Ein Film übers Astoria

Kochlehrlinge beim Zerlegen eines Hais im Astoria, Foto: Archiv JR

Kochlehrlinge beim Zerlegen eines Hais im Astoria, Foto: Archiv JR

Über eine Leipziger Filmemacherin und ihr nächstes Projekt informierte uns Filmfreund Jens, der einst Kochlehrling im Hotel Astoria gewesen ist. Tausend Dank! Jens schreibt: „Als es 1915 eröffnet wurde, war das Astoria Leipzig die feinste Nobelherberge. Ufa-Stars wie Olga Tschechowa, Hans Albers und Johannes Heesters logierten hier.

Für mich war es mehr als nur ein Arbeitsplatz. Zu DDR-Zeiten konnten bis zu 470 Gäste in den luxuriösen Zimmern schlafen, und zweimal im Jahr, zur Leipziger Messe herrschte Ausnahmezustand, denn dann war dieses Haus der DDR-Regierung vorbehalten. Es waren auch die Zeiten der Pelz- und Broiler-Klause, die Zeiten von Cabinet, der beliebten DDR-Zigarettenmarke (3,20 Mark), die Zeitspanne der klassischen, exotischen Suppen wie Schildkröten-, Känguru- und der Haifischflossensuppe.

Damals vergnügten sich hier am Hauptbahnhof nicht nur Top-Manager aus dem Westen, sondern aus der ganzen Welt, Aber auch Fußballstars, Spione, Prostituierte und prominente Künstler beherbergte das Luxus-Hotel. Und Horch & Guck, sprich die Stasi, hatte alles fest im Blick. Während sie ihre leichten Damen an den Bars platzierten, hörten die Genossen im Keller eifrig mit. Dieses geschichtsträchtige Gebäude und spätere Interhotel diente aber auch als Filmkulisse und Drehort, erinnert sei an den Kriminalfilm der DEFA Schwarzer Samt aus dem Jahr 1964.

Seit August 2018 wird der denkmalgeschützte Bau nach über 20 Jahren Dornröschenschlaf endlich, saniert. Und wenn alles gut läuft, soll das Hotel Astoria Ende 2020 erneut seine Pforten öffnen. Dann soll man eine großzügige Lobby, ein Restaurant samt Freisitz, fünf Ballsäle, sechs Konferenzräume sowie ein Spa im ersten Untergeschoss vorfinden.

Die in Leipzig lebende Filmemacherin Alina Cyranek bereitet seit vier Jahren das Filmprojekt ‚Hotel Astoria‘ vor. Was dieses Projekt so einzigartig macht, ist der exklusive Zugang zu Originalquellen inklusive eines starken Bezugs zu Zeitzeugen. Historische Originalaufnahmen inklusive letztem Bildmaterial des Hauses vor Beginn der Sanierung 2018 sind weitere Alleinstellungsmerkmale dieser Produktion.

Dafür suchte die gebürtige Polin Fotos und Erinnerungsstücke aller Art, Anekdoten, Begegnungen, Eindrücke, sichtete tausende Aktenseiten, die zum Hotel in der Behörde für Stasi-Unterlagen (BStU) liegen, führte unzählige Gespräche, so auch mit mir – denn ich absolvierte in diesem Hause während meiner Lehrzeit die Lehrunterweisung, eine Art berufspraktischen Unterrichts.

Die Mitteldeutsche Medienförderung hat Alina Cyranek Fördermittel für die Projektentwicklung bewilligt. Entstehen sollen ein animierter Dokumentarfilm über das Hotelleben in der Vorwendezeit und eine Virtual Reality (VR), in der man u.a. die ehemalige Nachtbar im Jahr 1986 wieder erleben kann. Das Vorhaben verwirklicht die Filmemacherin gemeinsam mit dem Animationskünstler Falk Schuster aus Halle, für die Virtual Reality werden sie vom Leipziger Studio blendFX unterstützt.

Die Fertigstellung ist für den Mai 2020 geplant, wo die Premiere stattfinden wird, steht noch nicht fest. Der Film fängt nicht nur das Flair des Hauses Mitte der achtziger Jahre ein, er bemüht sich auch die vielen Zwischentöne – von humorvoll über absurd bis hin zu erschütternd real – zu zeigen. Alina Cyranek möchte mit ihrem Team diesen sagenumwobenen Ort wiederaufleben und einem breiten Publikum zugänglich machen, ohne ihm dem Stempel der DDR-Vergangenheit aufzudrücken.“

siehe auch unseren Beitrag „Wie die Hotels früher hießen“ (Dezember 2012)

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