Verlassene Bahnhöfe VIII

Bahnhof Großzschocher

Bahnhof Großzschocher

Nicht verlassen im eigentlichen Sinne, aber verlassen von der Deutschen Bahn wirken die Bahnhöfe in Großzschocher und Holzhausen. Der Heimatverein Holzhausen schreibt auf seiner Internetpräsenz www.berggut.de: „Die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Leipzig-Geithain 1887 förderte die Ansiedlung von Gewerbe, vor allem zahlreicher Gärtnereien.“ (Als alte Romantiker bilden wir dazu das Deckblatt eines Baumschulen-Katalogs aus Holzhausen ab – 1960er Jahre.)

Über den örtlichen Bahnhof weiß Holzhausen-Sachsen.de: „… am 30. April 1887 wird die Bahnstrecke Leipzig Paunsdorf nach Geithain über Holzhausen … in Betrieb genommen. Der Haltepunkt … hieß zunächst Holzhausen. 1901 wurde er dann in ‚Bahnhof Holzhausen-Zuckelhausen‘ umbenannt und gleichzeitig für den Güterverkehr geöffnet.“ Heute sieht die Immobilie im Gegensatz zu vielen ihrer „Verwandten“ nicht heruntergekommen aus, scheint aber auch nicht mehr als Bahnhof genutzt zu werden, eher als Wohnhaus mit Bahnsteig vorm Fenster.

Optisch nicht ganz so weit wie in Holzhausen präsentiert sich der Bahnhof Großzschocher. Hier wird das Dach gedeckt – immerhin, ein gutes Zeichen! Im Klinkerhäuschen an der Schranke herrscht offensichtlich sogar noch Betrieb. Und im Nebengebäude gegenüber (von der Gerhard-Ellrodt-Straße aus gesehen vorm ehemaligen Bahnhof) betreibt der Nontox LE e.V. einen Wave-Gotik-Club. Da ist richtig Leben in der Bude. Wenige Schritte davon entfernt befinden sich ein Autohaus, eine Aldi-Filiale und eine große, aufgegebene Fabrikhalle.

Was sagen die Quellen im Geheimtipp-Archiv? Die Broschüre „Leipzig-Südwest – Aus der Geschichte eines Stadtbezirkes“ von 1990 führt Folgendes zu Großzschocher auf: „1872/73 Bau der Leipzig-Plagwitz-Zeitzer Eisenbahn von der damaligen Thüringer Eisenbahngesellschaft durch die Ortsflur von Großzschocher; 1890 wurde der zuerst angelegte Güterbahnhof zu einer Haltestelle mit Bahnhofsgebäude erweitert“ und „1879-1881 Bau der Plagwitz-Gaschwitzer Bahn mit einem zweiten Bahnhof in Großzschocher (heute S-Bahn-Haltepunkt Kleinzschocher)“.

Und weil wir einmal dabei sind: Interessante Details aus dem Bahnhofs- bzw. City-Tunnel-Umfeld brachte die Leipziger Volkszeitung am 09.01.2014. Da wurde zum einen die automatische Haltestellen-Ansagestimme am Lesertelefon als „Blechelse“ bezeichnet (großartig!), zum anderen hörte man aus Taucha von Auto- und Fußgängerstaus wegen neuerdings längerer Schrankenschließzeiten.

In der nordöstlichen Nachbarstadt Leipzigs gebe es sogar noch einen Bahnübergang, an dem die Schranke von Hand bedient wird (am Gerichtsweg)! Außerdem: „Baumaßnahmen im Bahnhof Taucha sind von November 2016 bis Ende 2018 vorgesehen“, sagte die Pressesprecherin der Bahn im Beitrag „Schranken sind jetzt öfter geschlossen“. Wir wundern uns, denn dieser Bahnhof wurde doch unlängst verkauft?!*

Ähnlich überraschend war der Inhalt eines Artikels in der LVZ vom 15.01.2014: „Wer sich Leipzigs neues S-Bahn-Netz anschaut und es mit den ursprünglichen Planungen aus den 1990er-Jahren vergleicht, stellt fest: Mehrere Haltepunkte wurden nicht gebaut.“ Vergessen – aus Kostengründen. Aufgezählt werden die Stationen Essener Straße, Mockauer Straße (Mockauer Post**) und Paunsdorf (neu – denn einen alten, zum Teil umgebauten Bahnhof gibt es dort***).

* siehe unseren Beitrag „Bahnhöfe zu verkaufen“ (August 2012)
**  siehe unseren Beitrag „Die Mockauer Post“ (Januar 2013)
*** siehe unseren Beitrag „Verlassene Bahnhöfe VI“ (Januar 2013)

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