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Leipzigs wahrscheinlich kleinste Brauerei

Leipzigs wahrscheinlich kleinste Brauerei

Christian Formella betreibt Leipzigs wahrscheinlich kleinste Brauerei. Wenn er braut, dann 20 Liter pro Brauvorgang – zwei Kästen Bier. Eine Flasche davon kostet drei Euro und ist im Augenblick ausschließlich per Direktabholung in der Walter-Heinze-Straße 3 zu haben. Man ruft an, macht eine Zeit aus und fiebert der konspirativ wirkenden Getränkeübergabe entgegen. Als wir das im Dezember zum ersten Mal probierten, fanden wir nirgendwo am Gebäude einen Hinweis auf die Walhaei-Brauerei – es klappte trotzdem ohne Probleme. Mittlerweile hat Christian die Tür rechts neben der Hummus-Bar Akko beschriftet.

Der Name Formella klingt italienisch, mit Sicherheit finden sich in der Familiengeschichte entsprechende Vorfahren, Christian ist dennoch alter Leipziger, aufgewachsen in Connewitz und seit nunmehr 20 Jahren in Plagwitz zu Hause. Seine Eltern kamen einst nicht aus Florenz oder Neapel, sondern aus Gera bzw. Zwickau zu uns in die Messestadt. Hauptberuflich arbeitet ihr figlio als Elektroplaner, er hat an der HTWK studiert und nebenbei stets Sport getrieben. Nun gibt er sein Wissen im Leipziger Kanu-Club an junge Slalomfahrerinnen und -fahrer weiter.

Aufs eigene Bier kam Christian über Küchen-Experimente mit Ingwerlimo und Ingwerbier. Schließlich beschaffte er sich ein Brau-Set und befasste sich mit Braurechnern, verschiedenen Hopfen und zu erwartenden Aromen. Schon zu der Zeit fungierte der Hobbybrauer als Halbe-Treppe-Nachbarschaftsversorger. Irgendwann aber suchte er sich einen separaten Raum und hatte fast vor seiner Wohnung das Glück, eine ideale Ecke zu finden – hinter der beschrifteten Tür. Dort braut er immer wieder andere Sorten – aus Freude am Ausprobieren. Da er jedoch weiß, dass die Kundschaft ein wenig auf Wiedererkennung setzt, wird er zumindest das Red Ale dauerhaft anbieten.

Die WikiVoyage-Brauereiliste für Leipzig führt Formellas feine Firma als Nummer 12 und verrät auch die notwendige Telefonnummer. Wir sind über unseren Bieretiketten-Sammlerfreund Hardy* auf Christian aufmerksam gemacht worden (Herzlichen Dank!) und wissen mittlerweile, dass sich das Kunstwort Walhaei von der Walter-Heinze-Straße ableitet (so wie Bohei** für Boulevard Heine). Weil Walhei nach dem Meeresgetier Walhai klingt, konnte sich der Brauer nicht entscheiden und verwendet a und e gleichzeitig. Seine Brauerei ist aktuell die dritte Plagwitzer, von der wir wissen, die fünfte, welche (auch) Gose braut, und zur Zeit eben die zwölfte aktive in unserer Stadt.

* siehe unseren Beitrag „Bejahrte Bieretiketten V“ (Juni 2022)
** siehe unsere Beiträge „Bohei & Tam Tam Nr. 1“ (Juni 2016) und „Bohei & Tam Tam 2017“ (Juni 2017)