Erlebnispaket DDR-Fußball

Programmhefte von Chemie und Lok

Programmhefte von Chemie und Lok

(T.M.) Durch die fußballlose Zeit sowie die beispielhaften Spendenaktionen der beiden Leipziger Traditionsvereine und ihrer tollen Fans sind deren Vereinslogos deutschlandweit in den Fokus geraten. Dazu meine Frage: Wer waren die Gestalter der Lok- und Chemie-Vereinslogos? Waren es Leipziger? Haben sie weiteres Bleibendes geschaffen?

In Gedanken bin ich nun wieder um die 14 Jahre alt und fahre am Samstagnachmittag gemeinsam mit Freunden und tausenden Leipzigern mit der Bimmel von der Breiten Straße nach Probstheida zum Oberligapunktspiel meiner Loksche ins Bruno-Plache-Stadion. Am darauffolgenden Samstag geht’s dann mit Kumpel Harald, genannt Theo, der Chemie-Fan ist, vom S-Bahn-Haltepunkt Anger-Crottendorf raus nach Leutzsch. Als Chemie dort gegen den ASK Vorwärts Berlin (später Vorwärts Frankfurt/Oder) spielt, wird Karl Eduard von Schnitzler vom Stadionsprecher begrüßt und daraufhin von der überwiegenden Mehrheit der Zuschauer im Stadion gnadenlos ausgepfiffen. Auch sowas war wichtig für uns und gehörte zum Erlebnispaket DDR-Fußball.

Nach dem Stadionbesuch beeilte ich mich, nach Hause zu kommen, denn Vater wartete vor dem Fernseher wegen der ARD-Sportschau mit Berichterstattung vom aktuellen Bundesligaspieltag. Für ihn war der DDR-Fußball mehr oder weniger bedeutungslos. Ich habe es nicht geschafft, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Derzeit wartet er, nun fast 90 Jahre alt, auf mich im Seniorenheim in Dresden-Leubnitz – und ich darf ihn nicht besuchen. Das ist schon hart.

Mit dem ostdeutschen Fußball hat mein Vater nach seinem Umzug im Jahr 1991 von Leipzig nach Dresden sehr schnell seinen Frieden gemacht und ist Dynamo-Fan geworden. Mein Fußballherz jedoch schlägt weiter für Leipzig. Diesbezüglich werden wir beide uns wohl nie einig. Für die nächste Wanderung in der Sächsischen Schweiz mit meinem Schulfreund Harald überlege ich, für ihn ein nostalgisches Chemie- und für mich ein Lok-Trikot zu bestellen. Ich werde es tun.

Diesen stimmungsvollen Beitrag schickte uns Thomas aus Freital. Herzlichen Dank dafür! Wir suchten auf der Stelle alte Programmhefte, Wimpel und Aufnäher heraus und lauern nun gespannt darauf, ob irgendjemand sagen kann, wer die Gestalter der Lok- und Chemie-Vereinslogos gewesen sind.

siehe auch unsere Beiträge „Katze, Hund und Bulle“ (Juli 2012), „Das Stadion der 100.000“ (Dezember 2012) und „Leipzigs große Schüssel“ (August 2014)

Nachtrag 1: Thomas vom 1. FC Lok teilte mit: „Unsere Recherchen sind ins Leere gelaufen. Es gibt keine Akten, kein Spieler aus der 1966er Mannschaft kann sich an den Gestalter erinnern. Funktionäre dieser Jahre leben nicht mehr. In damaligen Präsidiumsprotokollen ist auch nichts vermerkt. Worauf wir bei unseren Nachforschungen gestoßen sind: Den Grafiker des Sachsen-Leipzig-Logos*. Der kam aus Markkleeberg, aber leider auch schon verstorben.“ Vielen Dank an Thomas!

* siehe unseren Beitrag „Sachsen Leipzig I“ (März 2015), dort ist das Logo zu sehen

Nachtrag 2: Christian von der BSG Chemie schrieb: „Wir haben verschiedene Kanäle/Wissensquellen versucht anzuzapfen, können allerdings die Frage, wer der ursprüngliche Gestalter des Fünfecks ist, leider momentan nicht beantworten. Sowohl unser ‚inoffizieller Vereinschroniker‘ Jens Fuge als auch die Meisterspieler von 1964, die in der Zeit, in der das Wappen entstanden sein müsste, im Verein gespielt haben, haben da keine Kenntnisse. Bekannt ist Folgendes: Das Fünfeck ist höchstwahrscheinlich im Frühjahr 1964, etwa im März/April, entstanden bzw. wurde zumindest ab dieser Zeit verwendet. Ab dieser Zeit weicht die alte schwarze Raute auf den Programmheften dem Fünfeck. Das Fünfeck war allerdings, wie viele Wappen in der DDR, noch nicht in Stein gemeißelt – je nach Darstellung weichen die Proportionen und Abmessungen leicht ab. Es gab damals ja solche Dinge wie CI und Designrichtlinien noch nicht – das Fünfeck sah eben so aus, wie der jeweilige Grafiker oder Sticker es sich vorgestellt, gezeichnet oder auf Trikots gestickt hat. Verglichen mit der Version, die der Verein heute verwendet war das Fünfeck etwas breiter, hatte eine etwas steilere untere Spitze und auch die im ‚C‘ eingeschriebene Retorte wurde noch nicht verwendet.

Abgesehen von der heute bekannten Version mit der senkrechten Grün-Weiß-Teilung im Wappen und abgesehen von den angesprochenen kleineren Differenzen in den Proportionen etc. gibt es auch eine Version mit einer diagonalen Teilung, die nicht in den Veröffentlichungen, aber auf den Trikots der Spieler benutzt wurde: https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/de/images//52/78/68c01b26ca9d6ede7eabddfcc0c9884cdbf1.jpg Das wird besonders deutlich, wenn man sich die alten Mannschaftsfotos mal anschaut, die man zum Beispiel auf unserer Homepage finden kann: https://www.chemie-leipzig.de/leutzscher-legende/mannschaftsfotos/von-1961-bis-1970/ (und die weiteren Seiten). Allerdings wird man da auch sehen, dass auch das Wappen mit der senkrechten Teilung auf den Trikots auftaucht – und dann wiederum auch eher den heutigen Proportionen entspricht als den damaligen Druck-Proportionen. Die angesprochene schwarze Raute ist noch kein individuelles Wappen unseres Vereines gewesen, sondern war das allgemeine Wappen der Sportvereinigung Chemie. Eine Übersicht über die Wappen der Sportvereinigungen findet man zum Beispiel in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sportvereinigung#Liste_der_Sportvereinigungen

Man sieht da auch, dass viele Vereine Elemente dieser Wappen in ihren jetzigen Wappen noch führen (Stahl Riesa, Turbine Leipzig, Dynamo Dresden wären nun spontane Beispiele, die mir einfallen würden). Manche Vereine haben in der DDR die Wappen der Sportvereinigung auch bis zum Ende beibehalten. Die BSG Chemie Staaken-Falkensee scheint da ein Beispiel zu sein. Bei den BSGs aus dem Bereich Chemie ist nun natürlich auffällig, dass oft insbesondere das geschwungene C als Element oft auch in den veränderten, eigenen Wappen aufgenommen wurde – auch bei unserem Verein. Die nächste Frage wäre also hier auch, wer dieses ‚C‘ gestaltet hat, weil es ja weiterhin ein Element des Chemie-Fünfecks darstellt und nicht originär nur im Chemie-Fünfeck auftaucht. Das können wir allerdings leider auch nicht beantworten. Die Ursprünge liegen ja auch bereits Anfang der 1950er Jahre.

Die aktuelle Form des Fünfecks, so wie unser Verein sie momentan führt, also in den festen Proportionen, mit der festgelegten Schriftart und den festgelegten Farbwerten existiert so auch erst seit ca. 5-6 Jahren und wurde vom momentanen Vereinsgrafiker entworfen – allerdings ist das ja eher eine Evolution bzw. Festschreibung denn eine Revolution des Wappens. Mir ist bei einer früheren Recherche irgendwann mal zufällig untergekommen, dass ein Wappen eines DDR-Vereins tatsächlich einfach von einem Vereinsmitarbeiter gezeichnet worden ist – und dann wurde eben dieses Wappen, das der entworfen hat, verwendet. Ich weiß leider nicht mehr, um welchen Verein es sich da handelte – ich fände es allerdings naheliegend, wenn genau das einfach sehr oft so passiert ist: die Clubs/BSGs wollten ein eigenes Wappen, das sich vom allgemeinen Wappen der jeweiligen SV unterscheidet, also wurde einfach intern mal ein wenig gezeichnet und entworfen – und dann war das Wappen da. Im Endeffekt ist es ja mit dem aktuellen, heutig festgeschriebenen Wappen, genau das gleiche. Das würde auch erklären, warum es da so schwierig ist, Informationen zu finden.

Ein Ansatz oder eine Idee, die ich allerdings noch hätte, wäre das Sportmuseum als Teil des Stadtgeschichtlichen Museums zu fragen, ob dort vielleicht noch Informationen zu den Wappen oder den Gestaltern der Wappen vorliegen. Es tut mir leid, dass wir keine konkreten Informationen liefern konnten, aber vielleicht können ja zumindest die Informationen, die bekannt sind, etwas weiterhelfen.“ Vielen Dank an Christian!

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