Aktenzeichen L.E. ungelöst IIa

1891: Anzeige im Adressbuch für die Ostvororte Leipzigs

1891: Anzeige im Adressbuch für die Ostvororte Leipzigs

Wir haben Leser, die uns helfen. Das freut uns und führt dazu, dass wir überhaupt Beiträge unter dem Titel „Aktenzeichen L.E. ungelöst“ ins Internet stellen – weil wir mit diesen Lesern rechnen! Und die Rechnung ist aufgegangen, herzlichen Dank speziell an Julius, Frank und Andreas!

Letzterer hat unseren Artikel „Aktenzeichen L.E. ungelöst II“ vom 26. März 2015 gelesen und sich gedacht: „Die armen Säcke tappen total im Dunklen.“ Um Licht in jenes Dunkel zu bringen, stellte er Fakten und Abbildungen zusammen, die er uns zukommen ließ, so umfangreich, dass wir hier einen zusätzlichen Beitrag über die ehemalige Brauerei Offenhauer in Thonberg veröffentlichen.

Brauerei M.A. Offenhauer
– 1848 Errichtung der Brauerei und Mälzerei durch Herrn Derbfuß.
– 1857 Verkauf der Brauerei an Traugott Keil.
– 1861 Nach der Eröffnung der Brauerei Riebeck in der Mühlstraße verkauft Traugott Keil die Brauerei an Moritz Alwin Offenhauer, den Braumeister der Krostitzer Brauerei.
– Zwischen 1864 und 1872 Abbruch der alten Brauerei und Errichtung einer neuen.
– 1885 Moritz Alwin Offenhauer stirbt, der Betrieb wird von seinem Sohn weitergeführt. Es wird Braun-, Karamell- und Jungbier produziert.
– Bis 1886 (und dem Neubau eines Maschinenhauses mit Dampfmaschine und Kesselhaus) wurde die für die Produktion notwendige Energie mit Hilfe eines Göbelwerks, also tierischer Kraft, erzeugt.
– 1898 Einbau einer Kühlanlage, bis dahin wurde mit Natureiskühlung gearbeitet. (Man denke an bekannte Bezeichnungen wie Felsen- oder Eiskeller.)
– 1909 Installation einer Gasbeleuchtung im Kontor und im Maschinenhaus der Brauerei, die anderen Räume wurden zunächst weiter mit Öllampen beleuchtet.
– 1946 (oder 1949?) Einstellung des Braubetriebs.
Die nachfolgende Nutzung ist Andreas und uns bislang unbekannt, das wird allerdings nicht ewig so bleiben!

Dr. Ulrich Krüger brachte 1993 „Die Brauerei in Leipzig-Thonberg, Prager Str. 109-113, Städtebauliche, technische und wirtschaftliche Aspekte, Baugeschichte und Denkmalswert“ heraus, die diese und andere Fakten ebenfalls aufzählt. Weiterhin sind im Netz Bieretiketten und Bierdeckel von Offenhauer zu sehen. Ein Foto vom Zustand Ende der 1980er Jahre findet sich in Helmut-Henning Schimpfermanns Buch „Wirtliches an der Pleiße“ von 1989. Es sieht schon so ähnlich aus wie von uns in den 1990ern festgehalten.

Zwei Zeitungsartikel aus den 1980ern erzählen von der Idee einer Nutzung der Brauerei als Museum und Jugendklub bzw. Wohngebietszentrum. Im Museum sollte „die Geschichte der Braukunst dargestellt“ werden. „Die in Leipzig ansässigen Brauereien haben bereits großes Interesse an diesem Vorhaben gezeigt“, teilen die Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten, die Zeitung der „Blockpartei“ NDPD 1986 mit.

Das Sächsische Tageblatt, Organ der LDPD, ebenfalls eine „Blockpartei“ (beide gingen später in der FDP auf), beginnt seinen Artikel so: „Ein Ärgernis ist der Zustand der Bauten an der Ecke Lenin-/Riebeckstraße; und mancher wird fragen, warum das Ganze nicht längst der Spitzhacke zum Opfer gefallen sei?“ Um neue Unordnung in unsere Gedanken zu bringen, behauptet der Autor (W. Oehlmann, IG Technische Denkmale, Kulturbund Leipzig), dass „aus dem Gutshof der Familie Offenhauer die erste dampfbetriebene Brauerei Leipzigs“ wurde. Ein Offenhauerscher Gutshof? Das muss ein Irrtum sein.

Im Buch „Ur-Krostitzer – Chronik einer Brauerei in Mitteldeutschland“ werden übrigens weitere Offenhauers genannt: Braumeister Ferdinand Offenhauer ist in den 1840ern Chef der Krostitzer Brauerei und besitzt dann 1860 eine Brauerei in Delitzsch. Ebenfalls 1860 gibt es einen Brauerei-Inhaber Ad.(olf) Offenhauer in Lindenau sowie einen Wirt (zumindest einen Kunden der Krostitzer Brauerei) namens Offenhauer in Naundorf*.

Interessant sind auch die neben dem Bräustüb’l im Ausschnitt aus dem 1957er Telefonbuch erwähnten Leipziger Gaststätten. Manch eine dürfte unter anderem Namen noch bestehen (z.B. Brandvorwerk = La Romantica), von manch anderer haben wir zumindest schon gehört (z.B. Carlo-Klause).

* Welches Naundorf? Das Naundörfchen? Abtnaundorf? Lindenaundorf? Knautnaundorf?

Nachtrag am 06.09.2015: Danke an Harald Stein vom Blog wortblende für zwei ebenfalls historische Fotos!

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