Handel im Wandel I

Karl-Heine-Straße

Karl-Heine-Straße

„Handel schafft Wandel“, steht links unter dem Löwen am Eingang des Geschwister-Scholl-Hauses in der Ritterstraße. „Handel im Wandel“, dachten wir, als wir „Geschäfte mit Geschichte – Traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Westsachsen“ durchgelesen hatten. Mit riesiger Verspätung, denn das Buch war bereits 2001 vom Handelsverband Sachsen herausgebracht worden („Gefördert mit Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit“), es erschien seinerzeit im Leipziger Messe Verlag. Etliche der porträtierten Geschäfte haben innerhalb der 16 Jahre seit Erscheinen aufgegeben, manche bereits vor der Veröffentlichung. Gerechterweise wollen wir aber auch bemerken, dass etliche andere Läden nach wie vor „am Markt bestehen“ (Hanisch, Herold, Oelsner usw.).

Wir erinnern an die Verschwundenen und bilden zusätzlich weitere Leipziger Ladenlokale ab, die wir im Laufe der Jahre fotografiert haben. Manche davon gibt es noch, andere gibt es nicht mehr. Seid neugierig und seht selbst nach. Ein aktuelles, trauriges Beispiel ist Betten-Zeidler: „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ – letztens bei uns auf Facebook präsent. Die Entwicklung im kettenfreien Einzelhandel erinnert an die bei Bäckern und Fleischern – Vielfalt verschwindet, Groß verdrängt Klein, lokale Eigenheiten gehen flöten.

Ein paar Beispiele: In „Geschäfte mit Geschichte“ lesen wir über Möbel Zinner, Pötzschker Weg 2-4: „Heute weht ein harter Wind im Wettbewerb um die Gunst des Kunden. Das Familienunternehmen Zinner konnte diesem bis Ende 2000 standhalten.“

Über Klaus Siebeneichler, Elektrohandwerk und Einzelhandel, Delitzscher Straße 32: „Am 21. Februar 2000 schloss das Elektrogeschäft Siebeneichler für immer seine Pforten und das Ehepaar Siebeneichler ging vorzeitig in den Ruhestand.“

Über Siegfried Schöbel, Uhren-Schmuck, Georg-Schwarz-Straße 9: „Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wende hinterließen auch in Lindenau ihre Spuren. Der einstige ‚Boulevard‘ des Stadtteils – die Georg-Schwarz-Straße – verlor sein Flair. (…) Das Uhren- und Schmuckgeschäft Schöbel als Teil von Alt-Lindenau soll auch weiterhin existieren.“ Es existiert nicht mehr.

Über die Fa. Hugo Moritz, Ludwigsburger Straße 9 (zuvor Georg-Schwarz-Straße) „Die zunehmende Kriminalität im Leipziger Westen zwang zur Aufgabe des traditionellen Firmensitzes. Das Geschäft ging in das Allee-Center in Grünau. Aufgrund des starken Kosten- und Konkurrenzdrucks entschied sich der Inhaber im Frühjahr 2000 zur Aufgabe.“

Über Zoo-West, Georg-Schwarz-Straße 24: Die „Baufälligkeit des Hauses in der Nr. 9 zwang Axel (Lehmann) zu einem Umzug in die Nr. 24.“ Dort haben wir ihn im Januar 2017 nicht gefunden.

Nach wie vor aktiv hingegen ist der ebenfalls im Buch vorgestellte Laden für Haushaltwaren und Elektrokleingeräte Messall in der Könneritzstraße 58, dessen Geschichte bis ins Frühjahr 1903 zurückreicht, als der vormalige Mädler-Koffer-Verkäufer Edwin Höschler an Ort und Stelle einen Eisenwarenhandel aufzog. 1984 übernahmen Ronny und Margit Messall das Geschäft. O-Ton von 2001: „Einen leichten Stand hat das Unternehmen indes nicht. In Schleußig ist die Einwohnerzahl stark zurückgegangen.

Zum Schluss Humor: „Hier entsteht demnächst ein Gummistiefelfachgeschäft“, verkündete ein Aushang im ehemaligen Versicherungseckladen am Noch Besser Leben in der Karl-Heine-Straße. „Schön wär’s“, sagen wir und denken, dass ein solches Geschäft dort sogar funktionieren würde …

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