, als in den frühen Morgenstunden ein fast süchtig machendes Bouquet von frisch gebackenen Brötchen durch die Zollikoferstraße waberte.

Für die ehemalige Feinbäckerei Kurt Zäbisch war der Zimtstern bedrohlich gesunken, nur die Fassade im Blätterteig-Style und der Schriftzug über den hölzernen Rollläden kündeten vom kulinarischen Gestern. Schon 1957 wird die Bäckerei nicht mehr im Branchenfernsprechbuch erwähnt. Sie wurde wohl irgendwann nach 1949 geschlossen, die Fragmente der der ehemaligen Nutzung entsprechenden „Aufbrezelung“ der Fassade, welche auf dem Bild erkennbar sind, können zum Zeitpunkt der Aufnahme über 50 Jahre alt gewesen sein.

Bäckermeister Zäbisch schwang hier nämlich nicht sehr lange seine mehlbehaftete Teigrolle. Erst 1941 hatte er Gelegenheit, die Volkmarsdorfer Volksgenossen durch das Setzen der branchenüblichen Duftmarken zum Aufsuchen besagten Etablissements zu verleiten. Seinem Vorgänger W. Peterhänsel war dort auch nur ein kurzes Wirken als Süßkram-Designer beschieden. Ab 1933, dem Jahr der Machtergreifung, ergriff auch besagter Peterhänsel die Befehlsgewalt, allerdings nur über die Kuchenbleche und die für gerade mal sieben Jahre.

Zuvor knetete R. Zuleeg von 1929 bis 1933 gegen den Hunger im Viertel an, nachdem Meister Schwartze vom Blick in die Backröhre genug gehabt hatte. Kein Wunder, letzterer hatte sich von 1913 an in der Zollikoferstraße immerhin 15 lange Jahre als Semmelmasseur betätigt. Und das mit Erfolg, denn nach sechs Jahren Regentschaft als Weißmehlkönig im Mietverhältnis übernahm Herr Schwartze 1921 das ganze Domizil von der damaligen Besitzerin Frau Linden. Davor gab der Bäcker A. Exner 1913 ein Jahr lang den Brötchenknecht und von 1911 bis 1912 formten die Hände von H. Schmidt die Brotlaibe.

Bis 1911 trug das Haus die Nr. 27, da bis dahin die alte Volkmarsdorfer Nummerierung von der Torgauer Straße aus in Richtung Kirchstraße (heute Hermann-Liebmann-Straße) bestand, die ungeraden Hausnummern sich also auf der Südseite der Straße befanden. Nach der Eingemeindung von Volkmarsdorf wurde aber erst 1912 in der Zollikoferstraße wie üblich vom Stadtzentrum weg nummeriert, also von der Kirchstraße in Richtung Torgauer Straße. Somit erhielt nun die Nordseite die ungeraden Nummern), während der Südseite, und damit unserem hier skizzierten Gebäude, gerade Hausnummern verpasst wurden.

Ebenfalls als Mieter des Brot-und-Brötchen-Etablissement trat 1910 Herr O. Vorwieger in Erscheinung, welcher sich aber seine magere Back-Apanage mit dem Hausmeisterposten vor Ort aufbesserte. Sein Vorgänger A. Franke konnte sich 1909 auch nur ein Jahr lang im Kampf um die Bemmenversorgung in der Zollikoferstraße behaupten. 1907 und 1908 hatte O. Spalteholz neben der Bäckermütze auch den Hut als Hauseigentümer auf.

Die Zollikoferstraße erhielt ihren Namen 1908 nach Georg Joachim Zollikofer, dem 1788 verstorbenen Prediger der reformierten Gemeinde. Zuvor trug sie in Volkmarsdorf die Bezeichnung Wilhelmstraße, benannt nach Wilhelm, einem Sohn des Grafen Ewald von Kleist, seines Zeichens letzter Besitzer des Volkmarsdorfer Berggutes. Ausschlaggebend für die Umbenennung war die Erhaltung des Straßennamens Wilhelmstraße in Gohlis, der heutigen Prellerstraße.

Zurück zum Brot: Als Bäcker und Hausbesitzer trat von 1899 bis 1904 F.C.H. Große in Erscheinung, ebenfalls in dieser Doppelfunktion wirkte E. Grüneberger von 1890 bis 1898 und schließlich K.H. Nebe 1888. Mangels momentan nicht vorhandener älterer Quellen muss die Reise in die Laufbahn der Zollikoferschen Knusperkarriere vorerst nebulös bleiben und hier leider enden.

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