Leipziger Spezialitäten, Teil 2

Leipziger Kaffeeschüssel (nicht komplett) von Krüsmann

Leipziger Kaffeeschüssel (nicht komplett) von Krüsmann

Zu den Spezialitäten, die ein beträchtlicher Teil der hiesigen Bevölkerung kennt, gehört die Leipziger Kaffeeschüssel. Wir haben unlängst eine aus der Lindenauer Konditorei Krüsmann* geholt und damit in einer Geburtstagskaffeerunde für Begeisterung sorgen können. Schon optisch machen die Miniaturen von Lerche, Eclair, Windbeutel, Schillerlocke, Petit Four usw. etwas her, auf der Zunge und am Gaumen dann erst recht. Leider hatten wir den Schütteleffekt der Autofahrt nach Hause unterschätzt und so den Sahne-, Creme- und Puddingstückchen ein wenig von ihrer Schönheit genommen.

Unser Foto zeigt darum maximal die Hälfte der mittleren Variante für 24 Euro; die kleine kostet 17, die große 36 Euro. Man sollte spätestens einen Tag vorher bestellen, wurde uns gesagt. Für den Abtransport bekommt man einen ziemlich stabilen Tortenkarton. Nun fragen wir: Welche Konditoren außer Krüsmanns bieten die Leipziger Kaffeeschüssel noch an? Und: Existieren verbindliche Vorgaben über die Menge und Art der Zusammensetzung?

Teresa erzählte uns, dass die Kaffeeschüssel auch in Zwickau und Umgebung ein Begriff ist, dort seien die Windbeutel wie Schwäne geformt (Zwickau trägt den Beinamen Schwanenstadt). Und von Harald erfuhren wir, dass die hier stolz vorgestellte Leipziger Art der Gebäckkomposition in Borna ebenfalls angefertigt, verkauft und verzehrt wird, es könnte sich demnach um eine sächsische Kaffeeschüssel handeln.

Wir fragen weiter: Wem ist der Leipziger Prophetenkuchen bekannt? Und wo gibt es solchen zu kaufen? In Renate Reuthers Buch „Der Geschmack der Heimat – Eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in der Region Rudolstadt – Saalfeld – Neuhaus“ (Verlag Bussert & Stadeler) lasen wir davon und stellen die Vermutung an, dass der Prophetenkuchen heutzutage eher in Thüringen eine Rolle spielt. Zumindest haben wir ihn in Leipzig noch nie gesehen und gegessen, würden das jedoch bei Gelegenheit gern nachholen.

Weitere Feinheiten bzw. Kuriositäten (immer aufwertend gemeint) waren bzw. sind die Leipziger Flocke, ein Rosinen-Weizenbrot der Bäckerei Gebr. Joachim, Pätz & Co.**, der Leipziger Rabe***, ein Bier der 1980er Jahre, der Leipziger Spatz, den man in der Gosenschenke verzehren kann, der Leipziger Käsesalat von Käse-Lehmann (in vielen Supermärkten zu haben und unserer Meinung nach besser als der Sächsische Käsesalat vom selben Hersteller) sowie das Fischbrötchen mit Sauerkraut, Experten zufolge die Leipziger Variante.

* siehe auch unseren Beitrag „Ein Kaiser zum Kauen“ (Februar 2014)
** siehe auch unsere Beiträge „Stern-Brot aus Eutritzsch I und II“ (Januar 2017)
*** siehe auch unseren Beitrag „Bejahrte Bieretiketten II“ (November 2012)

Nachtrag am 23.01.2018: Wo es die Leipziger Kaffeeschüssel noch geben könnte, haben wir auf Facebook gefragt und gemeinsam mit Euch diese Liste zusammengetragen: Café Maître, Café Krüger, Bäcker im Lidl am Wiedebachplatz, Café Corso, Café Eigler, Café Feiste, Café Grundmann und Café Hachmeister sowie Café Flemming in Markranstädt. Jetzt müssten wir sie noch abarbeiten, aber das geht nicht so schnell.

Nachtrag am 22.10.2018: Heute erschien ein Beitrag über die Kaffeeschüssel in der Halbjahresschrift Leipziger Blätter. Fazit: Das Gebäckarrangement ist (zumindest vom Namen her) eine Leipziger Besonderheit und möglicherweise auf Napoleons Einfall in Sachsen zurückzuführen, anderswo heißt es Bunte Platte oder Bunter Teller. Eine gelungene Variante von letzterem sahen wir gerade erst in Wüstenbrand bei Chemnitz. In Leipzig-Grünau wird darüber hinaus die Erotische Kaffeeschüssel angeboten (Café Feiste).

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