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Es waren einst sieben Brauereien

Es waren einst sieben Brauereien

Es waren einst noch viel mehr, siehe unsere „Liste Leipziger Brauereien“ (November 2015)! Auf der von Susi und Holger im Internet entdeckten über 80 Jahre alten Bierpostkarte jedoch sind es sieben, die Kronen-Brauerei Bruno Ermisch, die Brauerei Ernst Bauer, die Brauerei C.W. Naumann, die Brauerei F.A. Ulrich, die Aktienbrauerei Gohlis, die Riebeck-Brauerei und die Brauerei Sternburg. Da Lützschena damals selbständig war, stellen wir uns die Frage, warum hier das Brauhaus Markranstädt fehlt? Bildeten die Sieben eine Art Kartell, einen Vorläufer des Getränkekombinats, in dem sie in den 1950er Jahren alle aufgingen?

Auf jeden Fall zeigt die Karte den Festwagen der genannten Brauereien im Festzuge „Der Löwe ist los“. Der Brauergott bzw. -könig Gambrinus sitzt gemeinsam mt dem am Schaum leckenden Leipziger Wappentier auf einem zum Gefängnis ausgebauten Stadtemblem, welches folgende Forderung ziert: „Abstinenzler, rinn in den Käfig“. Darunter ist zu lesen: „Wir werden das Kind schon schaukeln“ – und das Emblem schaukelte scheinbar wirklich. Zumindest hat es O.J. Olbertz so gezeichnet. „Trinkt unser Bier!“, prangt groß am Wagen, welcher in mittelalterlicher Manier von Pferden gezogen wird …

Die Karte ging am 2. Januar 1939 von der Nordstraße 47 in die Hedwigstraße 1. Das wissen wir dank ihrer Rückseite. Wann aber fand der Festzug statt? Was wurde gefeiert? Ein Stadtfest, ein Volksfest? Jährlich? Basierend auf der Leipziger Löwenjagd* von 1913? Eine weitere Postkarte im Internet nimmt Bezug auf das Stadtfest „In Leipzig ist der Löwe los!“ vom 13. Mai 1939 und zwar mit diesem Vierzeiler „In Leipzig ist der Löwe los, / Das einz’ge Mal im Jahr, / Und meine Stimmung ist ganz groß, / Ist das nicht wunderbar.“

* siehe zur Löwenjagd von 1913 unseren Beitrag „Leipziger Löwen“ (Februar 2014)

Neben der erwähnten Liste Leipziger Brauereien findet Ihr auf unseren Seiten alte Leipziger Bierdeckel und Bieretiketten, Ausführungen zu Riebeck, Sternburg („Sternburg, nicht Sternburger“, März 2012) und zur Gose, das Grab von Bruno Ermisch auf dem Friedhof von Connewitz („Auf Bruno Ermischs Spuren“, August 2018) und Ulrichs alte Villa in Lindenau („Das KAOS kehrt zurück“, Juni 2015) sowie ganz neu den Namen Naumann in einer Gaststube im Felsenkeller („Ein Krokodil über der Theke“, November 2021).

Es waren einst sieben Brauereien – und heute sind es mindestens acht: Sternburg, Bayrischer Bahnhof, Napoleon, Brauhaus an der Thomaskirche, Rattenbräu in Hartmannsdorf, Cliffs Brauwerk, Synde Bräu und die Kasten-Brauerei. Sollten wir einen oder mehrere aktuelle Leipziger Bierhersteller vergessen haben, informiert uns bitte!

Nachtrag 1: Die Plagwitzer Brauerei (seit 2020) und der Ratskeller waren uns durch die Lappen gegangen. Danke, Tobias und Oliver! Und dank Bratislaus wissen wir nun, dass auch die Gohliser Gosenschenke in die „Liste Leipziger Brauereien“ aufgenommen werden muss. Wirt Jens Gröger teilte auf unsere Anfrage hin mit: „Ja, wir brauen seit 2017 ‚Edelgose‘, seit 2018 ‚Kellergold‘ und seit 2020 unseren ’schwarzen Hahn‘.“ Somit sind es unseres Wissens nach aktuell elf Brauereien in Leipzig.

Nachtrag 2: Erwähnen möchten wir unbedingt auch die Original Ritterguts Gose und die Biere der Weißen Elster, welche jeweils in Leipziger Auftrag in Chemnitz-Reichenbrand gebraut werden.