Rabe/Raddatz: Demontage der Bahn

Sächs. Kraftstellerei I (Stellwerk; links) und Heizwerk der Sächs. Staatseisenbahnverwaltung (mit Turm, dahinter)

Sächs. Kraftstellerei I (Stellwerk; links) und Heizwerk der Sächs. Staatseisenbahnverwaltung (mit Turm, dahinter)

Vor 15 Jahren legten die langjährigen Eisenbahner Fred Rabe und Johannes Raddatz ihre Bestandsaufnahme „Demontage der Bahn“ vor und nannten sie „Eine Fotodokumentation über Bahnhöfe und Stellwerke in Sachsen“. Das über 1.000 Seiten umfassende Buch erschien 2003 in der Edition BaB (= Bücher auf Bedarf) der Engelsdorfer Verlagsgesellschaft* und ist heute nur noch antiquarisch zu bekommen.

Der „Versuch …, alle heute (im Jahr 2002) noch vorhandenen Bahnhöfe und soweit möglich auch die dazugehörigen Stellwerke … in Bildern festzuhalten“ sollte erklärtermaßen „ein Beitrag gegen das Vergessen“ sein, denn „niemals zuvor hat es so einen rücksichtslosen, ja geradezu verantwortungslosen Kahlschlag gegeben“ wie nach 1990 bei der Reichs- bzw. später Deutschen Bahn.

„Die Eisenbahn war ursprünglich einmal dazu gedacht, um Menschen und Güter von einem Ort zum anderen zu befördern – auch an entlegenste Orte; und das für jedermann und zu allgemein erschwinglichen Preisen“, schreiben die Autoren uns aus dem Herzen und bringen auch folgende romantisch-gelungene Beobachtung: „Der Bahnhof ist eine Welt für sich, ein Ort, an dem das Leben niemals zum Stillstand kommt, wo man sich 24 Stunden lang, rund um die Uhr, aufhalten kann. Ankunft und Abschied, Freude und Schmerz, ‚Dienst und Schnaps’ lösen sich hier nahezu ständig und unaufhaltsam einander ab – in einem offenbar niemals enden wollendem Wechsel und doch in ständiger Wiederholung.“

Allerdings seien „viele Bahnhöfe … heute (2002) so erbarmungswürdig heruntergekommen und verwahrlost, daß man es mit normalen Worten kaum noch zu beschreiben vermag“. Rabe und Raddatz fuhren die sächsischen Strecken dank ihrer Insider-Kenntnisse akribisch ab (z.T. bis nach Thüringen und Sachsen-Anhalt) und fotografierten unzählige Bahnhöfe, Haltepunkte und Stellwerke von außen sowie oft auch von innen.

Wir wollen noch ein wenig zitieren: “Die erste Eisenbahn-Linie, die Leipzig berührte, war die von Leipzig nach Dresden, deren erstes Teilstück am 24. April 1837 feierlich eröffnet und deren Gesamtstrecke im Jahr 1839 in Betrieb genommen wurde. Mit Inbetriebnahme der Gesamtstrecke gab es an der Stelle des späteren Dresdner Bahnhofs bereits eine sogenannte ‚Personenhalle’, einen Güterschuppen und verschiedene andere Nebengebäude, dazu eine Wagenbauanstalt, eine Schmiede, ein Maschinenhaus, einen Wagenschuppen und einen Stall, denn – seinerzeit wurde der Rangier-Betrieb auf dem Bahnhofsgelände noch mit Pferden durchgeführt.“ Dem Dresdner Bahnhof folgten der Magdeburger (1840), der Bayrische (1842), der Thüringer (1856), der Berliner (1859) und schließlich der Eilenburger Bahnhof (1874).

Ebenfalls interessant: „Am 12. Juli 1969 wurde in Leipzig der S-Bahn-Verkehr aufgenommen. Als Vorläufer der S-Bahn hatte sich seit der Frühjahrs-Messe 1968 eine Schnellbahn-Verbindung zwischen Leipzig Hbf. und Technischer Messe gut bewährt.“

2012, zehn Jahre nach Rabe und Raddatz, begannen wir, Leipziger Bahnhöfe abzulichten. Anfang 2017 gab uns dann ein praktizierender Eisenbahner den Hinweis, dass da ein interessantes Buch existiere. Wir kümmerten uns und wissen inzwischen aus eigener Anschauung: Wer die „Demontage der Bahn“ besitzt, darf sich glücklich schätzen – auch wenn der Inhalt traurig stimmt.

An Leipziger Stationen** sind im erwähnten Werk in dieser Reihenfolge zu sehen: Leipzig-Ost, Stötteritz, Marienbrunn, Connewitz, Kleinzschocher mit Ziehharmonikagebäude (inkl. Innenaufnahmen), Rückmarsdorf, Miltitz, Gohlis, Möckern, Leutzsch, Plagwitz (inkl. Innenaufnahmen), Großzschocher, Knauthain, Knautnaundorf, Wiederitzsch und Neuwiederitzsch, Mockau, Thekla, Schönefeld, Böhlitz-Ehrenberg (bzw. Burghausen-Gundorf), Lausen sowie Heiterblick.

Zuguterletzt geht unser herzlicher Dank an Holger, zum einen für seine 1995er Fotos und zum anderen für die Bildunterschriftsinformationen bei der sächsischen Kraftstellerei I, dem Heizwerk der Sächsischen Staatseisenbahnverwaltung (beides am Bahnsteig 26, Ostseite des Hauptbahnhofs) und dem Abfertigungsgebäude für den sich ehemals daran anschließenden Eilgutschuppen der preußischen Eisenbahn (am Bahnsteig 1, Westseite; Holger: „Bevor der Hbf. neu errichtet wurde, befand sich dort die Güterabfertigung des Thüringer Bahnhofs“).

* siehe unseren Beitrag „Buchstadt Leipzig 2017“ vom März 2017
** siehe unsere Serie „Verlassene Bahnhöfe“ (Schlagwort Bahnhof)

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