Der grüne Heiland

Apelstein Nr. 48

Apelstein Nr. 48

Ein grüner Heiland breitet seine Arme aus und bietet damit ein originelles Fotomotiv. Wo? Auf dem Friedhof Sellerhausen. Ihr durchquert dessen Eingangstor in der Riesaer Straße und wendet Euch nach rechts zur Umfassungsmauer Richtung Elisabeth-Schumacher-Straße. An den Mauern sind bekanntlich immer die prächtigeren Grabstätten platziert.

Je älter ein Friedhof dabei ist, desto besser. Der Sellerhäuser wird seit 1886 genutzt – zu Beginn kleiner als heute, dafür bereits mit Kapelle und Beamtenwohnhaus ausgestattet. Vier Jahre später gehörte Sellerhausen zu Leipzig. Das angrenzende Stünz blieb noch bis 1910 selbständig, Paunsdorf sogar bis 1922.

Interesse weckt der Apelstein Nummer 48 auf der Grünfläche vor der (neuen, 1913-15 gebauten) Kapelle. Auf ihm sind sächsische Truppen und der 18. Oktober 1813 erwähnt, weiterhin der französische General Jean Louis Ebenezer Reynier. Der hatte laut Theodor Apels „Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs“ (erschienen 1863) u.a. das Amt des neapolitanischen Kriegsministers inne und befehligte die Sachsen schon im Sommer 1809 in der Schlacht bei Wagram.

„In den Feldzügen 1812 und 1813 war er an die Spitze des 7. französischen Corps gestellt, zu welchem das sächsische Contingent gehörte …“ Nach der Niederlage bei Dennewitz am 6. September 1813 „nahm General Reynier die Sachsen, welchen Marschall Ney (für) den Verlust dieser Schlacht (die) Schuld gab, obgleich sie fast allein noch eine geschlossene Ordnung bewahrt hatten, energisch in Schutz und erliess ein Rechtfertigungsschreiben an Napoleon“.

Der Apelstein, so lesen wir im Friedhofswegweiser Leipzig (4. Ausgabe, 2010), markiere den Ort, an dem die bis dahin auf der Seite des französischen Kaisers kämpfenden sächsischen Truppen zu dessen Gegnern, den sogenannten Verbündeten, übergegangen waren – und zwar am denkwürdigen 18. Oktober 1813*.

Der grüne Heiland hat damit nichts zu tun, könnte aber den Wunsch nach einem Besuch des parkartigen Geländes an der Riesaer Straße in Euch auslösen. Und wenn Ihr einmal hier seid – zwischen alten Steinen, Efeu und frischen Blumen -, ganz in der Nähe befinden sich die Pfefferkiste, der Deutsche Hof sowie die betagten Bahnhöfe von Paunsdorf und Schönefeld (die alle schon auf unserer Seite vorgestellt wurden).

* siehe auch unseren Beitrag „Kirche ohne Sachsen“ (März 2012)

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